Die Zeit zwischen den Tagen…

30. Dezember 2010 | von:

so sieht mais aus: ein kolben

…ist besinnlich und etwas ruhiger. Ich habe Urlaub und komme jetzt also in Ruhe dazu, lange zu schlafen, ein Manuskript durchzugehen, Antragsunterlagen zu vervollständigen und zu korrigieren, sowie weitere Anträge zu konzipieren und zu schreiben. Zwar nicht so effektiv, wie es sein könnte, aber es ist halt auch Urlaub, und der dient der Entspannung.

Andere Menschen sind genauso umtriebig in dieser Zeit, wie ich (oder sogar  noch umtriebiger). Der (Des)Informationsdienst Gentechnik titelt heute “Wikileaks: Diplomaten-Hilfe bei Gentechnik-Einführung in die EU“. Dort schreiben die Kameraden:

“Wikileads-Enthüllungen zeigen, wie Gentechnikbefürworter versuchen, der Agro-Gentechnik in der EU zum Durchbruch zu verhelfen. US-Diplomaten empfahlen der amerikanischen Regierung beispielsweise, den Papst zu einer gentechnikfreundlichen Haltung zu bringen, um damit über eine Milliarde Anhänger der römisch-katholischen Kirche zu beeinflussen.”

Und weiter:

“In einem weiteren Wikileads-Dokument ist zu lesen, wie sich ein spanischer Agarpolitiker hilfesuchend an die US-Regierung wendet, weil sich innerhalb der EU letztes Jahr eine gegenüber der Gentechnik zunehmend kritische Stimmung breit machte. Monsanto-Mitarbeiter setzten sich dafür ein, dass Spanien nicht Frankreich und Deutschland folgt und den Gentechnik-Mais MON810 verbietet.”

Wie schrecklich, die bösen Monsantos und ihre Einflussnahme wieder. Immerhin kann man Wikileaks zu Gute halten, auch das mal wieder gezeigt zu haben: große Firmen betreiben Lobbying. Das weiss jeder und ist auch ganz verständlich und normal bei Firmen. Das dies aber auch Verbände und NGO tun, das stellen die Freunde vom (Des)Informationsdienst nicht gerne dar.

Und dass gerade Greenpeace und die Friends of the Earth an solchen politischen Spielchen beteiligt sind, und dabei ihre ureigenen Überzeugungen über Bord werfen, um ein Übel gegen das andere vermeintliche Übel auszuspielen, wird auch nicht verraten. Dabei zeigt Wikileaks auch das.

Wenn man nämlich unter dem Wust an Wikileaks Dokumenten mal nach Greenpeace sucht, findet man Erstaunliches (zumindest für jemanden, der an das Gute in Greenpeace glaubt). Das Cable “09MADRID482: SPAIN’S BIOTECH CROP UNDER THREAT” legt nahe, dass sich Greenpeace bzw. die Friends of the Earth auf einen interessanten Kuhhandel mit der französischen Regierung eingelassen haben. Im Cable liest man:

Ҧ3. (SBU) In response to invocation of a safeguard and emergency
measure to suspend MON810 cultivation in France, the European Food
Safety Authority’s (EFSA) Scientific Opinion of October 29, 2008
found no new scientific evidence of risk related to MON810
plantings. The EFSA report, however, is being questioned. Monsanto
maintains that anti-MON810 momentum was gained by a de facto
agreement between the Government of France and GREENPEACE/Friends of
the Earth whereby the GOF would support the anti-GMO movement and
environmental activists would turn a blind eye to Sarkozy’s nuclear
energy initiatives.”

Ҧ10. (SBU) Monsanto asserts that anti-MON810 momentum was gained by
a de facto agreement between the Government of France and
GREENPEACE/Friends of the Earth whereby the GOF would support the
GMO-free movement if activists turned a blind eye to President
Sarkozy’s nuclear energy initiatives.”

Die NGOs setzten sich also mit der französischen Regierung zusammen und brachte diese dazu, eine negative Haltung zu MON810 politisch durchzusetzen. Und erkauften sich das damit, dass sie dem pro-Atomkraft-Kurs der französischen Regierung gegenüber die Füße stillhalten werden.

Interessant, ist Greenpeace doch absolut gegen die Verwendung der Kernenergie:

“Greenpeace kämpft seit 30 Jahren für den Atomausstieg. Die Erzeugung von Atomenergie birgt gewaltige Risiken für Menschen und Umwelt. Zudem gibt es nach wie vor keine Lösung für das Atommüllproblem. Atomkraft – nein danke!”

Kann man auf der Themenseite zu “Atomkraft” bei Greenpeace selbst nachlesen.

Dass die im Cable bei Wikileaks benannte Übereinkunft zwischen Greenpeace/Friends of the Earth kein Hirngespinst von Monsanto ist, sondern politische Realitäten dahinterstecken, bestätigt auch ein Paper eines Kollegen, dass bald im European Journal of Risk Regulation erscheinen wird.

Dort wird aus einem Artikel des “Le Figaro” vom 14 Januar 2008 der französische Premierminister Francois Fillon zitiert, mit den Worten:

“Concernant les OGM, Fillon a défendu
sa décision de déclencher la procédure de suspension du maïs
génétiquement modifié MON810 en estimant qu’il s’agissait d’un
«compromis scellé dans le ‘Grenelle de l’environnement’»”.

Der “Grenelle de l’environnement” war der französische Umweltgipfel, bei dem viel und heiss diskutiert wurde, wie man dort nachlesen kann. Und offensichtlich scheint man dort hinter den Kulissen sich gut einig geworden zu sein. Aus Sicht der französischen Regierung sicherlich ein guter Kuhhandel, schließlich wurde nicht allzu viel MON810 angebaut (wenn auch sehr erfolgreich), wohingegen die Kernenergie in Frankreich eine sehr große Rolle spielt. So werden rund 80% der Elektrizität in Frankreich so hergestellt – und ein Teil wird auch nach Deutschland exportiert, teilweise, nachdem er zu “Ökostrom” umdeklariert wurde.

Tolle Leistung von Greenpeace, sich so für den Umweltschutz einzusetzen: eine nahezu risikolose Technologie (MON810) auszuspielen gegen eine, die durchaus Risiken hat (Kernenergie), und vor allem mit Bezug auf Endlagerung der Abfälle sehr große Probleme bereitet. Somit ist Greenpeace für Castortransporte indirekt verantwortlich, erkauft mit dem Verbot von MON810 in Frankreich. Ob die das so gerne zugeben werden?

