“Gen-Alarm” bei Greenpeace

24. Mai 2010 | von:

Zuckerrübe01

Es muss sie wirklich geben: Gute Gene und schlechte Gene.

Anders kann man sich nicht vorstellen, warum Greenpeace aktuell titelt “Hershey Schokoriegel: Gen-Alarm!“. Offensichtlich müssen da schlechte Gene am Werk sein. Und das ausgerechnet in so etwas Unschuldigem wie Schokoriegel, des Kindes liebstem Zuckerwerk. Und tatsächlich: Greenpeace hält fest, dass in diesen Schokoriegeln Zucker aus Zuckerrüben drin ist. Aber nicht irgendwelchen Rüben, sondern gentechnisch veränderten Rüben, die in den USA seit drei Jahren angebaut werden dürfen und dort mittlerweile einen Marktanteil von 95% erreicht haben. Die Farmer haben diese Zuckerrübe in also kürzester Zeit angenommen.

Warum ist das so, und was ist daran so schlimm?

Der Grund für die rasche Annahme dieser Rübe ist einfach. Muss man im konventionellen Zuckerrübenanbau doch rigoros gegen Unkräuter vorgehen, um ausreichende Erträge zu gewährleisten. Welche Mittel dabei in welchen Mengen zum Einsatz kommen, kann man bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nachlesen.

Ein Landwirt setzt, je nach vorkommenden Unkräutern und deren Dichte eine Mischung verschiedener Mittel ein, und das mehrmals in der Saison. Das alles ist mit Arbeitsaufwand verbunden und bedeutet eine nicht unerhebliche Belastung der Umwelt mit allerlei herbiziden Wirkstoffen.

Das alles ändert die gentechnisch veränderte Zuckerrübe mit einer Resistenz gegenüber Glyphosat. Glyphosat ist ein herbizider Wirkstoff, der gegen viele Unkräuter wirkt, sowohl gegen Gräser als auch gegen andere Pflanzen. Die Zuckerrübe ist nun gegenüber dem Glyphosat resistent, so dass es auch dann noch auf dem Rübenfeld angewendet werden kann, wenn die Rübe schon aufgelaufen ist. Damit ist eine Unkrautbekämpfung vereinfacht: zeitlich flexibler, nur ein einziges Mittel, bei nur einer oder vielleicht zwei Aufwendungen.

Das erspart dem Anbauer Zeit, Geld, Ressourcen, und vermindert die Belastung der Umwelt (und des Anwenders) mit Herbiziden. Alles gute Gründe für die Landwirte, die gentechnisch veränderte Zuckerrübe anzubauen. Was sie ja nun auch auf fast der gesamten Anbaufläche tun.

Greenpeace schreibt nun in seiner Meldung:

Zucker ist ein wichtiger Rohstoff bei unserer Lebensmittelproduktion und insbesondere bei Süßigkeiten eine der Hauptzutaten, hier hat die Gentechnik nichts verloren, weiß Hissting.

Die Gefahren von genmanipulierten Lebensmitteln auf die menschliche Gesundheit sind bisher noch nicht ausreichend erforscht. Der Anbau von genetisch veränderten Zuckerrüben gefährdet zudem die Umwelt sowie die herkömmliche und ökologische Landwirtschaft.

Es wird also vornehmlich auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen des Konsums der Schokoriegel angespielt. Doch wo sollten die herkommen? Wer sich einmal eine Zuckerfabrik von innen angeschaut hat (da, wo ich herkomme, ist das ein Pflichttermin einer jeden Grundschulklasse) weiss, dass mit der Rübe allerlei Dinge gemacht werden, bevor der raffinierte Zucker als Endprodukt in der Papiertüte landet.

Da sind mit Sicherheit keine Gene mehr drin, DNA in funktionsfähigen Stücken also. Vielleicht lassen sich noch Bruchteile von DNA nachweisen, aber selbst das ist unbedeutend, schließlich konsumieren wir täglich jede Menge DNA (vor allem im Salat und bei Rohkost). Das Gen für die Glyphosatresistenz kommt aus der Natur, und jedes Kind, das mal Erde gegessen hat, hat es schonmal aufgenommen.

Der Zucker aus der GV-Zuckerrübe ist identisch mit dem aus der konventionellen Rübe. Hier gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass von diesem Zucker andere Risiken ausgehen. Risiken von Zucker umfassen: Karies, Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen.

