Was bewegt mich, in diesem Blog zu schreiben?
Warum kann ich mich aus der ewigen Diskussion zu den Vor- und Nachteilen der grünen Gentechnik nicht länger heraushalten?
Persönlich habe ich durch mein Engagement sicherlich keine Vorteile. Eventuell wird nun auch hinter mir ein von der Industrie bezahlter Forscher vermutet? Auch glaube ich nicht, durch meine Worte große Änderungen bewirken zu können. Aber vielleicht gelingt es durch diesen Blog tatsächlich, Journalisten wieder von der Bedeutung einer guten Recherche überzeugen zu können und die Fakten dieses Themenkomplexes wieder in den Vordergrund zu rücken. Ich schreibe in der Hoffnung, dass sich die nahezu religös anmutende Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern dieser Technologie in Zukunft auf wirkliche Argumente stützen und nicht länger durch das Generieren und Ausnutzen von Ängsten auf der einen, sowie Heilsversprechen auf der anderen Seite geprägt werden wird.
Anhand eines Beispieles von vielen möchte ich hier die ab und an offenkundliche Überforderung von Journalisten, die sich mit diesem Thema auseinander setzen müssen, darlegen.
Ich beziehe mich im Folgenden auf einen Artikel der Stuttgarter Nachrichten, Lokalteil Marbach und Bottwartal (http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.warnung-vor-der-gentechnik-auf-den-tellern.f75cf980-9a8b-4795-b1c8-bad0e3d5ad25.html).
Der Zeitungsbeitrag wies auf die Veranstaltung “Gesundheitsrisiko Gentechnik in unserer Nahrung” hin, die letzte Woche in der Stadthalle Marbach stattfand. Auf der Veranstaltung wurde laut Ankündigung ein Film zum Fall Percy Schmeiser gegen Monsanto gezeigt, sowie ein Vortrag mit dem Titel “Unsere Zukunft mit Gift und Genen” gehalten. Auf diese Inhalte möchte ich jetzt nicht im Einzelnen eingehen. Zum einen war ich nicht persönlich anwesend, zum anderen würde dies mein Zeitlimit für das Verfassen der ersten Worte in diesem Blog wohl sprengen. Die Firma Monsanto hat jedoch für genügend Zündstoff gesorgt, so dass in Zukunft noch viele Seiten zu füllen sein werden. Eine Argumentation für und wider Monsanto steht in meinen Augen jedoch in keinem Zusammenhang mit der Diskussion um die Chancen und Risiken der grünen Gentechnik an sich und müssen getrennt voneinander geführt werden. Die Involvierung von deutschen Firmen in diverse Skandale macht deren Produkte schließlich auch nicht per se unsicherer.
Aber zurück zur Kritik an der journalistischen Arbeit. So hat es mir folgender Satz aus dem obigen Zeitungsartikel besonders angetan:
“Weil ihm (Schmeiser) Bienen seine Felder mit Genmais verseucht haben, will Monsanto auch beim Farmer Percy Schmeiser abkassieren, doch der streitbare Landwirt wehrt sich.“
In diesem Satz sind gleich drei grobe Fehler eingebaut, welche offen legen, dass sich die Autoren anscheinend nicht tiefer mit der Materie vertraut gemacht haben:
1.) Percy Schmeiser hat RoundUp-Ready Raps angebaut, keinen Mais.
2.) Wenn er Mais angebaut hätte, wäre es höchsten der Wind gewesen, welcher den Pollen auf die Felder des Herrn Schmeiser hätte wehen können. Bienen sind an der Bestäubung von Mais nicht beteiligt.
3.) Aber selbst der eigentlich von Schmeiser angebaute Raps wurde nach seiner eigenen Aussage durch Winddrift der Samen oder von einem vorbeifahrenden LKW auf seine Felder verbreitet. Bienen waren also auch beim realen Szenario nicht beteiligt.
