Geschlossenes System und freie Natur. Oder: Die Wandlungen der Gentechnik-Kritik

22. Mai 2012 | von:

Biohazard

Bei der Gentechnik – oder besser: bei der Nutzung gentechnisch veränderter Organismen – scheint es, als gebe es  zwei völlig verschiedene Welten: Rote und weiße Gentechnik bleiben im „geschlossenen System“ und sind daher beherrschbar. Grüne Gentechnik findet dagegen in der „freien Natur“ statt. Einmal in die Umwelt freigesetzt sind gentechnisch veränderte Pflanzen nicht mehr zu kontrollieren und vor allem nicht rückholbar. Die eine ist „gut“ und wird weitgehend akzeptiert, die andere „böse“ und trifft in der Gesellschaft auf eine breite, zuweilen leidenschaftliche Ablehnung. Aktionsgruppen, Umwelt- und Verbraucherverbände, ja sogar Unternehmen bedienen sich des Gegensatzes  von „geschlossenem System“ und „freier Natur“, um ihren Kampf gegen die Grüne Gentechnik zu begründen. (Beispiele: Die Lebensmittelkette Tegut, Greenpeace oder die sich „Zivilcourage“ nennenden Aktionsgruppen aus Süddeutschland.)

Das ist noch nicht lange so. Noch bis vor gut zehn Jahren wurden Produktionsanlagen, in denen gentechnisch veränderte Mikroorganismen Arzneimittelwirkstoffe, Vitamine oder Waschmittelenzyme produzieren, von den Grünen, Umweltverbänden und Anwohnergruppen (wie etwa die „Schnüffler un Maagucker“ in Frankfurt/Höchst) mit großer Leidenschaft bekämpft. „Kritische Wissenschaftler“ etwa vom Freiburger Öko-Institut wiesen in immer wieder neuen Gutachten für jede der damals geplanten Anlagen akribisch nach, wie wenig dicht sie tatsächlich waren. Zudem sei es technisch kaum möglich, alle sich im Abwasser der Anlagen befindenden gv-Mikroorganismen mit absoluter Sicherheit zu sterilisieren. Kurz: Dass die gentechnischen Produktionslangen gar nicht geschlossen sind, wie von den Unternehmen und den mit ihnen verbundenen Wissenschaftlern behauptet, war das wichtigste und wirksamste Argument der Gentechnik-Gegner.

Und wenn „genmanipulierte“ Mikroorganismen erst einmal aus den Anlagen entwichen sind, könne niemand wissen, wie sie sich in der Umwelt verhalten: Ob sie dort überleben, sich ausbreiten und andere Mikroorganismen verdrängen. (The long term survival of Escherichia coli in river water, das war etwa ein typisches Gutachten.) Vor allem die Antibiotikaresistenz-Marker, die auch in vielen gv-Produktionsorganismen verwendet werden, seien eine große Gefahr für die Gesundheit, weil diese Resistenzgene von Krankheitserregern aufgenommen und Antbiotika damit unwirksam werden würden. (Hier noch eines der wenigen, online verfügbaren Gutachten aus dieser Zeit über die Produktion des Backenzyms Xylanase mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen.)

Das alles hatte großen Einfluss auf das politische Handeln. Allen voran der Grüne Umweltminister in Hessen, Joschka Fischer, schaffte es, die in Frankfurt seit 1984 geplante Anlage zur Produktion von Insulin durch immer neue technische Auflagen und Gutachten zum biologischen „Restrisiko“ zu verzögern. Erst 1998 konnte die aus Höchst hervorgegangene Aventis die Insulinanlage in Betrieb nehmen. Doch da war es bereits zu spät: Die Diabetes-Patienten in Deutschland bezogen ihr gentechnisch hergestelltes Humaninsulin längst von ausländischen Herstellern.

Heute will man davon nichts mehr wissen: Obwohl die gesetzlichen Vorschriften für die gentechnischen Produktionsanlagen in der Zwischenzeit mehrfach gelockert und sie damit immer weniger „dicht“ wurden, haben die heutigen Gentechnik-Kritiker Weiße und Rote Gentechnik in ein „geschlossenes System“ gepackt und damit auch politisch entsorgt.

