Naturschutz, Gentechnik und “moderne Grüne”

Baum

8. Januar 2013 | von: Gerd Spelsberg

In einer fulminanten, sehr persönlichen Rede auf der Oxford Farming Conference hat sich der britische Umweltaktivist und Buchautor Mark Lynas dafür entschuldigt, „viele Jahre damit verbracht zu haben, Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen zu zerstören“ und „eine wichtige technologische Innovation zu dämonisieren“. Das Echo vor allem im englischsprachigen Raum war riesig. Doch ganz so überraschend ist Lynas' spektakuläre Kehrtwende nicht. In den USA und auch in Großbritannien hat sich eine neue Denkweise im Natur- und Umweltschutz entwickelt, die zunehmend an Boden gewinnt und der die tiefe, für die deutsche Umweltbewegung charakteristische Unversöhnlichkeit von (neuen) Technologien und Natur fremd ist. … Mehr 

Gentechnikfreie Regionen: Werbung mit Selbstverständlichkeiten

Gentechnikfreie Regionen

13. Oktober 2012 | von: Gerd Spelsberg

Der grüne Landwirtschaftsminister Alexander Bonde ist stolz: Nach mehreren anderen Bundesländern ist nun auch Baden-Württemberg dem Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen beigetreten. Im Haus der Geschichte in Stuttgart unterzeichnete er feierlich die Beitrittsurkunde und setzte damit ein „deutliches Signal gegen Agro-Gentechnik  und für sichere Lebensmittel“. Aber – und dazu schweigen sich alle offiziellen Verlautbarungen aus: Was ändert sich in Baden-Württemberg mit diesem Akt? Was ist jetzt nicht mehr möglich, was vorher möglich war? Nichts, nicht das geringste. Baden-Württemberg ist ja nicht das erste Bundesland, auch Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und das Saarland haben sich schon gentechnikfrei erklärt. Die Presseabteilungen verkaufen das… Mehr 

Gentechnik-Kennzeichnung: Bis zum letzten Molekül?

Kennzeichnung Tomatenpürree

10. September 2012 | von: Gerd Spelsberg

In ihrer „Erfurter Erklärung“  fordert das europäische Netzwerk „gentechnik-freier Regionen“, dem sich auch Thüringen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen angeschlossen haben, eine „umfassende, einheitliche“ Kennzeichnungspflicht. Die drei Bundesländer - Bayern will sich noch anschließen - wollen eine entsprechende Gesetzesinitiative in den Bundesrat einbringen. Was genau unter einer „umfassenden“ Kennzeichnung zu verstehen ist, sagt weder die Erfurter Erklärung, noch die Presserklärungen der drei Landesregierungen. Aus gutem Grund: Mit der plakativen Forderung können sich die Landesminister entschlossen für „Wahlfreiheit“ und die Interessen der Verbraucher einsetzen, ohne genau sagen zu müssen, wie sie sich das vorstellen und wie sie es politisch durchsetzen wollen. Klar… Mehr 

Das Dilemma der Kennzeichnung. Warum das “Recht zu wissen” zur Dämonisierung der Gentechnik führt

gmo-tomato-label

15. August 2012 | von: Gerd Spelsberg

Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln - das ist  unsexy, langweilig und so was von selbstverständlich. Niemand, selbst die großen Konzerne und Biotechnologie-Verbände nicht, kann es sich leisten, eine Abschaffung der Kennzeichnung zu fordern. Eher geht die Tendenz in die andere Richtung: Alle Ausnahmen und Lücken sollten gestopft werden. In den USA ist das noch anders. Dort gibt es bisher keine Kennzeichnungspflicht, allenfalls sind Hinweise vorgeschrieben, wenn ein Produkt - durch Gentechnik und welche Technologie auch immer - veränderte Eigenschaften aufweist. Das könnte sich bald ändern. Denn in Kalifornien stehen am 4. November nicht nur Barack Obama oder Mitt Romney… Mehr 

Kuh-Gene im Weizen. Von Monstern und Mischwesen

Kuh-Gene im Weizen

11. Juni 2012 | von: Gerd Spelsberg

Ein Mischwesen aus Kuh und Brot – das ist das Markenzeichen der Kampagne der englischen Anti-Gentech-Gruppe Take the flour back gegen den Freilandversuch mit gentechnisch verändertem Weizen am Rothamsted Research Institut. In den Weizen wurde ein Gen aus Minze eingeführt, das für einen „natürlichen“ Duftstoff zur Abwehr von Läusen codiert. Doch nicht etwa die Minze wird im Logo der Kritiker mit Weizen vermischt, sondern eine Kuh mit dem Grundnahrungsmittel Brot. Kuh-Gene im Weizen – das lässt schaudern und spricht mehr als alle Argumente das diffuse emotionale Unbehagen an, das offenbar viele gegenüber der Gentechnik empfinden. Im Fall des Rothamsted-Weizens… Mehr 

Geschlossenes System und freie Natur. Oder: Die Wandlungen der Gentechnik-Kritik

Biohazard

22. Mai 2012 | von: Gerd Spelsberg

Bei der Gentechnik – oder besser: bei der Nutzung gentechnisch veränderter Organismen – scheint es, als gebe es  zwei völlig verschiedene Welten: Rote und weiße Gentechnik bleiben im „geschlossenen System“ und sind daher beherrschbar. Grüne Gentechnik findet dagegen in der „freien Natur“ statt. Einmal in die Umwelt freigesetzt sind gentechnisch veränderte Pflanzen nicht mehr zu kontrollieren und vor allem nicht rückholbar. Die eine ist „gut“ und wird weitgehend akzeptiert, die andere „böse“ und trifft in der Gesellschaft auf eine breite, zuweilen leidenschaftliche Ablehnung. Aktionsgruppen, Umwelt- und Verbraucherverbände, ja sogar Unternehmen bedienen sich des Gegensatzes  von „geschlossenem System“ und „freier Natur“,… Mehr