War es nun wirklich Unwissen der Autoren oder sollte mit diesem Satz ein negativ gefärbter Bezug auf die grüne Gentechnik in Deutschland hergestellt werden? Denn hier war bekannterweise Mais die einzige jemals zum Anbau zugelassene GV Pflanze. Auch Bienen stehen als Nützlinge, welche dem Maispollen ausgesetzt sind, im Fokus der Öffentlichkeit. Der Artikel selbst wurde aber anscheinend nicht, wie sonst häufig, von den Gentechnik-Gegnern lanciert und verfasst. Denn diese verfügen oftmals über mehr Sachverstand als die Journalisten und nur zu oft verlässt sich die Schreiberzunft auf die Infos von der gut organisierten Gentechnik-Gegnerschaft.
Falsche Fakten verwehren dem Leser jedoch einen ungeklärten Blick auf die Wahrheit. Mein Vertrauen in den objektiven, an Fakten orientierten Informations-Journalismus ist durch viele weitere Fälle wie den oben aufgeführten in Gänze gemindert worden. Für mich hat dies zur Folge, dass ich seitdem bei vielen weiteren gesellschaftspolitischen Themen versuche hinter die reinen Sätze zu schauen, mehrere Quellen zu einer Thematik zu nutzen und so vielleicht der eigentlichen Wahrheit ein wenig näher zu kommen. Aber den Glauben, dass dies bei allen interessierten Lesern von Artikeln zur grünen Gentechnik ähnlich sein könnte, besitze ich nicht. Umso wichtiger ist eine Aufklärung über offensichtliche Unrichtigkeiten in Artikeln. Dies führt eventuell nicht nur kurzfristig zu Richtigstellungen durch die Autoren, sondern längerfristig zu einer besseren journalistischen Arbeit.
Werter Blogger,
deine Motivation ist super, aber bei Percy Schmeisser bist du noch nicht an den Grund der Wahrheit vorgedrungen. Er hat nie Roundup-Ready Raps angebaut. Er war normaler Rapszüchter und -bauer. Erst durch die vom Wind verwehten Pollen aus Feldern mit gentechnisch veränderten Raps ist sein Bestand betroffen worden. Da die Pollen von Raps bis über 25 km weit geweht werden können, ist in Kanada heute nirgends mehr gentechnikfrei.
Percy Schmeisser hat aber einen Weg gefunden, Monsanto in die Schranken zu weisen: Er hat der Firma eine Rechnung geschickt. Monsanto sollte die Entfernung von gentechnisch veränderten Pflanzen durch eine Firma bezahlen. Darüber ist es zum Prozess gekommen. Monsanto konnte sich aber mit Schmeisser außergerichtlich einigen und so ein Urteil mit weitreichenden Folgen zunächst verhindern. Percy Schmeisser aber darf weiter gegen die seiner Meinung nach unrechten Praktiken von Monsanto und anderen öffentlich Vorträge halten.
Mfg Michael Bachleitner
Hallo Herr Bachleitner,
tja, soo einfach ist das wohl nicht.
Hier ein älterer, aber immer noch aktueller Artikel von Thomas Deichmann: http://www.novo-magazin.de/58/novo5826.htm
Daraus ein Auszug:
“Am 29. März 2001 fällte das Bundesgericht Ottawa in erster Instanz ein Urteil im von Monsanto eingeleiteten Verfahren gegen Schmeiser.
Richter Andrew MacKay betrachtete es nach Anhörung der Zeugen und Gutachter als erwiesen, dass eine Patenrechtsverletzung vorlag. Der anfänglichen Behauptung Schmeisers, einzig durch Wind und Bienen sei transgener Rapspollen auf sein Feld geweht worden, schenkte er keinen Glauben.
Schmeiser war im Laufe des Verfahrens von dieser Version zum Teil selbst abgerückt und hatte eingeräumt, mit dem RoundupReady-Saatgut von Monsanto auf seinem Feld “experimentiert” zu haben.