Sicher nicht.

Und jetzt widme ich mich wieder den anderen Sachen…

Nachtrag:

Mein Kollegen, auf dessen Paper ich mich beziehe (wird verlinkt, sobald es online verfügbar ist) hat mich auf einen Blogpost bei Greenpeace International vom 21. Dezember aufmerksam gemacht. Dort sind sich offensichtlich auch die Greenpeacler dieser Cables und ihres Inhaltes bewusst.

“In another cable 09MADRID482, sent from the US Embassy in Madrid, from May 2009 this time, we learn that Monsanto representatives are confident that the adoption of a safeguard clause in France, banning Monsanto’s maize, is the result of bargaining between environmentalists and Nicolas Sarkozy. They claim that Sarkozy gave in to introducing the ban by asking environmental organisations, Greenpeace and Friends of the Earth, to stop campaigning against his nuclear policy. It is almost impossible to imagine such a deal! The pro-GE lobby, so blinded by their ideology, are apparently unable to believe that the leaders of a country like France have introduced a ban based on serious scientific uncertainties around GE crops, as well as the opposition by the majority French citizens. And Greenpeace would never agree to such a deal. Our anti-nuclear campaign in France continues.”

Es sei “fast unmöglich”, sich eine solche Abmachung vorzustellen. Aha, also nur fast unmöglich?

Und überhaupt, es ging bei der Abmachung – zumindest so der Kollege – nur darum, während des Grenelle die Atomkraft nicht zum Diskussionsgegenstand zu machen. Also nicht darum, dass Greenpeace jetzt plötzlich die Atomkraft in Frankreich akzeptiert, anstatt gegen sie zu sein.

Was aber schon vollkommen ausreicht, schließlich hätte es, wenn dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt worden wäre, sicherlich heftige Diskussionen nach sich gezogen und wahrscheinlich auch Konsequenzen gegeben, in Form einer Neu-Orientierung der Stromerzeugung, wie wir sie ja auch in Deutschland in den letzten Jahren erleben, weil politisch so gewollt.

Schön, dass Wikileaks zeigt, dass die Gutmenschen eben doch nur taktieren, und es ihnen primär gar nicht um die hehren Ziele geht, die sie wie eine Monstranz vor sich hertragen…

Kommentare

  1. JanG sagt: 30. Dezember 2010

    Hallo,

    ich bin vor etwa einem halben Jahr auf diesen Blog gestossen und verfolge diesen mit großem Interesse. Ich selber arbeite als Physiker in einem anderen, doch auch recht emotional diskutierten Bereich: ich forsche auf dem Gebiet der Endlagerung von radioaktiven Abfall. Vor allem die Kollegen von Greenpeace (oder deren Compadres von der taz) gehören zu meinen “persönlichen Lieblingen”. Umso schöner finde ich da diesen Artikel hier.

    Aber eine Sache muss ich hier mal anmerken: die Kernkraft als solche gehört zu den Technologien mit den geringsten Risiken (siehe meinen Beitrag “Risiken der Technik” auf meinem Blog), auch die Endlagerung ist zumindest technisch machbar (siehe hier meinen Artikel “Endlagerung in Deutschland – wie funktioniert das”). Dass “nach außen” ein anderes Bild vorherrscht, ist wohl ebenso wie bei der Gentechnik: falsche Darstellung in den Medien und eine gewisse Faulheit der Menschen, sich ordentlich zu informieren.

    Aber es ist schön zu lesen, dass vor allem die Sache mit MON810 bei weitem nicht so schlimm ist wie immer dargestellt. Denn obwohl ich recht gut argumentieren kann bei Kernkraft und Endlagerung, bei der Gentechnik bin ich nicht ganz so fit. Und da wollte mir eben vor kurzem einer sonstwas erzählen nachdem er eine “Doku” über Monsanto gesehen hat.

    Egal, ich will nochmal ein großes Lob für den Blog im Allgemeinen und für diesen Artikel im Besonderen loswerden und wünsche einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2011.

    Beste Grüße,
    Jan

  2. Stefan Rauschen sagt: 30. Dezember 2010

    Lieber Jan,

    vielen Dank! Freut mich immer, Kommentare und Anmerkungen zu erhalten. Ich kann offen sagen, dass ich keine Probleme mit der Kernenergie haben: mein Vater hat damals in der Kern-Forschungs-Anlage (KFA) Jülich (heute Forschungszentrum Jülich FZJ) gearbeitet, so war ich relativ früh damit konfrontiert, was es damit auf sich hat, wo Risiken und Probleme liegen.
    Ich persönlich sehe im Transport, der Lagerung und Wiederaufbereitung des Restmaterials das größte Problem, allerdings zeigen die Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern (zB. Schweden), dass sowas auch besser zu organisieren ist, als bei uns in der Asse…

    Bei der Kernenergie geht es letztlich auch darum, Risiken und Nutzen gegeneinander abzuwägen, die letztlich sind die Risiken des Betriebs technisch ja sehr gut beherrschbar.
    Die Diskussionen um diese beiden “Risikotechnologien” verlaufen recht ähnlich, deswegen ist es durchaus interessant, da Parallelen und Unterschieden zu finden und aufzuzeigen.

    Guten Rutsch!

    Stefan

  3. miriam sundingner sagt: 31. Dezember 2010

    wikileaKs nicht wikileaDs .. 2 mal falsch geschrieben ,-)

  4. Dirk Werner sagt: 12. Januar 2011

    “Monsanto maintains” und “Monsanto asserts” bedeutet also, dass das vertrauenswürdige Informationen und richtige Behauptungen sind?
    Klar….
    Übrigens, das Kompliment mit dem “(Des)informationsdienst” werden die Macher von http://www.keine-gentechnik.de sicher gern an transgen.de und Co. gern zurückgeben.

  5. Franz Werfel sagt: 12. Januar 2011

    @miriam:

    Herr Rauschen zitiert da nur den, von Herrn Werner verteidigten ,Desinformationsdienst Gentechnik. Der Verschreiber geht auf deren hochinformierte Kappe.

  6. Stefan Rauschen sagt: 12. Januar 2011

    Herr Werner,

    ““Monsanto maintains” und “Monsanto asserts” bedeutet also, dass das vertrauenswürdige Informationen und richtige Behauptungen sind?
    Klar….”