Der andere Punkt, auf den Greenpeace abzielt, ist ein möglicher Genfluss von der Zuckerrübe auf andere Pflanzen oder andere Zuckerrüben – insbesondere solche, die “ökologisch” angebaut werden.

Dazu gibt es mehrere Dinge zu sagen: zum einen, dass Genfluss ganz natürlicherweise stattfindet. Die konventionell und die ökologisch angebauten Rüben kreuzen jedes Jahr mit Wildpflanzen, Wildrübenpopulationen und anderen Rübenbeständen aus, ohne dass ein Hahn danach krähen würde. Genfluss ist ein natürlicher Prozess und bei Zuckerrüben wurden dazu Anfang der 90er bis in die 2000er hinein grundlegende wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt. Alle Pflanzen, die zu Kulturpflanzen kreuzungsnah verwandt sind, werden seit Jahrtausenden von den von uns konventionell und anderswie gezüchteten Pflanzen per Genfluss beeinflusst. Das ist eine logische und natürliche Folge der Landwirtschaft und ist per se nicht schlecht. Die einzige Möglichkeit, dies auszuschließen wäre, Landwirtschaft einfach einzustellen…

Aber das will Greenpeace nicht, sondern nur die konventionelle Landwirtschaft. Nicht aber die “ökologische”, die angeblich so viel besser ist. Das ist Greenpeace eigentliche Agenda.

Warum Greenpeace dabei nicht gegen den Anbau von konventionell gezüchteten Herbizid-toleranten Pflanzen protestiert (Stichwort “Clearfield” der BASF) bleibt schleierhaft. Denn hier findet genauso Auskreuzung statt, mit denselben Konsequenzen. Und auch die Folgen der veränderten Unkrautbekämpfung sind hier gleich.

Aber Greenpeace hat sich dem Kampf gegen die Grüne Gentechnik verschrieben, weil es so schön plakativ ist. Mit Sinn und Verstand hat es absolut überhaupt nichts zu tun.

Es gibt sie also einfach doch: die schlechten Gene.

Kommentare

  1. Kritiker sagt: 27. Mai 2010

    Sehr geehrter Herr Rauschen,
    sie haben trotz Ihrer offensichtlich guten Ausbildung etwas grundlegendes nicht verstanden. Der Mensch entscheidet nicht immer rational, er ist kein Vulkanier. Der Mensch hat Gefühle und somit gibt es Menschen die sich mit Gentechnik (wie Sie offensichtlich) wohlfühlen und es gibt wiederum andere die sich damit überhaupt nicht wohl fühlen.

    Was an dem von Greenpeace aufgedecktem Fall so schlimm ist? Nun ja es wurde den Konsumenten die Wahlfreiheit genommen, die in der EU Verordnung 1829 und 1830 durch die Kennzeichnungsregelung definiert ist.
    Sie sehen es geht hier also im Grunde gar nicht einmal um gute oder schlechte Gene, sondern um die Einhaltung von Gesetzen.

    Warum aber haben so viele Menschen ein Problem mit der Gentechnik? Weil sie Wissenschaftlern und Konzernen nicht mehr trauen! Asbest wurde seinerzeit hoch gelobt und überall verbaut. 30 Jahre später stellt man fest es ist krebserregend. Wollen Sie persönlich garantieren, dass erzwungene Genveränderungen durch den Menschen niemals nicht irgendwelche Langzeitfolgen haben könnten? Vielleicht argumentieren Sie darauf auch dass wir heute auf einem wissenschaftlich viel höheren Stand sind als damals. Nur sind wir das nicht vielleicht auch in 30 Jahren ab heute?
    Die Menschen sind misstrauisch, weil sie nicht zu letzt von Konzernen oft genug nur ausgebeutet und abgefischt und betrogen wurden und Sie Herr Rauschen erwarten nun das alle diesen Konzernen blind vertrauen sollen?
    Wachen Sie auf! Es ist ihr gutes Recht misstrauisch zu sein und aufgrund dessen z.B. die Gentechnik abzulehenen. Natürlich gibt es Gegner die mit “unlauteren” Mitteln und falschen Behauptungen gegen die Gentechnik kämpfen. Aber solche Personen gibt es auch auf der anderen Seite, nur sind die manchmal etwas subtiler am Werke.