Was war da eigentlich passiert? Innerhalb weniger Jahre änderte sich im grün-alternativen Lager die Bewertung der Gentechnik fundamental: Während man sie anfangs grundsätzlich als unbeherrschbar und „unnatürlich“ ablehnte, wurde plötzlich und ohne großes Aufheben eine Sparte – und sogar die ökonomisch erfolgreiche – aus der Kritik herausgelöst.

Doch spätestens, als 1998 die ersten „Gen-Sojabohnen“ in Europa ankamen, hatte die Rot-Weiße Gentechnik ihre Schuldigkeit als Kampagnenthema getan. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nahm weltweit an Fahrt auf und mit „Lebensmitteln aus dem Genlabor“ konnte man die Verbraucher viel wirksamer verunsichern als mit Arzneimitteln oder Waschmittelenzymen.

Vor allem aber: All die Schreckensszenarien von unkontrollierbaren, aus den Anlagen entweichenden gv-Mikroorganismen waren nicht eingetreten: Kein biologischer  GAU, keine neuen Mikrobenstämme, die sich in Gewässern und Kläranlagen etabliert hatten, keine Giftstoffe produzierenden Bakterien und Hefen in der Umwelt. Die bis zum Überdruss wiederholten Warnungen vor den besonderen biologischen Risiken gentechnischer Anlagen hatten an Glaubwürdigkeit verloren.

Spätestens da war es für die Grünen geboten, ihre Gentechnik-Programmatik zu modernisieren. Dabei machten sie es sich ziemlich einfach: Obwohl die alten Risikoszenarien von der Praxis widerlegt wurden, übertrug man sie schnell und schematisch auf gentechnisch veränderte Pflanzen. Eine selbstkritische Reflexion, das Eingeständnis des Irrtums ist bis heute ausgeblieben.

Bis sich allerdings die Grünen von der Fundamental-Kritik an der Gentechnik verbschiedet hatten, gab es heftige interne Konflikte. 1996 schrieb der damalige Bundestagsabgeordnete Manuel Kiper ein Strategiepapier gegen die „einseitige Verteufelung der Gentechnik“. Er warnte davor, „wirksame Genarzneimittel aus ideologischen Gründen abzulehnen“ und sah gentechnisch hergestellte Enzyme als Beitrag zu einer „sanften Chemie“. Auf einem Parteikongress blieb er 1997 mit seinen Positionen allein. Gentechnik sei eine Risikotechnologie und „unnatürlich“, deshalb lehnten die Grünen sie „grundsätzlich und für alle Anwendungsbereiche ab“. Kiper wurde bei der Bundestagswahl 1998 nicht mehr aufgestellt. (Diese Broschüre dokumentiert die damalige Diskussion ganz gut.)

Im Parteiprogramm zur Bundestagswahl 2009 sind Bündnis 90/Die Grünen immer noch gegen die Gentechnik – aber nur  „auf dem Teller und auf dem Acker“. Dazu gibt es allein 19 Fundstellen, zu Weißer und Roter Gentechnik keine einzige. Das Thema ist abgeschlossen.

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass heute ausgerechnet Teile der Grünen unter anderem mit ökologischen Argumenten einen verstärkten Einsatz der Gentechik in der roten und weißen Biotechnologie unterstützen. Den Verweis auf eine erhöhte Umweltfreundlichkeit biotechnologischer Verfahren brachten dagegen schon in den 1980er Jahren die Befürworter dieser gentechnischen Verfahren vor, sie wurden aber von den Kritikern unter Hinweis auf angebliche Gefahren für Leib und Leben abgeschmettert.

Lothar Willmitzer, in: Spektrum.de, 18.01.2012

Kommentare

  1. PeWi sagt: 22. Mai 2012

    Danke für diese Informationen, das mit dem Joschka Fischer und den gentechnisch produzierten Diabetes-Mittel hatte ich zwar mal mitbekommen, aber das ganze Drumherum war mir doch neu.