    Nein, muss es nicht heissen. Aber nur, weil es von Monsanto kommt, heisst das automatisch, dass das nicht stimmt? Und warum würde der Auswärtige Dienst das aufnehmen, wenn er nicht glaubte, dass da potentiell was dran sein könnten?
    Und wenn es Monsanto doch angeblich schafft, wie die Kritiker immer wieder sagen, in den Vereinigten Staaten alle Landwirte daraufhin zu kontrollieren, ob sie auch ja lizenzrichtlich alles richtig machen, und ja auch die Lebensmittelkette und die Welt kontrollieren wollen und so, warum sollten die nicht auch Geheimnisse über Greenpeace herausbekommen können?

    Mal so als Gedankenexperiment in den Raum geworfen.
    Aber natürlich ist das ja alles Blödsinn. Schließlich hat Greenpeace ja nur das Wohl aller ganz selbstlos vor Augen und im Herzen…

  7. Markus Blaser sagt: 13. Januar 2011

    Sehr geehrter Herr Rauschen,
    mit Verlaub, aber dieser Blog-Artikel ist journalistisch nicht korrekt:
    Es fehlt der Wortlaut der Wikileaks-Telegramme der US-Botschaft in Paris, in denen der Botschafter SELBST Vergeltungsmaßnahmen empfiehlt, sollte Frankreich in der EU den Genanbau beschränken wollen: http://wikileaks.blogs.linkbucks.com/archives/2439.
    Hingegen publizieren Sie Telegramm-Auszüge, in denen Monsanto BEHAUPTET, die Umweltorganisationen würden zweifelhafte Deals abschließen. Im ersten Fall handelt es sich um einen Fakt, im zweiten um ein Gerücht, das erst mal durch Gegenchecken durch eine andere Quelle erhärtet werden müsste.
    Es tut mir leid, aber so kann ich Ihren Blog nicht ernst nehmen – von der Häme gegen Gentechkritiker mal ganz zu schweigen. Einen Wissenschaftsblog stelle ich mir jedenfalls anders vor!

  8. Stefan Rauschen sagt: 13. Januar 2011

    Lieber Herr Blaser,

    das Paper meines Kollegen, welches jetzt online erschienen ist (http://www.lexxion.de/en/verlagsprogramm-shop/details/1967/77/ejrr/ejrr-4/2010/eu-gm-crop-regulation–a-road-to-resolution-or-a-regulatory-roundabout?.html) zitiert Interviews in französischen Quellen, in denen der damalige französische Ministerpräsident Francois Fillon befragt wurde.
    Wie ich oben geschrieben habe:

    “Dass die im Cable bei Wikileaks benannte Übereinkunft zwischen Greenpeace/Friends of the Earth kein Hirngespinst von Monsanto ist, sondern politische Realitäten dahinterstecken, bestätigt auch ein Paper eines Kollegen, dass bald im European Journal of Risk Regulation erscheinen wird.

    Dort wird aus einem Artikel des “Le Figaro” vom 14 Januar 2008 der französische Premierminister Francois Fillon zitiert, mit den Worten:

    “Concernant les OGM, Fillon a défendu
    sa décision de déclencher la procédure de suspension du maïs
    génétiquement modifié MON810 en estimant qu’il s’agissait d’un
    «compromis scellé dans le ‘Grenelle de l’environnement’»”.”

    Es steht also nicht nur in den Wikileaks, es gibt auch noch andere Quellen, die das nahelegen. Ob das dann wirklich so war, ist eine andere Frage, aber die Möglichkeit wenigstens mal in Betracht zu ziehen, und darüber nachzudenken und das mal in die Perspektive aufzunehmen, finde ich sehr interessant.
    Ich kann Ihnen gerne einen PDF reprint zuschicken, wenn Sie mögen. Dann können Sie sich selbst ein Bild davon machen.

    Ich bin kein Journalist und habe auch leider keine Zeit, investigativen Journalismus zu betreiben. Ich will hier daher über Wissenschaft schreiben, aber auch Denk- und Diskussionsanstöße liefern. Und über Wissenschaft in diesem Bereich schreiben, bedeutet auch immer, sich mit den verschiedenen Teilnehmern an der Diskussion (und Greenpeace und Co. sind da sehr aktiv) auseinander zu setzen. Vornehmlich mit ihren Inhalten, bei so politisch und weltanschaulich motivierten Stakeholdern aber natürlich auch mit ihren Motiven.

    Ausserdem bin ich dagegen, mit zweierlei Maß zu messen: NGOs dürfen alles, nur weil sie einem höheren Zweck dienen, zumindest nach eigenen Aussagen? Verfolgen sie keine eigenen Interessen?

    Dabei stelle ich natürlich auch meine Meinung dar. Die muss Ihnen nicht gefallen, ganz klar, das ist Ihr gutes Recht. Aber genauso habe ich auch ein Recht darauf, meine Meinung darzustellen.

  9. Stefan Rauschen sagt: 14. Januar 2011
  10. Marcel Kuntz sagt: 15. Januar 2011

    A point that seems to be lost in this discussion is that the deal between the French government and the ecologist organizations was not meant, for the latter, to last forever. They wanted to destroy agricultural biotechnology, they succeeded and resumed their anti-nuclear campaign immediately afterwards.
    President Sarkozy’s aim was, thanks to the “Grenelle de l’environnement”, to gain “green” votes. A crucial point for the credibility of the Grenelle was that green organization participate in the process. To agree to do so, they asked for a reward (GMOs).
    The deal included that nuclear energy would not be mentioned during the debate. It wasn’t. That’s a fact. It is also striking that only one ecologist organization quit : “sortir du nucléaire” ! That’s also a fact. That this was the backstage deal has been confirmed by Le Figaro (a newspaper supportive of the government and usually well informed), by several MPs (off the record) and by critically analyzing the process that lead to the GMO cultivation ban early in 2008:
    http://www.marcel-kuntz-ogm.fr/article-french-ban-45609075.html

