25 Jahre Gentechnik im Freiland: Wie die Wissenschaftler den Kampf um die Deutungshoheit über die Kölner Petunien verloren

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6. Mai 2015 | von: Gerd Spelsberg

Am 14. Mai 1990, vor genau 25 Jahren, wurden auf dem Gelände des damaligen Max-Planck-Instituts für Züchtungsforschung in Köln 30.700 Petunien ausgepflanzt. Es war der erste Freilandversuch mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland. Mehrere Hundert Demonstranten blockierten das Tor zum Versuchsgelände. Politische Kampagnen, besorgte Bürger, diffuse Ängste und vor allem ein tiefes Misstrauen gegen eine Biologie, die Organismen nicht mehr nur beschreiben, sondern mit neuen, molekularbiologischen Verfahren auch verändern wollte -  die Freisetzungen mit gv-Pflanzen in Deutschland begannen, wie sie gut 20 Jahre später endeten. Bis heute haben die Gentechnik-Gegner die Deutungshoheit behalten. Und daran sind die Petunien nicht ganz… Mehr 

Biomimikry: Wenn die Bäume leuchten

12. Dezember 2014 | von: Gerd Spelsberg

Jetzt leuchten sie wieder, die Weihnachtsbäume auf Marktplätzen, in Kaufhäusern, Wartehallen und Vorgärten. Inszenierte Stimmungen mit elektrischen Lichterketten. Wäre es nicht viel spektakulärer, sie könnten von selbst leuchten? Aus eigener Kraft wie Glühwürmchen oder fluoreszierende Quallen ohne dafür elektrische Energie zu benötigen. Und das nicht nur in der Vorweihnachtszeit, sondern Bäume, die das ganze Jahr über „natürliches“ Licht produzieren und damit die herkömmliche Straßenbeleuchtung ersetzen. Verrückt? Ein bisschen, aber gar nicht mal so unrealistisch. In den USA gibt es bereits leuchtende Tabakpflänzchen im Online-Shop des Biotech-Startups Bioglow zu kaufen. Starlight Avatar, so der Markenname, „ist die erste… Mehr 

Wir machen alles außer Gentechnik

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22. September 2014 | von: Gerd Spelsberg

Mit dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wird es wohl vorerst nichts. Dass ein mehr oder weniger flächendeckendes Verbot in Deutschland kommt, scheint außer Frage. In erster Linie zielt es gegen „Gen-Mais“, aber auch andere „Gen-Pflanzen“ der großen Agrarkonzerne, falls sie in der EU eine Anbauzulassung erhalten sollten. Jedes Verbot bestätigt und bestärkt das Negativ-Image, das Grüne Gentechnik in der Öffentlichkeit hat. Doch: Welche Pflanzen und welche Züchtungsverfahren fallen eigentlich darunter? Das ist keine theoretische Frage. Daran entscheidet sich, was überhaupt eine Chance hat. Zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und allen übrigen, automatisch als „natürlich“ oder „herkömmlich gezüchtet“ wahrgenommen, besteht eine schroffe… Mehr 

Ben & Jerry’s: Gentechnik-Boykott gegen das politisch korrekteste Eis der Welt

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30. Juni 2014 | von: Gerd Spelsberg

Die Geschichte von Ben & Jerry’s klingt wie ein schönes, modernes Märchen: Vor knapp vierzig Jahren hatten Ben Cohen und  Jerry Greenfield, zwei Alt-Hippies, die Idee, in einer heruntergekommenen Tankstelle irgendwo in der amerikanischen Provinz „verrückte Eissorten“ zusammenzumischen. Heute ist ihr Eis Kult und in den „entlegensten Winkeln“ der Welt zu haben. Und noch immer steht Ben & Jerry’s für einen linksliberalen, unangepassten Lebensstil, für Umweltbewusstsein, soziale Standards und fairen Handel. Der Kampf gegen die großen Konzerne und die Gentechnik gehört zum Gründungsmythos. Und ausgerechnet dieses durch und durch politisch korrekte Eis ist ins Visier der Anti-Gentechnik-Gruppen geraten. Sie haben… Mehr 

Synthetische Biologie: Eine bessere Welt durch „extreme Gentechnik“?

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11. Juni 2014 | von: Gerd Spelsberg

Himmel und Hölle zugleich – und das bei einem Ökoprodukt. Hier: „Wenn wir in unseren Produkten anstelle von Palmöl Öl aus Algen verwenden, muss weniger Regenwald abgeholzt werden. So schützen wir den Lebensraum für den Orang Utan und andere bedrohte Tierarten.“ Dort: „Extreme Gentechnik, deren Risiken nicht abzusehen sind. Es ist eine Täuschung der Verbraucher, wenn diese Produkte als natürlich und nachhaltig beworben werden.“ Rettung der Welt oder Untergang, da gibt es keine Zwischentöne. Aber es griffe zu kurz, das als schrillen ideologischen Streit zwischen verbohrten Hardlinern irgendwo in einer Öko-Nische abzutun. Da zieht ein Grundsatzkonflikt herauf, der uns vermutlich… Mehr 

Gentechnik-Mais 1507: Warum etwas verbieten, was niemand haben will?

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10. Januar 2014 | von: Gerd Spelsberg

In den nächsten Tagen muss die EU- und das heißt auch jeder einzelne Mitgliedsstaat – entscheiden, ob der gentechnisch veränderte Mais 1507 für den Anbau zugelassen werden soll. Es wäre – mal abgesehen vom Intermezzo mit der längst schon wieder verschwundenen Amflora-Kartoffel – seit sechzehn Jahren die erste gentechnisch veränderte Pflanze, deren Anbau in der EU grundsätzlich genehmigt würde. Eine eindeutige politische Entscheidung – dafür oder dagegen – hätte eine große symbolische Bedeutung. Und entsprechend hoch geht es her. Wie immer beschwören die Gentechnik-Gegner „unkalkulierbare Gefahren“ und das „Ende einer gentechnik-freien Landwirtschaft“. Ihre Kampagne - Unterschriften, Petitionen und auch… Mehr