    Es wirft tatsächlich kein gutes Licht auf die Grünen und die Greenpeaceler. Erst so, dann anders. Aber beides mit einer Vehemenz, die mit Vernunft nix zu tun hat

  2. Peter Langelüddeke sagt: 23. Mai 2012

    Danke an Herrn Spelsberg für diesen informativen Beitrag. Als ehemaliger Mitarbeiter der damaligen Hoechst AG in der Pflanzenschutz-Forschung des Geschäftsbereichs Landwirtschaft habe ich natürlich einen Teil der Entwicklung – ganz am Rande und ohne Details – mitbekommen. Ich hatte vor Kurzem versucht, aus den mir zugänglichen Quellen den Ablauf zu rekonstruieren. Ein paar Worte zur Entwicklung des Insulins sollen das ergänzen.

    Bis Anfang der 1980er Jahre wurde Insulin ausschließlich aus Bauchspeicheldrüsen von Rind oder Schwein gewonnen. Nicht alle Patienten vertrugen das, wobei das aus dem Schwein gewonnene Insulin als verträglicher gilt, da dieses sich vom Humaninsulin nur durch eine Aminosäure unterscheidet. Deshalb wurde versucht, das Schweine-Insulin umzuarbeiten. Die dänische Firma Novo-Nordisk brachte deshalb 1982 ein Human-Insulin aus „semi-synthetischer Herstellung“ auf den deutschen Markt, Hoechst folgte ein Jahr später.

    Die amerikanische Firma Eli-Lilly arbeitete seit 1980 an einem gentechnischen Herstellungsverfahren und erhielt 1982 die Zulassung durch die FDA für den US-Markt für ein Insulin, das von gentechnisch optimieren Mikroorganismen hergestellt wurde. Dem folgte 1987 die Zulassung für Europa. Auch Novo-Nordisk begann 1987 mit Produktion und Verkauf von gentechnisch hergestelltem Insulin.

    Hoechst hatte frühzeitig die Bedeutung der modernen Biotechnologie erkannt und 1981 eine Kooperation mit dem Massachusetts General Hospital vereinbart. Davon versprach man sich Einblicke in die aktuelle Forschung sowie Ausbildung eigener Mitarbeiter, die ihr Wissen dann in Deutschland weitergeben sollten. Kritische Stimmen bemerkten, Hoechst signalisiere damit, dass sich größere Investitionen aus der privaten Industrie in die deutsche Gentechnikforschung nicht lohnten. Der transnationale Know-how-Transfer zeigte dann genau jene Folgen, welche sich die Bundesregierung eigentlich erhofft hatte, nämlich dass die deutsche Wirtschaft durch die neuen Technologien belebt würde: Im September 1984 stellte Hoechst, nicht zuletzt wegen der in Boston gesammelten Erfahrungen, einen Antrag zur Errichtung einer Produktionsanlage für Humaninsulin in Frankfurt. Zum Einsatz sollten dabei gentechnisch veränderte Mikroorganismen (Coli-Bakterien) kommen. Diese Zusammenarbeit wurde mit 70 Millionen US Dollar unterstützt. Über 70 Patente sollen dabei herausgekommen sein.

    Dann beantragte Hoechst am 14.09.1984 den Bau der Fermtec- und später der Chemtec-Teilanlagen zur gentechnischen Herstellung von Humaninsulin, beide wurden genehmigt. Doch der seit Oktober 1985 installierte erste Umweltminister der Grünen, Josef Martin Fischer, stoppte die Anlage im Oktober 1986 – nach Protesten von Umweltverbänden und Anwohnern aus dem Stadtteil Höchst. Ängste, gentechnisch manipulierte Coli-Bakterien könnten aus der Anlage entweichen und unkontrollierte Wirkungen auf die Umwelt ausüben oder gar die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen, wurden künstlich hochgespielt. Darauf kam es zum Rechtsstreit. Nicht rekonstruieren konnte ich das Verhalten der im Frühjahr 1987 neugewählten CDU/FDP-Regierung. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) entschied 1989 gegen Hoechst. Im Mai 1990 wehrte der VGH aber Einsprüche gegen den dritten Teil (Insultec) der Anlage ab.