    M. Kuntz, French researcher

  11. J. Wirth sagt: 22. Januar 2011

    Ich wurde durch eine Email darauf aufmerksam gemacht, dass Transgen.de eine neue Aufmachung hat, wozu auch dieses Blog hier gehört, in dem sich Gentechnik-Praktiker (Insider) äußern können. Das hörte sich für mich sehr interessant an. Ich hoffte auch auf eine wirklich überfällige Versachlichung der Gentechnik-Diskussion.
    Mit Artikeln, die in diesem Stil hier geschrieben sind, wird dies schwierig! Auf das Stilmittel “Häme” hat Herr Blaser schon hingewiesen, Spott und Hohn ließe sich noch ergänzen. Ich finde das schade, dass man mit propagandistischen Mitteln auf Konfrontationskurs geht, denn gewinnen wird dabei niemand, die Lager werden sich weiter verhärten.
    Zur Sache selbst: Dass Unternehmen und Organisationen Regierungen in ihrem Sinne beeinflussen wollen, ist in der Tat keine Überraschung, wie das ja für fast alles gilt, was Wikileaks enthüllt hat. Dieser Deal zwischen Umweltverbänden und Sarkozy, wenn er so statt gefunden hat, ist schon ein kleiner Skandal, dem muss ich als Greenpeace-Unterstützer zustimmen. Es wäre nicht das erste Mal, dass mir die Greenpeace-Politik nicht zu 100% gefällt, ich werde die Gruppe trotzdem weiter unterstützen, da ich das als Gegengewicht zu unserem kurzsichtig profitorientierten Kapitalismus für notwendig erachte. Und damit bin ich bei dem Punkt, der mir am wichtigsten ist: nicht die Techniken an sich sind böse, weder die Gentechnik, noch die Nukleartechnik. Das Problem ist eher, unter welchen gesellschaftlich-politischen-wirtschaftlichen Rahmenbedingungen diese Techniken zum Einsatz kommen und wie verantwortlich damit umgegangen wird. Und keine Angst, ich glaube nicht alles, was in den bekannten angsteinflößenden Dokus über Gentechnik und Monsanto als Fakt dargestellt wird, aber ich glaube schon, dass profitorientierte und sehr mächtige Agroindustrieunternehmen wie Monsanto und Bayer-Aventis, einer sehr sorgfältigen Beobachtung von ökologisch und sozial besorgten Bürgern bedürfen.

  12. Amflora sagt: 23. Januar 2011

    Greenpeace funktioniert doch selbst durch und durch kapitalistisch. Die skandalisieren immer das, was ihnen am meisten (Spenden-)Profit verspricht. So etwas braucht niemand.

  13. Stefan Rauschen sagt: 23. Januar 2011

    Versachlichung der Diskussion ist ein gutes Stichwort. Auf wissenschaftlicher Basis bin ich schon seit mittlerweile sicher 5 Jahren dabei, einen kleinen Beitrag hierzu zu leisten.
    Hat das an der Sache irgendetwas geändert? Offensichtlich nicht, wie aktuelle Entwicklungen zeigen.
    Für mich persönlich ist auch irgendwann die Grenze erreicht – nicht das persönliche Durchhaltevermögen, sachlich bleiben zu wollen, sondern vielmehr die Grenze zu erkennen, ab wann einem Sachliches in der Diskussion nichts mehr bringt.
    Und bei Greenpeace und Co bringen wissenschaftlich-sachliche Argumente und Daten nichts. Die werden beiseite gefegt, und immer neue Pseudo-Argumente und Standpunkte aus dem Hut gezaubert.

    Ich persönlich finde es wichtig, das zu entlarven. Denn es zeigt letztlich, dass es in der Ablehnung gar nicht so sehr um sachliche Argumente oder Angst vor Gefahren geht. Sondern um sozio-ökonomische Interessen der Gegner, deren Weltbild, das sie verteidigen wollen, und dabei einen Alleinvertretungsanspruch wie eine Monstranz vor sich her tragen, der demokratisch nicht legitimiert ist.
    Zu diesem Diskurs, der erst zu beginnen anfängt, will ich anregen.

  14. Dirk Werner sagt: 7. Februar 2011

    Hallo,
    ja, sachlich wäre wirklich gut. Dazu gehört auch, die Argumente der Agrogentechnikkritiker einfach mal ernst zu nehmen und sich mit diesen auseinanderzusetzen.
    Seit mehreren Jahren bin ich in diese Diskussion vor allem in Sachsen-Anhalt involviert, es gelang mir aber noch nicht, von den Protagonisten des GVO-Anbaues eine sachliche Reaktion auf wesentliche Kritikpunkte zu bekommen. Wäre schön, da mal einen Austausch zu haben. Schwerpunkte meiner Skepsis sind da Rückholbarkeit, Koexistenz, Resistenzen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und temporärer Kenntnisstand wissenschaftlicher Betrachtungen/ Verantwortung des Wissenschaftlers.
    Ich sehe zwischen Greenpeace und Co. sowie Monsanto und Co. auch einen substantiellen Unterschied. Erstere haben ein altruistisches, dem Gemeinwohl verpflichtetes Grundanliegen, letztere sind (verständlicherweise) ausschließlich dem Unternehmenserfolg verpflichtet. Und das führt zu absolut unterschiedlichen Beurteilungen und Herangehensweisen. Da ich selbst seit 20 Jahren selbstständiger Unternehmer bin, weiß ich um die Konflikte, vor denen man stehen kann.
    In meiner Wahrnehmung (Literatur, Fakten und Protagonisten) allerdings verhalten sich die Unternehmen, die Agrogentechnik betreiben, nahezu ausschließlich klassisch profitorientiert. Und diesem muss entgegengewirkt werden, da braucht es ein Regulativ. Das der Staat leider nur temporär und unzulänglich ist.
    Öfter begegne ich auch Wissenschaftlern in der Diskussion. Und das ist meist unerquicklich. Meine Kritikpunkte hier sind:
    Eine deutliche Arroganz der Wissenschaftler („ich bin Dir fachlich überlegen, Du bist mir deshalb kein Gesprächspartner“), der selektive Blickwinkel der Wissenschaft (Vernachlässigung von Wechselwirkungen und Auswirkungen auf andere Bereiche) die Ignoranz gegenüber sozialen Auswirkungen und das Nichtanerkennen, das Wissensstand immer temporär ist, es also keine absolute Wahrheit gibt. Dafür muss ich jetzt nicht unbedingt Beispiele anführen, die kennt jeder. Und natürlich auch die skeptisch machende drittmittelbezogene Forschung.
    Ich überfliege die Blog-Positionierungen der GVO-freundlichen Wissenschaftler bei transgen u.ä. öfter – und der Stil darin ist – wie einer meiner Vorredner richtig feststellte – meist nicht erquicklich. Getroffene Hunde….?
    Also: mir geht es um sachliche Argumente bei Berücksichtigung aller auch langfristigen Auswirkungen der Agrogentechnik auf Umwelt und Gesellschaft. Und nicht um eine wissenschaftliche Betrachtung von Einzelaspekten unter Vernachlässigung aller über den eigenen wissenschaftlichen Horizont hinausgehenden Auswirkungen. Auch nicht um die oft vorgebrachten nicht haltbaren Totschlagargumente wie Fortschrittsfeindlichkeit, Arbeitsplatzvernichtung oder gar Welternährung.
    Und da sind sozio-ökonomische Wirkungen auch wesentlich, dass Herr Rauschen das als Negativum darstellt, ist äußerst bedenklich.
    Wo hier von Seiten der Agrogentechnikkritiker ein Alleinvertretungsanspruch postuliert wird, kann ich auch nicht erkennen. Und ich sehe die Vorgehensweise der Unternehmen und Protagonisten, die Agrogentechnik forcieren, nicht demokratisch legitimiert. Aber das muss man detaillierter diskutieren.

