Biogene Pflanzen: Grüne Gentechnik für die biologische Landwirtschaft?

6. Februar 2013 | von:

Kartoffelblüte

Die biologische Landwirtschaft und die grüne Gentechnik scheinen sich nicht zu verstehen. Sie sind sich nur einig, dass der andere der Teufel ist und schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. In den letzten Jahren haben aber Vertreter beider Parteien realisiert, dass nicht alles bei der anderen schlecht ist und erste Ansätze formuliert, um das Positive der zwei unterschiedlichen Welten miteinander zu kombinieren. Dies setzt einen Kompromiss voraus, da nicht jede Seite auf Maximalforderungen beharren kann.

Als einen solchen Kompromiss habe ich kürzlich „biogene“ Pflanzen (orgenic plants) vorgeschlagen. Diese Pflanzen sind zwar genveränderte Pflanzen (GVP), aber ihre Eigenschaften sind mit den Forderungen der biologischen Landwirtschaft im Einklang.

Ein zentrales Merkmal ist, dass biogene Pflanzen keinen Einsatz von Chemikalien erfordern, also keine Resistenzgene gegen Herbizide tragen. Dieser Verzicht auf eine zunächst erfolgversprechende Errungenschaft der GVP (ca. 60% der angebauten GVP) ist eine bedenkenswerte Alternative, da der grosse Einsatz von Glyphosat (aktiver Bestandteil von Roundup) weltweitbisher zu 24 Glyphosat-resistenten Unkräutern geführt hat. Der zurzeit vorgeschlagene Weg, andere Herbizide einzusetzen, wird mittelfristig wohl zu entsprechend neuen resistenten Pflanzen führen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass der Einsatz von Herbiziden immer mit dem Risiko von erheblichen negativen Einflüssen auf Umwelt und Gesundheit des Menschen verbunden ist. So ist gerade das früher als besonders bedenkenlos angesehene Glyphosat als Embryonen-schädigend (teratogen) erkannt worden. Ferner weisen neueste Befunde auch darauf hin, dass Glyphosat die Bakterienpopulation im Darm ungünstig beeinflussen kann. Inwieweit diese Eigenschaften von Glyphosat auch die Gesundheit des Menschen direkt beeinflusst, ist umstritten.

Eine zweite wesentliche Eigenschaft biogener Pflanzen besteht darin, dass sie ihre durch Genmanipulation eingeführten Gene nicht auf andere Pflanzen übertragen, und somit kein Problem der Koexistenz mit konventioneller Landwirtschaft existiert. Dies wird mit zwei verschiedenen Ansätzen erreicht. Zum einen enthalten biogene Pflanzen Gene, die auch auf natürliche Weise zwischen Pflanzen ausgetauscht werden, sogenannte Cisgene. Zum andern, falls die biogenen Pflanzen artfremde Gene enthalten, sogenannte Transgene, sind sie so verändert, dass das Transgen nicht auf andere Pflanzen übertragen werden kann. Dies wird je nach Pflanze auf unterschiedliche Art erreicht. Bei Pflanzen, bei denen die Samen keine Bedeutung haben, werden sterile Sorten verwendet, die weder Pollen bilden noch Fruchtstände entwickeln. Als Beispiel ist die Kartoffel anzuführen, bei der 213 sterile Sorten bekannt sind. Schwieriger ist die Herstellung biogener Pflanzen für Kulturen, bei denen gerade die Samen als Nahrungsmittel geerntet werden, wie beispielsweise Mais, Raps und Weizen. Diese Pflanzen müssen so verändert werden, dass sie keine Pollen bilden, aber in der Lage sind, Samen ohne Befruchtung auszubilden. Dies ist durchaus möglich, da die Samenbildung durch klonale Vermehrung asexuell erfolgen kann. Dieser Prozess, der als Apomixis bezeichnet wird, ist bei Hunderten von Pflanzen natürlicherweise vorhanden, ist aber auch bei der Pflanzenzüchtung spontan aufgetreten (verschiedene Orangensorten). Daher ist es wichtig, apomiktische Sorten zu entwickeln, bevor Mais, Raps und Weizen mit Transgenen in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Das Fehlen bei biogenen Pflanzen von Pollen,  die Transgene enthalten, erlaubt die aus ökologischen Kreisen viel verlangte Nulltoleranz gegenüber Transgenen. Meines Erachtens ist aber das Verhindern des unkontrollierten Ausbreitens von Transgenen der wesentlichere Aspekt, da niemand das Verhalten von Pflanzen, die unbeabsichtigt neue Gene enthalten, präzise voraussagen kann. Wir können nicht ausschliessen, dass diese Pflanzen sich unkontrolliert verbreiten und die Biosphäre auf unerwünschte Weise beeinflussen. Hierzu kann das invasive Verhalten von Neophyten (gebietsfremde Pflanzen) als Warnung verstanden werden. Die Erfahrung mit GVP in den letzten Jahren hat ein unkontrolliertes Aufwachsen von Herbizid-resistenten Rapspflanzen, die auf eine Auskreuzung von GVP zurückzuführen sind, klar nachgewiesen. Das zurzeit praktizierte Verfahren der Sicherheitsabstände zwischen GVP und konventionellen Pflanzen zeigt, dass das unbeabsichtigte Auskreuzen zwar ernst genommen wird, aber die Effektivität ist bei einem massiven Anbau von GVP zweifelhaft. Ich befürchte, dass wir einen potentiellen Schaden erst aufdecken, wenn das Zurückholen des Transgens nicht mehr möglich ist.