    Nach Inkrafttreten des ersten Gentechnik-Gesetzes am 01.07.1990 gab es eine bessere Rechtsgrundlage, und der VGH hob seine früheren Entscheidungen gegen Ferntec und Chemtec auf. Gegner legten Widerspruch ein, unterlagen aber schließlich. Am 04.01.1993 begann der Versuchsbetrieb mit behördlichen Auflagen in der Fermtec-Anlage. Das gewonnene Insulin wird aber noch eingelagert, da das Zulassungsverfahren des biosynthetisch gewonnenen Wirkstoffes als Medikament erst jetzt erfolgen konnte. Im Dezember 1996 entschied Hoechst, das biosynthetisch hergestellte Insulin weltweit einzuführen. Am 16.03.1998 ging die Insulin-Produktion endgültig in Betrieb.

    Bei Hoechst war aber nach 1985 die Zeit nicht stehen geblieben. Dort wurde ein neues Produktionsverfahren entwickelt, so dass 1990 der Betrieb noch nicht aufgenommen werden konnte. Das dauerte also bis 1993. Erst 1998 konnte dann die erweiterte Anlag in Betrieb genommen werden. Bei der Inbetriebnahme erklärte der damalige Hessische Ministerpräsident Hans Eichel, die Anlage sei ein Beispiel für den Lernprozeß der Politik im Umgang mit der Gentechnik. „Wir haben eine ganze Menge dazu gelernt.“ Leider war er da zu optimistisch. Immerhin sind in einem FAZ-Artikel vom 17.03.1998 Umsatzzahlen für das vorhergehende Jahr 1997 genannt (239 Millionen DM). Welche Einbußen Hoechst hinnehmen musste – in Form entgangener Gewinne – lässt sich wohl nie mehr beziffern. Denn die Konkurrenten Eli-Lilly und Novo-Nordisk waren einige Jahre früher am Markt. Welche Einbußen der Fiskus in Form entgangener Steuereinnahmen erlitt, lässt sich noch weniger beziffern.

    Jahre später hatte ich bei der Nachfolge-Gesellschaft Sanofi-Aventis nachgefragt, ob es eine öffentlich zugängliche Dokumentation über die Zeit von 1985 bis 1998 gäbe. Die gibt es aber nicht.

    Inzwischen steht auf dem Gelände des Industrieparks Höchst eine der größten Insulin-Anlagen der Welt.

    Der Ablauf des Verfahrens ist im Zusammenhang zu sehen mit dem Aufkommen der Grünen seit 1980. Die hatten – ganz natürlich – einige Themen definiert, auf die sie sich spezialisierten und die zu ihrer Selbstidentifikation dienten. Das war zunächst ganz allgemein der Umweltschutz, dann die „Friedensbewegung“ (nur im Westen), der Kampf gegen Atom-Waffen (nur im Westen) und Atom-Kraft, und last but not least die radikale Ablehnung jeder Gentechnik. Zu allen Punkten fanden sie in dem sich schnell entwickelnden Umfeld von Sympathisanten der unterschiedlichsten Couleur breite Unterstützung. Daran änderte sich auch nichts nach Einsetzung der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages „Chancen und Risiken der Gentechnologie“, die 1987 ihren Abschlussbericht vorlegte. Die Fraktionen von SPD, CDU/CSU und FDP hatten sich im Prinzip, nachdem vor allem Wissenschaftler aller betroffene Fachrichtungen gehört worden waren, geeinigt. Nur die Grünen blieben bei ihrer radikalen Ablehnung. In der breiten Öffentlichkeit begann sich eine erhebliche Skepsis, sogar Feindseligkeit gegenüber jeder Art von Gentechnik breit zu machen. Welche Auswirkungen das Hoechster Insulin-Verfahren auf diese Stimmung und welchen Einfluss das auf die öffentliche und private Pharma-Forschung hatte, kann ich nicht beurteilen. Erst nach der Erleichterung des zunächst sehr restriktiven Gentechnik-Gesetzes im Jahr 1993 und nach der Ausrufung des Bio-Regio-Wettbewerbs 1995 durch den damaligen Forschungsminister Rüttgers besserte sich die Stimmung. Nur gegenüber der Grünen Gentechnik blieb sie skeptisch bis feindselig, nach dem Motto: Wenigstens dort müssen wir Recht haben. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei sicherlich, dass sich große Chemie-Firmen, die Pflanzenschutzmittel entwickelten und herstellten, und die damit ohnehin in der Kritik standen, engagierten. Da konnte man auf ein bewährtes und willkommenes Feindbild einprügeln.