  15. torben hoffmeister sagt: 7. Februar 2011

    Die Argumente der Gentechnikgegner werden seit Jahr(zehnten) erst genommen und wurden mit vielen Millionen EU- und BMBF-Geldern zur Sicherheitsforschung beantwortet. Erst kürzlich kam die EU zu der Auswertung, dass von einer Anwendung der grünen Gentechnik keine besonderen Gefahren ausgehen: http://ec.europa.eu/research/biosociety/pdf/a_decade_of_eu-funded_gmo_research.pdf („The main conclusion
    to be drawn from the efforts of more than 130 research projects, covering a period of more than 25 years of research, and involving more than 500 independent research groups, is that biotechnology, and in particular GMOs, are not per se more risky than e.g. conventional plant breeding technologies.“). Von besonderen gesundheitlichen oder ökologischen Gefahren kann also keine Rede sein. Das zeigt sich auch daran, dass einige der mit Gentechnik erzeugten Eigenschaften wie z.B. die Herbizidresistenz auch mit neuen, nicht regulierten Methoden der Pflanzenzüchtung erzeugt werden können, mit dem Unterschied, dass – obwohl das gleiche Ergebnis – keine große Diskussion anbricht. Als von Seiten der Gegner klar wurde, dass mit der Argumentation vermeintlicher potenzieller Risiken und Schäden kein Blumentopf mehr zu gewinnen sein wird, schwenkte die Diskussion um zu softeren Gegenargumenten wie der nicht (und wohl nie) einschätzbaren sozio-ökonomischen Auswirkungen und der Ruf nach „demokratischer Legitimierung“. Wohl wissend, dass solche Kriterien in einem Zulassungsverfahren den science – sound – Ansatz verlassen und in einem solchen Mammutverfahren eigentlich nicht mehr händelbar sind, ein ergebnisorientiertes Zulassungsverfahren also nicht mehr ermöglichen. Das Ziel der fest mit einer politisch/ ideologischen Agenda verbundenen Kräfte von greenpeace und Co. wäre erreicht: Die Umsetzung einer Technologie unmöglich zu machen. Aber aus der Geschichte lernt man halt nicht. Ich kann mich noch gut an die auch von greenpeace und Co. gestreuten Gerüchte vor mehr als 20 Jahren um angebliche Schädigungen durch das erste rekombinante Insulin erinnern. Davon ist nichts geblieben außer eines Wirtschaftsschadens durch jahrelange Blockade.
    Auf die anderen Totschlagsargumente wie Monopolisierung und Lobbyismus will ich nicht weiter eingehen. Nur eines: Wer denkt sozio-ökonomische Probleme mit Technologieverzicht zu lösen, ist wie die Maschinenstürmer der beginnenden industriellen Entwicklung auf dem gesellschaftspolitischen Holzweg und wird schnell von der ökonomischen Realität eingeholt. Und noch etwas zur demokratischen Legitimation: Jeder will heute irgendwie überall und immer mitreden und mitentscheiden und fühlt sich offenbar auch dazu berufen. Der Ruf nach anonymer Abstimmung ist billig, nur wenn es konkreter wird z.B. für die Entscheidung oder Nichtentscheidung auch persönlich gerade zu stehen oder dem wohlfeilen Ruf nach mehr Nachhaltigkeit auch mit dem Einkaufsverhalten zu entsprechen, wird es sehr, sehr dünn.

    Torben Hoffmeister

  16. Dirk Werner sagt: 8. Februar 2011

    Tja Torben Hoffmeister,
    genau das, was ich gesagt habe….
    “Als von Seiten der Gegner klar wurde, dass mit der Argumentation vermeintlicher potenzieller Risiken und Schäden kein Blumentopf mehr zu gewinnen sein wird,” – wie kommen Sie denn darauf? Ich könnte mit meinen Blumentöpfen eine ganze Gärtnerei ausstatten.
    Und: die staatlich geförderte Sicherheitsforschung: Ich kenne da einige der Akteure – Neutralität ist ihnen nicht gerade vorzuwerfen. Und der Ansatz ist immer sequentiell, so auch Ihrer.
    Das mit dem Ziel der Agrogentechnikkritiker (und es geht mir nur um Agrogentechnik!) stimmt nicht ganz: Das Ziel ist eher: die Freisetzung und Nichtrückholbarkeit einer Technologie zu verhindern, ehe nicht sichergestellt ist, dass von ihr keine irreversiblen negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen auftreten.
    Aber da haben Sie auch recht:
    “Jeder will heute irgendwie überall und immer mitreden und mitentscheiden und fühlt sich offenbar auch dazu berufen.”
    Wie können wir das auch nur wagen…. :-)

  17. Amflora sagt: 8. Februar 2011

    Jede gv-Pflanze ist genau so “rückholbar” wie jede andere Kulturpflanze: man baut sie einfach nicht mehr an. Die weitaus meisten sind außerhalb eines gepflegten Ackers nicht überlebensfähig und können sich ohne Hilfe des Menschen gar nicht vermehren.
    Selbst dort, wo das im Prinzip geht, beim Raps etwa, stellen gv-Pflanzen keine Gefahr dar. Nirgendwo haben sich bisher eingefügte Gene in Wildpflanzen “verbreitet”. Alle angeblichen “Superweeds” haben die Resistenz von sich aus erworben. Um das zu verhindern, müßte man auf die Herbizide verzichten. Das hat aber nichts mit Gentechnik zu tun.
    Diese angebliche “Nicht-Rückholbarkeit” ist ein Märchen, welches seinen Ursprung in der irrigen Annahme hat, es gebe “gute” (“natürliche”) und “schlechte” (“unnatürliche”) Gene.