Ich rufe daher auf, innovative Verfahren der Gentechnik einzusetzen, um sicherere und nachhaltigere Wege in der grünen Gentechnik zu finden, die der öffentlichen Kritik angemessen entgegenkommen. Biogene Pflanzen könnten einen entsprechenden Ansatz darstellen.

 

 

Prof. Dr. Gerhart U. Ryffel leitete bis 2011 die Arbeitsgruppe Entwicklungsbiologie des Instituts für Zellbiologie (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen. 2012 schrieb er für den Synthesebericht des Schweizer Nationalen Forschungsprogrammes “Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen” einen Beitrag zu biogenen Pflanzen.

 

 

Kommentare

  1. torben hoffmeister sagt: 6. Februar 2013

    Einspruch ! Glyphosat ist eben nicht als teratogen erkannt worden. Das BfR hat sich dazu mehr oder wenig eindeutig positioniert: http://www.bfr.bund.de/cm/343/neue_daten_zu_gesundheitlichen_aspekten_von_glyphosat.pdf
    Diese Behauptung geht auf eine einzige Studie zurück, die den Aussagen aller damit befassten internationalen und nationalen Behörden widerspricht. Es ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht einzusehen, weshalb es zu einer Neubewertung des Herbizids und der resistenten Pflanzen kommen soll.
    Ebenso ist es aus wissenschaftlicher Sicht nicht einzusehen, den Horrorszenarien der unkontrollierten Ausbreitung von Transgenen zu folgen (die Kanadier leben offenbar ganz gut mit ihren drei HR-Rapsklassen und haben zudem Einkommenserfolge) und nur sterile gv-Pflanzen zu fordern, damit der wissenschaftlich nicht nachvollziehbaren Forderung des Ökolandbaus auf Nulltoleranz entsprochen werden kann.
    Es ist eine unsymmetrische Diskussion, die da seit Jahren geführt wird: Die eine Seite (Ökolandbau und NGO`s) beharrt auf ihren Maximalforderungen bzw. führt bei Entgegenkommen wie z.B. gesetzliche Regeln zur Koexistenz immer aberwitzigere Argumente ins Feld (z.B. kein gv-Pollen in Honig und im Umkreis von 10 km von Bienenstöcken kein GVO-Anbau). Warum also sollte man bei so viel praktizierter Kompromisslosigkeit den Kompromiss suchen ? Da geht man doch lieber gleich in die USA, wie auch kürzlich die BASF und entwickelt eben nicht die cisgene Kartoffel weiter, die genauso Zerstörungen ausgesetzt war wie die „nicht-biogenen“ Pflanzen. Gerade dieses gescheiterte Beispiel der auskreuzungsunverdächtigen Phytophthora-toleranteren Kartoffel zeigt doch, dass trotz großer Vorteile für den konventionellen und ökologischen Anbau die Gräben unüberwindbar sind. Aber diese Gräben gräbt allein der Ökolandbau immer tiefer.
    Vielleicht ist es auch die sogenannte öffentliche Kritik, die nicht angemessen ist ? Herr Professor Szibor hat dazu einen sehr treffenden Artikel geschrieben: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001283