  3. Jochen sagt: 23. Mai 2012

    Schöner Artikel,
    hatte einen Dozenten der bei Sanofi arbeitet! Als er auf die Frage der Möglichkeiten und Risiken der Gentechnik zu sprechen kam, hat er auch dass im Nebensatz erwähnt,
    wobei die unterdrückte Wut die sich in Schaumansätzen vor dem Mund äußerten darauf schließen ließ, dass hier wie bereits mehrfach erwähnt viel, sehr viel Geld durch ein nichts zu rechtfertigendes Herstellungsverbot den Bach runtergeflossen ist!
    Aber immerhin kann man eines über die allseits beliebte Partei sagen,
    sie bleiben ihrer Linie treu, Industrien die sich alleine tragen ins Ausland zu vertreiben und Firmen Subventionen in das A-Loch pumpen, die ohne nie im Leben auf dem freien Markt bestehen könnten!
    Und später werden die Banken für diese Blase verantwortlich gemacht,
    wie simpel und einfach die Welt doch ist

  4. Jochen sagt: 23. Mai 2012

    Den Link von Teegut mal besucht,
    ganz tolles Kino,
    “Dabei ist der Begriff „Freisetzung“ bezeichnend. Freigesetzte Organismen sind nicht rückholbar. Die Konsequenzen sind nicht mit einer Erdölkatastrophe oder dem Austritt chemischer Komponenten vergleichbar, bei denen sich die schädigenden Stoffe verdünnen und über mehr oder weniger lange Zeiträume abbauen. Bei lebenden Organismen muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass sie ihre genetische Information in der Natur auskreuzen und vervielfältigen.”

    Weiß gar nicht wo das Problem bei solchen Unfällen sein soll
    http://www.focus.de/panorama/welt/unfaelle-lawine-aus-industrieschlamm-in-ungarn-vier-tote_aid_559034.html

    wird ja eh alles verdünnt…..

  5. Gerd Spelsberg sagt: 25. Mai 2012

    Ich habe auf abgeordnetenwatch.de an den Grünen Bundestagsabgeordneten Harald Ebner (zuständig für “Agro-Gentechnik”) die Frage gestellt, wie er und seine Partei es mit der Gentechnik im “geschlossenen System” halten.
    http://www.abgeordnetenwatch.de/frage-575-44519–f341689.html#q341689

  6. Gerd Spelsberg sagt: 25. Mai 2012

    transGEN hatte eine ähnliche Frage (und einige Nachfragen) schon mal an den offiziellen Grünen Twitter-Account @Die_Gruenen gestellt:
    Hier die Antworten:
    (1) Wir wollen Transparenz&Verursacherhaftung für Unternehmen&Forschungsinstitute, die medizinische Gentechnik betreiben.
    (2) In dem Artikel ist von “Teilen der Grünen” die Rede, nicht von der offiziellen Parteiposition.
    (3) Dazu gibt es noch keinen Beschluss. Das heißt aber nicht, dass die Grünen für rote Gentechnik sind.

  7. Heinz-Josef Hirsch sagt: 2. Juni 2012

    Sind eigentlich Produkte der weißen und roten Biotechnologie, wenn sie aus gentechnisch veränderten Mikroben stammen, als solche zu kennzeichnen? Könnte eine Kennzeichnungspflicht dieser akzeptierten und für viele lebensnotwendigen Produkte nicht vielleicht die allgemeine Skepsis gegen Gentechnik aufweichen?

  8. Gerd Spelsberg sagt: 8. Juni 2012

    Eine gesetzlich vorgeschriebene Gentechnik-Kennzeichnung gibt es nur für Lebensmittel (und Futtermittel). Und nur, wenn sie ein GVO sind aus aus einem GVO hergestellt sind.
    Kennzeichnung betrifft also nur einen kleinen Teil der Produkte des Alltags, bei denen Anwendungen der Gentechnik möglich sind. Nicht zu kennzeichnen ist alles, was mit Hilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen hergestellt ist (Vitamine, Aminosäuren, Enzyme für Lebens-, Futter- und Waschmittel, für Papier, Textilien…..) und generell alle Non-Food-Produkte (Textilien, Körperpflege, Kosmetik, Blumen,mehr oder weniger auch Medikamente ….).
    Nur: Wenn das alles kennzeichnungspflichtig würde, dann wäre sichtbar, wie allgegenwärtig Gentechnik heute ist. Aber: Dafür wären neue Gesetze erforderlich, Behörden, Kontrollen, Rückverfolgbarkeitssysteme…. Wäre dieser Riesenaufwand wirklich angemessen?