  18. Gerd Spelsberg sagt: 8. Februar 2011

    @ Dirk Werner

    Ich möchte die Frage einmal umdrehen: Wie muss denn nach Ihrer Auffassung ein wissenschaftler “Beweis” für die Sicherheit einer gv-Pflanzen aussehen? Wann würden Sie akzpetieren, dass eine gv-Pfanze “sicher” ist?

  19. Dirk Werner sagt: 8. Februar 2011

    Zunächst:
    Sicherheit ist immer eine Zeitpunktbetrachtung. DDT und Contergan wurden zum damaligen Zeitpunkt auch als sicher eingestuft…..
    von daher wird es schwierig, eine absolute Sicherheit zu beweisen. Wissenschaftlicher Erkenntnisstand ist immer ein temporärer, hier sollten die Wissenschafter schon mit der nötigen Demut ans Werk gehen.

    Rückholbarkeit: Ich muss sicherstellen können, dass die GV-Pflanze nach dem Anbau nicht noch länger auf dem Acker zu finden ist. Und erst recht nicht außerhalb davon. Stelle ich mir bei bestimmten GV-Pflanzen sehr schwierig vor (Raps z.B.) Ist für mich wichtig, unabhängig von Amfloras Einlassung.

    Koexistenz: diejenigen, die keinen GVO-Anbau wollen, müssen das auch können und müssen davor geschützt werden, GV- Konstrukte in ihren Produkten/ Futtermitteln/ Nahrungsmitteln zu finden. Und das ist deutlich die Mehrheit in Europa. Das dieses bereits jetzt nicht sicherzustellen ist, belegen genügend aktuelle Beispiele.

    Sicherheit: ungenügend erforscht worden sind Wechselwirkungen verschiedener Konstrukte/ Langzeitauswirkungen/ Umweltwechselwirkungen/ Resistenzbildungen… Dies kann ich als Laie nicht beurteilen, bin da auf externe Aussagen angewiesen, bisher habe ich von Wissenschaftlerseite nur sehr wenig gehört, dass das Prädikat “neutrale Betrachtung” verdient. Aber es gibt durchaus auch kritische Positionen und Tendenzen, dass es hier Probleme gibt.

    Und jetzt komme ich mit meinem Holzhammer, den Sie als Wissenschaftler oder Wissenschaftsgläubige bestimmt nicht akzeptieren:
    Abhängigkeit: der Wissenschaftler von Drittmitteln, der Projournalisten von Finanzierungen…
    Und wollen Sie wirklich bestreiten, das es den GVO-Unternehmen nicht um Marktbeherrschung geht, um das Schaffen irreversibler Tatsachen?
    Das alles in der Summe bedeutet für mich: ich will das nicht – und da stehe ich nicht allein.

    Wir kommen da mit der Diskussion ja auch nicht weiter, solange Sie sich auf Ihre temporäre Sicherheitsdiskussion reduzieren und sich aus den Gesamtzusammenhängen stehlen.
    Und GVO bieten (derzeit zumindest) keine einzige Antwort auf Probleme, die nicht anderweitig zu klären wären. BT- Mais wäre keine (Pseudo-)lösung, wenn wir agronomische Grundsätze beachten würden.

    Was antworten Sie denn auf meine Fragen zum zeitpunktbezogenen Wissensstand, zum Wunsch der Mehrheit nach GVO-Freiheit, zur Sicherstellung der Koexistenz und zum Problem der Abhängigkeit von einigen wenigen Unternehmen der Saatgut- und Pestizidproduktion?

    Ihr Dr. Katzek schrieb vor einiger Zeit in unserer Tageszeitung: „Sind wir bereit, auch einmal ein Risiko einzugehen?“ Unabhängig von Ihrer Negierung es Riskios, dass er offensichtlich doch sieht: nein, wir sind es nicht!

  20. Amflora sagt: 8. Februar 2011

    “Zeitpunktbezogener Wissensstand”: das ist ein “Totschlag”-Argument. Damit müßte jegliche Forschung eingestellt werden. Und mir reichen die Erkenntnisse der letzten 20+ Jahre, wonach gv-Pflanzen nicht riskanter sind als andere.

    “Wunsch der Mehrheit nach GVO-Freiheit”: der beruht mehrheitlich auf Unkenntnis. Sieht man auch daran, daß die EU einer der größten GVO-Importeure ist.

    “Sicherstellung der Koexistenz”: die von manchen geforderte “Nulltoleranz” kann man schlecht als Koexistenz bezeichnen. In diesen Köpfen herrscht totale Intoleranz.

    “Abhängigkeit”: nirgendwo werden Landwirte gezwungen. Wo sie frei wählen können (anders als in Europa), ist die Akzeptanz überwältigend.
    2008 kam der größte Anbieter auf gut 17% Marktanteil des kommerziellen Saatgutes (konv. + gv). Weltweit. Das ist sehr weit von einem Monopol entfernt.

  21. Gerd Spelsberg sagt: 8. Februar 2011

    Ihre Antwort bestätigt, was ich vermutet hatte: Wenn Sie kategorisch gegen die Grüne Gentechnik sind, dann begründen Sie das in erster Linie nicht mit konkreten Gefahren, sondern damit, dass sie GVOs einfach nicht wollen. Und die Mehrheit der Bevölkerung will es auch nicht. Ok, das kann und muss ich akzeptieren – aber daraus können Sie aus meiner Sicht nur das Recht auf Wahlfreiheit ableiten. Aber als Begründung für das Verbot einer ganzen Technologie? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.
    Wenn man nur etwas über den Einzelfall hinausdenkt – stellen Sie sich vor, es wäre zu jeder Zeit und in jeder Epoche per Verbot und Dekret das durchgesetzt worden, was die Mehrheit gerade wollte. Eine grauselige Vorstellung. Ich will gar nicht mit den Beispielen Eisenbahn und Autos kommen. Aber noch vor gut 20 Jahren gab es eine Mehrheit gegen PCs und in der grünen Bundestagsfraktion, wo ich damals gearbeitet habe, waren PCs verboten. Wenn man der Mehrheit in der Bevölkerung gefolgt wäre, müssten Sie sich wohl einen neuen Job suchen. Oder, ein aktuelles Beispiel: Nach der letzten Eurobarometer-Umfrage ist eine Mehrheit für Nanotechnologie, wegen des großen Nutzens. Dann kann man sich wohl jede weitere Risiko- und Begleitforschung schenken…..