    Sie müssen das Grundsätzlichste am Menschen kapieren und verstehen lernen. Der Mensch will Wahlfreiheit um sich nach den für ihn selbst wichtigen Kriterien entscheiden zu können. Deswegen gibt es nicht nur rote sondern auch grüne Äpfel zu kaufen, deswegen gibt es für Frauen Schuhe in millionenfach verschiedenen Farben und Stilen. Weil sie wählen können.

    Auch Sie Herr Rauschen können wählen. Sie können sich jeden Tag neu entscheiden ganz auf Basis Ihrer Prinzipien.

  2. Manniblau sagt: 27. Mai 2010

    @ Kritiker:
    Der Mensch will Wahlfreiheit um sich nach den für ihn selbst wichtigen Kriterien entscheiden zu können.

    Aber genau diese Wahlfreiheit lassen doch Greenpeace + Co nicht zu! Der Reese’s-Regel von Hershey enthält Zutaten aus gv-Pflanzen, die in der EU zugelassen sind. Er ist korrekt gekennzeichnet. Und nun wird Druck auf den Handel ausgeübt, bis der Riegel aus den Regalen genommen wird. Wo bleibt die Wahlfreiheit?

    Es gibt möglicherweise auch Menschen, für die es persönlich wichtig ist, dass gv-Zuckerrüben angebaut werden, da sie weitaus weniger Pflanzenschutzmittel benötigen als konventionelle Rüben. Also noch einmal, ihr Kritiker: Ihr beruft Euch auf die Wahlfreiheit, aber tatsächlich bekämpft ihr sie.

  3. Kritiker sagt: 27. Mai 2010

    Entschuldigung da habe ich doch glatt den Hershey Riegel mit den Nestlé Riegeln aus den Meldungen gestern verwechselt.

  4. Biotech-Student sagt: 23. Juni 2010

    Ich muss zugeben, dass Greenpeace zuweilen eine recht unwissenschaftliche Haltung an den Tag legt und diese durch nicht haltbare Vorwürfe zementiert. Dennoch geht es den vielen GMO-Gegner_inn_en im Wesentlichen um eines: Kritische Folgenabschätzung, wie es die verantwortliche Wissenschaft schon seit jeher verlangt.
    Im Fall der Zuckerrübe stimme ich zu, dass gesundheitliche Folgen, allein aufgrund der Abwesenheit jeglicher tatsächlicher Kontamination im Endprodukt wohl weitestgehend ausgeschlossen werden können. Doch diese Vermutung sollte in (mind.) einer Studie validiert werden.
    Ich bin mir sicher jede_r hat schon einmal vom komplexen Zulassungsverfahren für Arzneimittel gehört – mit der Hauptgrund, warum die Pharmabranche eine der investitionsintensivsten ist: Bis zu einem zugelassenen Medikament werden Millionen ausgeben, trotzdem sind die Umsätze riesig, so auch die Profite.
    Das zeigt, dass “überstrukturierte” (Zitat BASF) Zulassungsverfahren nicht wissenschaftshemmend sind und wohl auch mittelständischen Unternehmen erlauben ihrer Arbeit nachzugehen! Wie mit der roten sollte es auch mit der grünen Gentechnik stehen: Ein GMO darf erst angebaut werden, sobald eine genügende Anzahl an Labor- und erst anschließenden (geschützten) Freilandversuchen die Grundlage für einen sicheren Ausschluss jeglicher Folgen für Gesundheit und Umwelt ist!
    Wie oft haben Menschen schon in Ökosysteme eingegriffen und wesentliche Teile davon zerstört? Derart unüberlegte Schritte sind heute – gerade aufgrund des hohen Informationsstandes der Wissenschaft – unverantwortlich. Wieso sollten wir mit Agrogentechnik anders umgehen als mit Labormedizin? Wer gibt mittleren bis großen Biotech-Unternehmen das Recht ihre Gewinnmargen auf Kosten unserer Gesundheit und der ökologischen Integrität zu erhöhen? Das große Problem der grünen Gentechnik ist, sobald eingesetzt, gibt es kein zurück mehr!
    Beispiel Amflora: Selbst ohne große Studien (wer sollte die denn auch freiwillig ohne juristische Verpflichtung bezahlen – BASF sicher nicht; die Steuerzahler_inn_en etwa?) ist der wissenschaftlichen Welt heute schon klar, dass diese mit gentechnisch völlig veralteten Methoden entwickelte Kartoffel ein Risiko darstellt. Die eingefügten Antibiotika-Resistenzgene könnten sich auf Krankheitserreger übertragen und damit erfolgreiche Therapien beim Menschen wesentlich erschweren. Das Problem ist, dass wir nur eine begrenzte Anzahl an wirksamen Antibiotika kennen (von Translationshemmern bis hin zu Zellwandzerstörern) und jede Resistenz gegen eines dieser (teils enorm wichtigen) Antibiotika auf Dauer unsere Fähigkeit bestimmte Krankheiten zu heilen ENORM einschränkt. Wer also ernsthaft FÜR den Anbau von Amflora ist, kann (skrupelloser Weise) nur an den Gewinnen von BASF interessiert sein.
    Nocheinmal: Die Vorteile von GMOs im Allgemeinen, dieser Zuckerrübe im Speziellen in allen Ehren, aber solange keine _umfassende_ Folgenabschätzung auf (Gesundheit und) Umwelt stattgefunden hat, ist ein Anbau in der “freien Natur” unverantwortlich. Kein ökonomischer Spargrund rechtfertigt den verantwortlungslosen Umgang mit der Natur – unser einzigen Ressource. Wer zieht denn ernsthaft in Betracht unsere Lebensgrundlage zu zerstören? Kurzfristige Gewinninteressen können über die Ernsthaftigkeit dieses Arguments hinwegtäuschen. In der jetzigen Form möchte ich keine Gentechnik auf meinem Teller, denn 1. kann ich gesundheitliche und Umwelt-Folgen nur selten (und dann auch nur vermutungsweise) ausschließen und 2. kann ich die Unterstützung der Gentech-Industrie in ihrer jetzigen Form nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