  2. torben hoffmeister sagt: 6. Februar 2013

    Ach noch eins: Ich möchte mit Ihnen Wetten abschließen, wie der Ökolandbau und die mit ihnen verbündeten Imker im theoretischen Fall des Einsatzes apomiktischer gv-Pflanzen reagieren würden: Diese bösen Menschen der gv-Fraktion wollen unsere Bienen verhungern lassen, weil ja bei diesem Konzept im Sinne der Unterbindung von Auskreuzung die Bildung und Ausschüttung von Pollen vermieden werden soll.
    Stellen Sie sich das mal vor: Riesige Raps- oder Maisfelder ohne Pollen. Das wird vermutlich als Angriff auf die gesamte Imkerschaft gewertet.
    Letzteres gibt es übrigens tatsächlich in der Rapszüchtung und heißt Kleistogamie. Nur das ist keine Gentechnik und erregt in keinster Weise die Ökofraktion.

  3. Prof. Dr. Nazimi Acikgoz sagt: 13. Februar 2013

    The organic sector urgently must develop new genotypes – new varieties. Classic plant breeding with chromosome transfer will take many years to accomplish this work. However, gen based transfer (biotechnology) may facilitate this in a short period. Persons with biological background are expecting that organic stakeholders can not resist too much to use transgenics in organic agriculture especially in cisgenic case. In fact, some of the organic cotton industrialist in Germany inevitably defended using the transgenic Indian cotton processing event as innocence

  4. Wolfgang Nellen sagt: 14. Februar 2013

    Noch ein Einspruch: die vorgeschlagenen sterilen Pflanzen kommen dem “Terminator-Saatgut” nahe. Von Gentechnik-Kritikern wird gefordert, dass GV Pflanzen sich nicht verbreiten (aussäen, auskreuzen). Gleichzeitig soll aber ein Teil der Ernte wieder zur Aussaat verwendet werden können. Biologisch eine ziemliche Herausforderung!