  22. Dirk Werner sagt: 8. Februar 2011

    O.K., die Herren,
    ist also wie gehabt. In keinem Punkt gehen Sie wirklich darauf ein, was ich gesagt und gefragt habe.
    Ist es Ihnen wirklich unmöglich, sich auch mal mit Argumenten anderer auseinanderzusetzen?

    Herr/ Frau Amflora (der Name passt irgendwie) – es ging mir nicht um Forschung, sondern um Freisetzung und Agrogentechnik.
    Ablehnung mit Unkenntnis zu begründen – gängige Argumentation Ihresgleichen. Und unerträglich arrogant: die Mehrheit ist also nicht in der Lage, Sachverhalte zu erkennen. ….
    Koexistenz: weshalb sollte ich tolerieren, wenn mir jemanden was aufzwängt, das ich nicht haben will? Verunreinigungen bis 7% wie z.B. in Saskatchewan sind akzeptabel?
    Abhängigkeit: da gibt es genügend andere Sichtweisen. Muss ich nicht vertiefen. 17% Anteil – das brechen Sie mal auf die GVO-Anbauregionen runter. Da sind dann schon die Monopolstrukturen, die sich Ihre Schützlinge auch in Europa wünschen.

    Herr Spelsberg, ich habe begründet, warum ich GVO nicht will. Und nicht nur einfach nö gesagt. Das ignorieren Sie trefflich.
    Und Sie kommen wieder nur mit unerträglichen oft gehörten Plattitüden, die vollkommen am Thema vorbei gehen. Wir wollen keine Technologie verbieten, sondern, dass damit verantwortungsvoll umgegangen wird. Und das sehe ich nicht.
    Fortschrittsfeindlichkeit als einziges “Argument” – peinlich.

    Tschüss, die Herren, das ist es mir hier nicht wert.

  23. Gerd Spelsberg sagt: 8. Februar 2011

    ok, Sie (wer ist “wir”?) wollen keine Technologie verbieten, aber “verantwortungsvoll damit umgehen”. Was bedeutet das? Haben Sie ein Beispiel?

    Und: was sollte denn erlaubt sein? Unter welchen Bedingungen?

  24. Largos sagt: 9. Februar 2011

    Es ist wirklich nicht sonderlich verwunderlich, dass eine große Organisation und Interressensgemeinschaft wie Greenpeace auch Lobbyarbeit betreibt und auch mehr oder weniger faule Kompromisse und Absprachen trifft.
    Das zeigt eigentlich nur einmal mehr, dass Macht korrumpiert.
    Ob das Anliegen dahinter gut gemeint ist ist dabei nur dann von Belang, wenn man den entsprechenden Blickwinkel einnimmt.
    Es mag zwar ernüchternd für den ein oder anderen Betrachter sein, aber eigentlich würde zumindest ich nichts anderes erwarten. Auch wenn meine Einstellung damit ein wenig negativ wirkt.
    Aus meiner Sicht wäre es allerdings sinnvoller gewesen diesen Handel nicht einzugehen und im Zusammenhang mit Atomkraft Fortschritte anzustreben.
    Aus meiner Sicht ist die Angst vor Gentechnik in vielen Fällen Panikmache. Häufig wird die Angst vor Kreuzungen mit Wildformen geschürt, doch Mais ist eine Pflanze von der in Europa keine Wildform existiert. Gefahren einer Genmanipulation für den Menschen sind zwar denkbar, wären das aber auch bei nicht manipulierten Pflanzen oder Züchtungen.
    Atomkraft hingegen mag keine akute und direkte Bedrohung sein und den Anschein erwecken, dass mit ihr sicher umgegangen werden kann, doch die Vergangenheit lehrt uns, dass ein Restrisiko besteht.
    Außerdem existieren zum Beispiel Studien, die Hinweise darauf geben, dass Kinder welche in 5km Umkreis um ein Kernkraftwerk aufwachsen einem signifikant erhöhten Risiko ausgesetzt sind an Leukämie zu erkranken.
    Dazu kommt dann noch die Frage des Endlagers. Man sollte nicht anfangen Müll zu produzieren, wenn man noch nicht einmal weiß ob es einen Standort gibt, der sich als Deponie eignet.

  25. Dirk Werner sagt: 9. Februar 2011

    @largos
    eine Atomdiskussion fange ich hier nicht an. Aber Sie haben aus meiner Sicht völlig Recht.
    Es gibt dennoch Analogien zur Agrogentechik: ungeklärte Risiken, Nichtrückholbarkeit, die einseitigen Interessen großer Konzerne mit einer (weltweit) ausgefeilten Lobbystruktur mit viel Geld und politischem Einfluß. Bt-Mais ist nur der Türöffner, da geht es um viel mehr Genkonstrukte. Und auch der Bauernveband stellt fest, dass GVO-Raps nicht koexistenzfähig ist.

    @Gerd Spelsberg
    das Tschüss meinte ich ernst, zur Diskussion mit Ihnen bin ich bereit, wenn Sie sich mit meinen Fragen und Inhalten auseinandersetzen und nicht mehr oder weniger elegant versuchen, den Spieß umzudrehen.

  26. Dirk Werner sagt: 9. Februar 2011

    noch einmal @largos
    auch eine Gemeinsamkeit: bei beiden Technologien sehen sich Versicherungen außerstande, das Risiko der Beeinflussung Dritter zu versichern. so wie auch bei Kriegen….