Verschiedene Gutachter wurden vor Gericht geladen. Es stellte sich heraus, dass auf Teilen von Schmeisers Rapsanbaufläche herbizidtolerante Pflanzen mit einem Reinheitsgrad von 95-98 Prozent bezogen auf die patentgeschützte Eigenschaft gefunden worden waren.
Unbeabsichtigte Vermischungen durch Pollenflug vom Nachbarfeld als Ursache für die RoundupReady-Funde in diesem Ausmaß schlossen die Experten aus.”
Hier das Gerichtsurteil vom März 2001: http://decisions.fct-cf.gc.ca/en/2001/2001fct256/2001fct256.html
Soviel zum Grund “Ihrer” Wahrheit…
Alexander
durch transgen de auf dieses blog aufmerksam gemacht worden.
gute recherche und objektivität sind here ziele, die wie oben ausgeführt, schon im ersten teil missachtet werden. warum eigentlich?
“schenkte er keinen Glauben.” ist nett, was haben recherchen und wissenschaftlichkeit mit glauben zu tun?
“Es stellte sich heraus, dass auf Teilen von Schmeisers Rapsanbaufläche herbizidtolerante Pflanzen mit einem Reinheitsgrad von 95-98 Prozent bezogen auf die patentgeschützte Eigenschaft gefunden worden waren.
Unbeabsichtigte Vermischungen durch Pollenflug vom Nachbarfeld als Ursache für die RoundupReady-Funde in diesem Ausmaß schlossen die Experten aus.”
wieviel gene sind zuständig für die eigenschaft herbizidresistenz? wie spalten die? ist ein reinheitsgrad nach einkreuzung egal ob durch bienen andere insekten oder pollen von über 90% so unwahrscheinlich?
die experten schlussfolgern auf der grundlage irgendwelcher fakten, man kann auf der grundlage dergleichen fakten auch anders schlussfolgern. es solte zwischen fakten und schlussfolgerungen unterschieden werden.
keine ahnung, warum Sie sich so here ziele setzten, um schon bei den kleinsten anforderungen an differenzierungsvermögen zu scheitern.
Glauben schenken ….
Es ist immer wieder erstaunlich, Percy Schmeiser kann sagen, was er will: Man glaubt ihm hierzulande. Er ist das gute, tapfere Opfer des Bösen (Monsanto). Fakten, die nicht in dieses Schema passen, gelten als „falsch“, „unwissenschaftlich“ oder sind sowieso von Monsanto gekauft.
Warum schaut man nicht einmal in der Urteil des Obersten Kanadischen Gerichtshofs von 2004? Percy Schmeiser hat es selbst auf seiner Website eingestellt. Danach hat Schmeiser auf einem seiner Rapsfelder das Monsanto-Herbizid Roundup gespritzt. Ein Teil der Pflanzen überlebten – ein sicheres Zeichen, dass es sich um gv-Raps (resistent gegen Roundup!) handelte. Diese Pflanzen stammten offenbar vom Nachbarfeld, auf dem gv-Raps angebaut wurde. Schmeiser hat aus den durch die Roundup-Behandlung herausselektierten gv-Rapspflanzen die Samen geerntet, den Winter über gelagert und im Frühjahr wieder ausgesät. Folgerichtig fanden die Monsanto-Kontrolleure auf diesem Schmeiser-Rapsfeld 95-98 Prozent GVO-Anteil. Das waren nicht die Bienen oder Pollenflug, sondern allein Schmeiser mit seiner bauernschlauen Art, zu gentechnisch verändertem Rapssaatgut zu kommen.
Das alles ist weitgehend unstrittig. In dem Verfahren ging es ja eigentlich um etwas ganz anderes, nämlich darum, ob es eine Patentverletzung darstellt, wenn Schmeiser auf seinem Feld „gefundene“ gv-Rapssamen wieder aussät und dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil hat. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.
Hier das Urteil zum Nachlesen, vor allem die Punkte 4-6 auf S. 6 und 60-64 aus S. 13
http://www.percyschmeiser.com/Supreme%20Court%20Decision.pdf