  5. Gerhart Ryffel sagt: 19. Februar 2013

    Zu Kommentaren:
    Glyphosat teratogen
    Das Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) gibt in seiner Stellungnahme von 2011 keinen endgültigen Bericht und meines Wissens ist eine neue Bewertung angekündigt, aber noch nicht erfolgt. Meines Erachtens ist die wissenschaftliche Studie zur embryonenschädigenden Wirkung von Glyphosat (1) aus dem Jahr 2010 nicht berücksichtigt. Diese Untersuchung zeigt, dass Glyphosat bei Froschembryonen zu Fehlbildungen führt. Molekularbiologische Studien zeigen, dass Glyphosat mit der Wirkung der Retinsäure interferiert und so die Organbildung stört. Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese Befunde sehr überzeugend dargelegt. Es ist nicht klar, ob diese teratogene Wirkung beim Menschen zum Tragen kommt. Bei Experimenten in der Ratte wurden aber schon 2003 vergleichbare Beobachtungen (2) gemacht.
    Unkontrolliertes Ausbreiten von Transgenen
    Dies ist nicht nur rein Kanadisches Problem. In Ländern wie Japan (3) und der Schweiz (4) wurde Herbizid-resistenter Raps gefunden, obwohl dort kein Gentechnisch veränderter Raps angebaut wird. Dabei ist ja nicht nur der primär hergestellte Gentech-Raps der Kontrolle entwichen, sondern die Transgene sind durch Auskreuzung in verwandte Arten übertragen worden. Man hat sogar Rapspflanzen gefunden, die sowohl Transgene enthalten, die gegen Glyphosat und Glufosinat Resistenz vermitteln (5). Da solche doppeltresistente Pflanzen nie angebaut wurden, müssen sie durch Auskreuzung entstanden sein. Das Problem des unkontrollierten Auskreuzens wird auch durch transgenes weisses Straussgras (creeping bentgrass), das auf Golfplätzen angesät wurde, illustriert, da transgene Hybride mit anderen Gräserarten nachgewiesen wurden (6). Dies deutet an, dass wir die Kontrolle über die Transgene schon verloren haben.
    Phythophthora-tolerante Kartoffeln
    Aus meiner Sicht hat BASF zu wenig konsequent auf cisgene Methoden abgestellt, da z.Bsp. Markergene eingesetzt wurden, obwohl dies nicht nötig gewesen wäre.
    Bienen verhungern
    Ich bin nicht sicher, dass Raps und insbesondere Mais für Bienen eine wichtige Nahrungsquelle ist. Falls ja, dann müsste ein anderer Weg beschritten werden, wie zum Beispiel cisgene Pflanzen. Wir sollten uns von der Idee verabschieden, dass wir alles tun können, sondern müssen das Ganze im Auge behalten. Als Beispiel können wir die Automobilität betrachten: Katalysatoren, Geschwindigkeitsvorschriften, Fussgängerzonen und vieles Mehr sind letztlich Kompromisse, die je nach Standpunkt ein Fluch oder Segen sind.
    Terminator-Saatgut
    Apomiktische Pflanzen vermehren sich durch klonale Samenbildung und können vom Bauern selbst weitergezüchtet werden. Es ist also kein Terminator-Saatgut, das eine industrielle Abhängigkeit bewirkt.

  6. torben hoffmeister sagt: 19. Februar 2013

    Die Studie zu der angeblichen embryonenschädigenden Wirkung von Glyphosat wurde durch das BfR insofern berücksichtigt, als das die Frage gestellt wurde, ob die Injektion einer Chemikalie in das Zweizellen-Stadium von Froschembryonen jetzt der neue Standard toxikologischer Untersuchungen werden soll. Mit solchen artifiziellen Bedingungen ist nahezu jede Substanz in Verruf zu bringen.
    Die angebliche unkontrollierte Ausbreitung von Transgenen ist im Unterschied zu den anekdotischen Berichten aus Japan und der Schweiz für Kanada offenbar kein Problem, obwohl hier der Praxisanbau mit gleich drei verschiedenen Resistenzen nur so boomt und nach einem letzten Bericht der Universität von Sasketchewan sogar noch zu bisher nie dagewesenen Exportüberschüssen und zu Einkommenszuwächsen der Farmer führte. Die Realität widerlegt alle hypothetischen Risiken und ein Kontrollverlust existiert vermutlich nur in der europäischen Phantasie.
    Die klonale Vermehrung von Pflanzen führt die Bauern vielleicht nicht in die Abhängigkeit der Saatgutindustrie, dafür aber in die Launen der Natur, die mit Klonen in der Regel kurzen Prozess macht.