  27. Largos sagt: 9. Februar 2011

    @Dirk Werner
    Zu den Analogien:
    Dass auch hier große Konzerne Lobbyarbeit betreiben, ist wohl kaum verwunderlich und kann eigentlich nicht als Argument dagegen dienen, da hiermit gegen alles argumentiert werden könnte (inklusive Naturschutz und vielem mehr). Ob diese Lobbyarbeit einseitis ist, möchte ich nicht entscheiden müssen, denn es gibt durchaus Vorteile für dein einzelnen und die Meinungen dafür und dagegen gehen weit auseinander.
    Die nichtrückholbarkeit kann und will ich hier nicht abstreiten, denn sie ist das vielleicht einzige vernünftige Argument.
    Mit Coexistenzfähigkeit meinen Sie vermutlich die Gefahr, dass sich GVO-Raps mit Wildformen vermischt, was wohl den Grund für die Nichtrückholbarkeit liefert.
    Bei Raps sieht die Situation im Vergleich zu Mais hier natürlich anders aus, da hier in Europa entsprechende Formen existieren.
    Wie weit man vor einer Kreuzung Angst haben muss, ist allerdings fraglich, denn letztendlich kreuzen sich Tag für Tag Wildformen mit Zuchtformen und auch hier sind die Auswirkungen ungeklärt.
    Dass sich Versicherungen in diesem Zusammenhang außerstande sehen, das Risiko der Beeinflussung dritter zu versichern, ist nicht verwunderlich, aber die Gründe liegen anders als bei der Atomkraft.
    Bei der Atomkraft sind die Auswirkungen klar und keine Versicherung sieht sich dazu in der Lage, etwas entsprechendes auch nur annähernd versichern zu können, wenn es zu einem GAU käme, ohne Pleite zu gehen.
    Bei der Gentechnik hingegen sind die Auswirkungen unklar. Versicherungen versichern hier unter anderem aus Angst nicht. Außerdem existieren einige ziemlich verwirrende Beispiele aus welchen Gründen wirtschaftliche Schäden entstehen können, welche Versicherungen nicht tragen wollen.
    Ein schönes Beispiel wären Klagen von Genmaisbauern, welche ihre Nachbarn verklagen, die normalen Mais anbauen.
    Der Genmais befruchtete den normalen Mais und aus der Konsequenz will der Genmaisbauer den Verkauf des normalen Mais unterbinden, da die Produktion an normalem Mais durch die Befruchtung durch Genmais gestiegen ist und damit zu viel Konkurrenz darstellt.
    Es mag sich absurd anhören, aber genau solche Klagen sind realität.

    Auch wenn es den Anschein erweckt möchte ich hier nicht Partei für Gentechnik ergreifen.
    Ich versuche nur darzulegen, dass im Zusammenhang mit Gentechnik (wie auch anderen Bereichen) viel Panikmache betrieben wird. Die Argumente die hierzu teilweise in den Medien vorgebracht werden erweisen sich bei näherem hinsehen oft nicht als sehr stichhaltig oder sind zumindest zweifelhaft.
    Man sollte in diesem Zusammenhang lieber für Aufklärung sorgen, als blinde Angst hervorrufen zu wollen. Aber leider steht auch hinter dem Kampf gegen die Gentechnik eine Lobby, welche Lobbyarbeit betreibt. Und Panikmache ist eines der vermutlich wirkungsvollsten und einfachsten Werkzeuge der Lobbyarbeit.

  28. torben hoffmeister sagt: 9. Februar 2011

    Und Tschüss Dirk Werner. „Das alles in der Summe bedeutet für mich: ich will das nicht – und da stehe ich nicht allein.“ Das ist das Problem. Weil Sie das nicht wollen und eine angebliche Mehrheit auch nicht, soll etwas verboten werden. Und kommen Sie nicht, Sie wollen ja kein Verbot, sondern nur Sicherheit. Wer die Möglichkeit einer Koexistenz abspricht und den Nachweis 100% iger Sicherheit fordert, der versteckt sich hinter solchen unhaltbaren Losungen, um das faktische Verbot zu fordern. Und mit der Verbotsforderung tritt ein Demokratiedefizit zutage, dass in absoluter Intoleranz besteht (Ihr aggressiver Argumentationsstil passt im übrigen sehr gut dazu). Es gibt sie nämlich, die die für die Anwendung der Agrogentechnik sind. Wieviel dürfen es denn sein, dass es von Ihnen akzeptiert werden kann ? Gehören nach dieser Logik nicht auch alle Tätigkeiten verboten, die durch Minderheiten praktiziert werden wie z.B. die Behandlung von Wein, Kartoffel und Hopfen mit den Boden schädigenden Kupferbrühen ? Es ist heutzutage leicht und beinahe schon ein Volkssport Mehrheiten gegen etwas zu organisieren, seien es Gentechnik, Atomkraft, Windräder, Fluglärm oder ein Bahnhof. Man sollte dann aber diese Leute und die dahinter stehenden Organisationen und Parteien auch in die Verantwortung nehmen dafür, dass vieles einfach nicht mehr umsetzbar ist.

    torben hoffmeister

  29. torben hoffmeister sagt: 9. Februar 2011

    Largos: „Ein schönes Beispiel wären Klagen von Genmaisbauern, welche ihre Nachbarn verklagen, die normalen Mais anbauen.“
    In der aufgeheizten Atmosphäre hier würde kein „Genmaisbauer“ auf die Idee kommen seinen Nachbarn zu verklagen und sich noch zusätzlich Ärger einzuhandeln. Mir sind auch nur umgekehrt Fälle bekannt, z.B. der aus dem Jahr 2007, wo ein Biobauer in unmittelbarer Nähe zu einer Fläche mit Bt-Mais im Nachhinein einen Streifen Biomais gesät hat („dank“ der Angabe im Standortregister), um den „Genbauern“ dann zu verklagen, Abstandsauflagen nicht einzuhalten. Nachzulesen hier: http://www.mugv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.2339.de/btmais07.pdf (Seite 2 unten)
    Oder die Klagen von durch Umweltorganisationen unterstützten Imkern gegen den Bt-Maisanbau, als dieser hier noch möglich war.

  30. Largos sagt: 9. Februar 2011

    @torben hoffmeister
    Derzeit und in Deutschland mag es zwar stimmen, dass kaum ein “Genmaisbauer” auf die Idee käme zu klagen. Das stimmt allerdings nur so lange die Stimmung so aufgeheizt bleibt.
    Das Beispiel allerdings stammt aus Amerika und ist leider wirklich passiert…
    Das Beispiel des Biobauern der nachträglich Biomais ansät und dann den Genmaisbauern verklagt zeigt allerdings, dass es auch umgekehrt geht und auch Bio nicht gleich freundlicher Bauer bedeutet…
    Und auch unterstützte Imker sind ein wirklich schönes Beispiel für Lobbyarbeit.

  31. Dirk Werner sagt: 9. Februar 2011

    @ torben hofmeister:
    Wo sind denn nun Ihre Sachargumente auf meine Kritikpunkte und Bedenken?

  32. Dirk Werner sagt: 9. Februar 2011

    siehe: Fragen und ein Versuch, Antworten zu liefern

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