  9. Gerd Spelsberg sagt: 12. Juli 2012

    Harald Ebner (Sprecher für Agrogentechnik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen) hat auf meine Frage zu der Position seiner Partei zu “Gentechnik im geschlossenen System” auf abgeordnetenwatch.de immer noch nicht geantwortet.
    http://www.abgeordnetenwatch.de/frage-575-44519–f341689.html#q341689.
    Wo er doch sonst zu keinem Thema in seinem Gebiet um eine Stellungnahme verlegen ist.

  10. Gerd Spelsberg sagt: 3. September 2012

    Harald Ebner (Grüner MdB) hat inzwischen auf meine Frage, die ich ihm bei abgeordnetenwatch.de gestellt habe, geantwortet:
    http://www.abgeordnetenwatch.de/harald_ebner-575-44519–f341689.html#q341689

    Das ist schon etwas enttäuschend – und es stellen sich sofort weitere Fragen:

    - Wenn die “geschlossenen Systeme”, in denen gentechnisch veränderte Mikroorganismen Enzyme oder Arzneiwirkstoffe produzieren, gegenüber der Umwelt wirklich absolut dicht sind, warum haben die Grünen noch vor 10 Jahren das Gegenteil behauptet (obwohl die Gesetze dafür inzwischen weniger streng sind)?

    - Auf was stützt sich eigentlich die Annahme, dass ein “geschlossenes System” wirklich geschlossen ist und keine gv-Mikroorganismen hinaus gelangen?

    - Die meisten gv-Mikroorganismen, die Enzyme und viele Arzneimittel produzieren, sind in die Sicherheitsstufe 1 eingestuft und sind damit definitionsgemäß “ohne Risiko für Mensch und Umwelt”. Wie “geschlossen” müssen die System da sein?

    (Und wenn Herr Ebner schon Fax- und Telefonnummern vergleicht, dann sollte er wenigstens mitbekommen, dass das i-bio Büro in Aachen ist und nicht in Darmstadt.)

  11. Gerd Spelsberg sagt: 8. Januar 2013

    Diese Meldung passt zum “geschlossenen System”, in dem ja Gentechnik nach der aktuellen Meinung der Grünen grundsätzlich gut und unproblematisch sind:

    http://www.genfoodneindanke.de/wp/2013/01/antibiotikaresistenz-aus-dem-gentechniklabor-in-die-flusse/

    (Eine ganze andere Frage ist, welche Gefahr von solchen antibiotikaresistenten Mikroorganismen ausgehen. Auch im menschlichen Darm sind etwa ein Viertel aller Bakterien antibiotikaresistent. Und ähnlich bei Bodenbakterien.)

  12. Wolfgang Nellen sagt: 29. Mai 2015

    Die unterschiedliche Beurteilung von geschlossenen Systemen und Freisetzung ist nicht (mehr) durchgängig. Leider habe ich die Quelle nicht parat, aber Gerd Spelsberg wird sie sicher finden: ein Unternehmen ist auf heftige Kritik von Umweltverbänden gestoßen, weil es bestimmte Fette/Öle in Algen produziert. Das GVO Produkt sollte in erster Linie Palmöl ersetzen und hauptsächlich im non-food Bereich eingesetzt werden. Die Produktion erfolgte in geschlossenen Systemen. Nach meiner Erinnerung ist die Produktion aufgrund der Proteste (zunächst) eingestellt.

  13. Gerd Spelsberg sagt: 29. Mai 2015

    Es geht um den Öko-Waschmittelkonzern Ecover, der Palmöl ersetzen will durch ein ähnliches Öl, das von Mikroalgen produziert wird, in die ein entsprechender Stoffwechselweg eingebaut ist. Mit synthetischer Biologie, die von einigen NGOs als “extreme Gentechnik” bekämpft wird.

    http://www.gute-gene-schlechte-gene.de/synthetische-biologie-regenwald-palmoel-gentechnik/

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