  7. Gerhart Ryffel sagt: 21. Februar 2013

    Da irrt das BfR: Die Glyphosphatbehandlung wurde auch durch Zugabe von Roundup zum Zuchtwasser der sich entwickelnden Embryonen gegeben (1). Es ist also gar kein artifizielles System!
    Exportüberschüsse und Einkommenszuwächse der Farmer sind doch nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite sind unter anderem die Kontrollverluste, auf die auch viele kanadische und amerikanische Wissenschaftler aufmerksam machen (Beispiele Referenz 5 und 6).
    Die klonale Vermehrung von Pflanzen hat sich über Jahrhunderte bewährt, zum Beispiel bei der Weinrebe.
    Hier noch die Referenzen, die in meinem Kommentar vom 19. Februar 2013 irrtümlicherweise fehlen:
    1. Paganelli, A., Gnazzo, V., Acosta, H., Lopez, S. L. & Carrasco, A. E. Glyphosate-based herbicides produce teratogenic effects on vertebrates by impairing retinoic acid signaling. Chem. Res. Toxicol. 23, 1586-1595 (2010).
    2. Dallegrave, E. et al. The teratogenic potential of the herbicide glyphosate-Roundup in Wistar rats. Toxicol. Lett. 142, 45-52 (2003).
    3. Nishizawa, T. et al. Monitoring the occurrence of genetically modified oilseed rape growing along a Japanese roadside: 3-year observations. Environ. Biosafety. Res. 8, 33-44 (2009).
    4. Schoenenberger, N. & D’Andrea, L. Surveying the occurrence of subspontaneous glyphosate-tolerant genetically engineered Brassica napus L. (Brassicaceae) along Swiss railways. Environmental Sciences Europe 24, 23 (2012).
    5. Knispel, A. L., McLachlan, S. M., Van Acker, R. C. & Friesen, L. F. Gene flow and multiple herbicide resistance in escaped canola populations. Weed Science 56, 72-80 (2008).
    6. Snow, A. A. Illegal gene flow from transgenic creeping bentgrass: the saga continues. Mol Ecol. 21, 4663-4664 (2012).

  8. torben hoffmeister sagt: 22. Februar 2013

    Zitat aus der Publikation von Carrasco: …„Embryos were injected with 360 or 500 pg of glyphosate (N-(phosphonomethyl) glycin (Sigma 337757) per cell into one or both cells at the 2-cell stage.“…
    Aus gerade einmal zwei Publikationen mit nichtstandardisierten und nicht anerkannten Methoden zur toxikologischen Bewertung einer Substanz ein teratogenes Potenzial ableiten zu wollen, ist schon sehr gewagt, wenn zugleich nationale und internationale Behörden die Relevanz der auf diese Weise erzeugten Daten stark anzweifeln und eine Neubewertung nicht für notwendig erachten.

    Natürlich kommt es zu Auskreuzungen zwischen Raps und zwischen Raps und Rübsen, aber es stand hier die Frage der Unkontrollierbarkeit im Raum und die ist eindeutig zu verneinen:
    http://www.agbioforum.org/v14n1/v14n1a01-smyth.htm
    When asked an open ended question about the top five weeds targeted by weed-control measures, 92% of producers did not mention volunteer canola; the 8% of producers who did mention volunteer canola listed it as their fourth or fifth most problematic weed. When asked specifically about controlling volunteer canola, 35% responded that it required effort to control. One might conclude from this that volunteer canola is viewed mostly as a nuisance and not a major economic drain on their operations, which coincides with the Canola Council of Canada’s 2005 study. These results also support the conclusion by Beckie et al. (2006) that there has been no marked change in volunteer canola as a ‘weed’ as a result of the transition to GMHT systems.

    Der Weinanbau wurde erfolgreich betrieben, bis im 19. Jahrhundert mit dem Einschleppen der Reblaus der Zusammenbruch fast des gesamten Weinanbaus in Europa geschah. Glücklicherweise kam man auf die Idee der Propfung. Dass heutzutage Weinanbau unmöglich ist, ohne viel Aufwand in der Pilzbekämpfung zu betreiben, ist auch eine Folge der klonalen Vermehrung, da ein Züchtungsfortschritt sehr lange braucht.

  9. Gerhart Ryffel sagt: 22. Februar 2013

    In der Arbeit von der Gruppe von Carrasco steht auch: „Treatments were performed from the 2-cell stage with GBH dilutions of 1/3000, 1/4000, and 1/5000 prepared in 0.1× MBS.“ Mit anderen Worten die Behandlung wurde durch Zucht in Glyphosat-haltigem Wasser gemacht oder durch Injektion von Gylphosat. Beide Behandlungsmethoden führten zu vergleichbaren Missbildungen (siehe zum Beispiel Figur 1).
    Aus meiner Sicht zeigt die Auskreuzung bei Raps eine Unkontrollierbarkeit: “We have described a case where a transgene from an HR crop, after being introduced by gene flow into a weedy relative, persisted over a 6-year period in the absence of herbicide selection pressure (with the exception of possible exposure to glyphosate in 2002), and in spite of the fitness cost associated with hybridization” wie in Warwick et al 2008 erwähnt http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17971090?dopt=Citation

