Experten gesucht

6. Juli 2010 | von:

Lange habe ich überlegt, wie mein erster Beitrag hier im Blog aussehen soll. Themen gibt es ja zuhauf, aber zum Auftakt wollte ich schon auch ein wenig Persönliches hineinbringen, eine Prise Provokation tut ebenfalls gut, und zuletzt soll ein Blog ja aktuell sein. Letzteres haben mir die Kollegen schon abgenommen, also starte ich mal mit einem Aufruf: Ich suche nach einem Gentechnikgegner, der auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie, der Pflanzengenetik oder der pflanzlichen Molekularbiologie wenigstens eine Diplomarbeit geschrieben hat.Wie komme ich zu einem solchen Aufruf? Nun, in den vergangenen 20 Jahren Gentechnikdiskussion ist mir aufgefallen, dass es den exponierten Kritikern, in Pressemitteilungen bestimmter Vereine auch euphemisch “Gentechnik-Experten” genannt, an biologischen oder mindestens an molekularbiologischen und genetischen Grundkenntnissen erheblich mangelte. Ich möchte damit nicht sagen, dass man ohne diese Kenntnisse nicht eine Meinung zur Gentechnik haben darf, aber wenn man sich als „Experte“ zitieren lässt, sollte man doch etwas Anderes zu bieten haben als ein Studium der Tiermedizin oder der Landschaftsplanung. Und jetzt noch zum Persönlichen: Nein, ich bin kein Lobbyist der so genannten „Gen-Mafia“, was mir direkt oder durch die Blume immer wieder in Diskussionen unterstellt wurde und wird. Und ja, ich bin dünnhäutig geworden angesichts dieses immer wiederkehrenden Musters, einem andersdenkenden Gegenüber in einer Diskussion Korruptheit zu unterstellen, zumal ich als Biologiestudent zur Gentechnik über die Idee kam, über erhöhte Krankheits- und Schädlingsresistenzen der Natur etwas Gutes und den Pflanzenschutzmittelherstellern etwas Schlechtes tun zu können. Mittlerweile blicke ich auf eine beendete universitäre Forscherkarriere in der Pflanzengenetik ohne einen Cent oder Pfennig industrieller Drittmittel zurück, die mir auch im Nachgang keinen lukrativen Job in dieser Industrie oder ihrem Lobbyumfeld eingebracht hat, und könnte mich jetzt eigentlich aus der Diskussion zurückziehen. Da es mir mit der wissenschaftlichen Bildung in unserem Volk aber wirklich ernst ist, diskutiere ich weiter, denn den selbsternannten Experten das Feld zu überlassen geht mir gewaltig gegen den Strich!

Also, Ihr fundamentalkritischen Pflanzengenetik-Experten, meldet Euch hier, ich freue mich wirklich auf eine Diskussion auf Augenhöhe! Außerdem winkt Euch ein Job bei einer der großen Spendensammelorganisationen, die um einen echten Experten froh sein dürften, weil sie bisher mit von der Fachwelt nicht ernst genommenem Fremdpersonal vorlieb nehmen mussten.

Kommentare

  1. Michael Haß sagt: 15. Juli 2010

    Hallo Sebastian,

    meinst du im Ernst, dass dein Aufruf hier von einem Greenpeacer, BUNDler etc. gelesen wird? Es wäre erfolgversprechender, z.B. in die Greenpeace-Gruppe bei studivz einzutreten und den Aufruf dort zu lancieren, wo ihn die Leute auch lesen, die es betrifft.

  2. Bea sagt: 16. Juli 2010

    Hallo Sebastian,

    ich würde mich persönlich nun weder dezidiert als Befürworter noch als Gegner bezeichnen. Genetisch gelernt und auch gearbeitet habe ich allerdings, wenn auch nicht mit Pflanzen.

    Die Tiermedizin nehm ich aber übel, den hier fühle ich mich persönlich angegriffen. Die Äußerung dass Tiermediziner oder Landschaftsplaner (da seh ich nun auch keinen Bezug zur Gentechnik – aber in der Nutztierproduktion und auch in anderen Bereichen ist der sehr wohl bei Tierärzten vorhanden) sowieso keine Ahnung haben, ist genauso polemisch und unwissenschaftlich wie dein ganzer Beitrag.

    Du tust “deiner Sache” nichts Gutes, wenn du deinen “Gegnern” etwas vorwirfst, dass du selbst in großem Stil betreibst, nämlich unkritisches Verallgemeinern.

    Und nein – ich werde nicht diskutieren, da ich keine explizite Gegnerin bin. Dennoch denke ich, dass wir noch nicht genug für den großen Feldversuch wissen …

    Also sorry, aber das musst ich loswerden!

  3. Torben Hoffmeister sagt: 16. Juli 2010

    Liebe Bea,

    ich habe aber auch schon Tiermediziner erlebt, die bei einer leicht mit Antibiotika zu behandelnden Drusenerkrankung beim Pferd ein homöopathisches D6-Ginkgopräparat verabreichten und selbstverständlich gegen Impfungen und Gentechnik waren. Also mit der naturwissenschaftlichen Grundlagenausbildung scheint es da etwas gehapert zu haben. Aber das ist ja ein allgemeines Phänomen unseres Bildungssystems. Die ausbildende Einrichtung nenne ich liebert nicht, aber vielleicht waren die ja auch nicht Schuld und der unerschütterliche Glaube gegen Schulmedizin und den übrigen Technologiekram war schon vorher da und ließ sich auch nicht durch Lehrveranstaltungen mit Inhalten aus Physik, Chemie und Biologie beeinflussen. Das heisst nicht, dass ich jetzt alle mit dieser Fachbezeichnung über einen Kamm schere, aber besorgniserregend ist jeder einzelne Fall besonders im Bereich der Medizin.

    Torben Hoffmeister

  4. Sebastian Fettig sagt: 17. Juli 2010

    @ Michael
    Gibt es denn in dieser Gruppe eine offene Diskussion? Ansonsten nehme ich an, dass ich dort wie sonst auch als Agromafia-Schreiberling abprallen würde.

    @ Bea
    Sorry für die Verunglimpfung der Tiermedizin. Tatsächlich waren die Beispiele auf reale Personen gemünzt, die mit einem Tiermedizin- bzw. Landschaftsplanungsabschluss als GP-”Experten” bar jeder Grundbildung auf diesem Gebiet tätig waren, was einen als gelernten Pflanzengenetiker eben ärgert. Stelle Dir einfach vor, Du würdest in einem Tierarztforum von einem Klimatechnikingenieur (nur ein Beispiel!), der in einem vorigen Beitrag schon gezeigt hatte, dass er kein Bakterium von einem Virus unterscheiden kann, belehrt werden, dass Deine Behandlungsmethoden völlig falsch seien und Deine Motivation proportional zur Geschenkgröße des Pharmareferenten sei.

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