  10. torben hoffmeister sagt: 22. Februar 2013

    Stellungnahme der AGES:
    „Der Expositionsweg in der Publikation von Paganelli et al., nämlich Co-Kultivierung von Krallenfroscheiern mit GBH, Injektion von Glyphosat in Krallenfroschembyonen und Injektion von GBH in Hühnereier, ist hoch artifiziell und komplett irrelevant für eine Risikobewertung für den Menschen.“
    http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-sachgebiete/pflanzenschutzmittel/aktuelles/ages-zu-glyphosat/stellungnahme-zu-teratogenen-effekten-von-glyphosat/
    „Die von Deutschland gezogenen Schlussfolgerungen wurden von den anderen Mitgliedsstaaten geteilt, was im Legislation Meeting am 23.11.2010 erneut bestätigt wurde.“
    Ich denke, damit sollten wir das Thema beenden.

    Wenn jede Auskreuzung eines Transgens bei Raps und der per PCR mögliche Nachweis einer „Persistenz“ des Gens ein Hinweis für die „Unkontrolliertheit“ ist, was ist dann die Auskreuzung der gleichen Eigenschaft, nämlich Herbizidtoleranz, die auf dem Wege der chemischen Mutagenese erzeugt wurde (z.B. Clearfield-Raps) ? Merkwürdigerweise sind bei den z.B. in den USA auftretenden resistenten Unkräutern gegen Glyphosat nicht Wildraps oder damit kreuzbare Arten das Problem, sondern nicht verwandte Arten, die über andere Mechanismen als die Auskreuzung zur Toleranz gelangt sind. Übrigens ein alltägliches Phänomen in der Landwirtschaft ob mit oder ohne GVO. Von der Unkontrolliertheit einer Auskreuzung kann also im Praxisbetrieb keine Rede sein.

  11. Gerhart Ryffel sagt: 24. Februar 2013

    Die Annahme des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist nicht korrekt, dass die „Co-Kultivierung von Krallenfroscheiern mit GBH“ hoch artifiziell sei. Es ist der natürliche Wege wie GBH (Roundup) mit Froscheiern in Kontakt kommt, nämlich Roundup im Teichwasser. Dies zeigt eine nicht zu vernachlässigende negative Wirkung von Glyphosphat auf die Amphibienpopulation, wie sie mehrfach beschrieben wurde (siehe zum Beispiel http://www.traveldoctoronline.net/the-toxicity-of-roundup-original-max-to-13-species-of-larval-amphibians-MTk0MDU3ODM=.htm) . Diesen Effekt sollten wir vermeiden.
    Da die regulatorischen Prozesse der Embryonalentwicklung bei Wirbeltieren sehr konserviert sind (auch die Regulation durch Retinsäure), ist es wahrscheinlich, dass die entsprechenden Prozesse auch beim Menschen beeinträchtigt werden können. Harte Daten gibt es aber dazu nicht. Aber Glyphosat kann im Blut von Menschen in Spuren nachgewiesen werden http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0890623811000566 .
    Ich stimme überein, dass Herbizidtoleranz, die durch chemische Mutagenese erzeugt wird, auch keinen nachhaltigen Ansatz darstellt.
    Ich bin nicht sicher, ob die nicht-verwandten resistenten Unkräuter, die sicher primär den Landwirt stören, die ausgekreuzten Arten überdecken, die langfristig ein Problem darstellen können.

  12. Craig Phillips sagt: 25. Juni 2013

    Die Folge einer jahrelangen kontinuierlichen Verwendung von ein und demselben Herbizid ist zwangsläufig die Bildung von Resistenzen bei Unkräutern. Dasselbe gilt für Insektizide. Nach anhaltender, regelmässiger Anwendung eines einzelnen Mittels können die Zielorganismen Resistenzen entwickeln. Daher war es zu erwarten, dass in Feldern, wo Jahr für Jahr Glyphosat- und Bt-Pflanzen angebaut werden, früher oder später gegen die Wirkstoffe unempfindliche Unkräuter und Schadinsekten auftreten. Internationale Monitoringdaten zeigen, dass bisher etwa 20 Unkrautarten gegen den Wirkstoff Glyphosat resistent geworden sind. Der Umstand, dass auch auf Feldern ohne transgene Nutzpflanzen herbizidresistente Unkräuter gefunden wurden, veranschaulicht, dass das Auftreten von resistenten Unkräutern nur indirekt auf den Anbau von transgenen Pflanzen als solchen zurückzuführen ist.

  13. Gerhart Ryffel sagt: 26. Juni 2013

    Ich stimme der Meinung von Craig Phillips voll zu. Da aber der Einsatz von Herbiziden auch einen negativen Einfluss auf Tiere (möglicherweise auch den Menschen) hat, sollten aus meiner Sicht Pflanzen nicht so genverändert werden, dass sie einen Einsatz an Herbiziden bedingen.

  14. Hoffmeister sagt: 4. Juli 2013

    Wie wäre es denn mal, auch auf die Vorteile der Einführung von transgenen herbizidtoleranten und Bt-Pflanzen einzugehen und wie bei jeder Technologiefolgenabschätzung eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiken vorzunehmen. Aber das scheint in Deutschland und Europa mit dem alles beherrschenden Vorsorgeprinzip nicht mehr möglich. Fragen wir doch mal den Praktiker, der die Erfahrung machen durfte:
    http://thegazette.com/2013/06/30/gmos-and-science-will-heal-the-earth/

  15. Jochen B. sagt: 4. Juli 2013

    Das würde mich jetzt interessieren, wie man eine Pflanze gentechnisch so beeinflussen kann, dass sie den Einsatz von Herbiziden nur durch ihre spezifischen Eigenschaften bedingt. Daraus schließe ich, dass sie anders garnicht kultivierbar wäre. Man lernt nie aus. Herr Ryffel, weihen Sie mich in die Hintergründe dieser revolutionären Neuigkeiten ein.

  16. Gerhart Ryffel sagt: 5. Juli 2013

    Zu Hoffmeister:
    Der Praktiker ist nur eine Seite. Er schätzt Herbizide, weil dies die Arbeit erleichtert. Er bedenkt aber leider nicht die Folgen. Das Beispiel mit Roundup zeigt doch auch die negativen Auswirkungen: Glyphosat im Urin vieler Menschen. Dies hat in Europa möglicherweise mit der Gentechnik nichts zu tun, da es auch in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt wird. Meines Erachtens ist aber eine grüne Gentechnik, die den Einsatz von Herbiziden bedingt, keine kluge Strategie. Dies trifft umso mehr zu, als mittlerweile vermehrt herbizidresistente Unkräuter entstanden sind. Wir sollten daher Wege beschreiten, die die Vorteile der grünen Gentechnik nutzen, aber möglichst keine Nachteile haben. Biogene Pflanzen könnten einen solchen Weg darstellen.
    Zu Jochen B:
    Ich habe kein Zaubermittel, sondern schlage vor, keine genveränderte Pflanzen herzustellen, die den Einsatz von Herbiziden bedingen (siehe meinen Text). Dies sollte natürlich auch für die klassische Züchtung gelten. Neue Resultate aus Italien zeigen, dass Herbizidresistenz leicht innerhalb weniger Jahre von Kulturreis auf Wildreis übertragen werden kann:
    http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1438-8677.2012.00570.x/suppinfo
    In diesem Fall, in dem die Resistenz durch Mutagenese eingeführt wurde (Clearfield Technologie von BASF mit Imidazolinon), scheint das Auskreuzen der Resistenz auf Wildreis besonders rasch zu erfolgen, da das Herbizid den Wildreis als Unkraut bekämpfen soll.

Kommentieren