  5. Stefan Rauschen sagt: 23. Juni 2010

    “…ist der wissenschaftlichen Welt heute schon klar, dass diese mit gentechnisch völlig veralteten Methoden entwickelte Kartoffel ein Risiko darstellt. Die eingefügten Antibiotika-Resistenzgene könnten sich auf Krankheitserreger übertragen und damit erfolgreiche Therapien beim Menschen wesentlich erschweren.”

    Der “wissenschaftlichen Welt” ist klar, dass der höchst unwahrscheinliche Transfer von DNA auf Bakterien, oder hier genauer des nptII Gens von der Amflora auf Bakterien, keinen Beitrag zur Verbreitung und Anreicherung der Kanamycin-Resistenz in Bakterien leistet!
    In einem Interview mit Kollegin Kornelia Smalla http://www.biosicherheit.de/archiv/325.entscheidend-selektionsdruck.html stellt diese klar fest, was wissenschaftlich bekannt ist:

    1. nptII ist weit bei Bakterien verbreitet und kann zwischen diesen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit ausgetauscht werden.
    2. der horizontale Gentransfer von Pflanzen auf Bakterien ist höchst unwahrscheinlich.

    Man siehe auch: http://www.efsa.europa.eu/de/scdocs/doc/742.pdf

    Stefan

  6. Stevie wonders sagt: 24. Juni 2010

    Herr Rauschen,

    ich finde ja auch, dass die Stimmungsmache von Greenpeace gegen Gentechnik populistisches Kalkül ist. Praktisch jeder ist dagegen, man kann sich schön der allgemeinen Anti-Globalisierungrhetorik bedienen und im Kampf David gegen Goliath mit dem Image des Underdog gut Spenden werben.

    Auf der anderen Seite gibt es keinen Grund die Roundup (Glyphosat)-Resistenz als der Weisheit letzter Schluss in der Reduktion von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft zu verkaufen.

    Leider sind die Zulassungsverfahren ja tatsächlich so teuer und überfrachtet, weil keine Risikoa sondern eine Technologie bezogene Zulassung geschieht. Damit wird verhindert, dass sinnvolle Variationen in der Nutzung von Herbiziden seit Jahren in den USA unterbleiben.
    Auch die Zulassung neuer Herbizide ist praktisch unmöglich geworden, sodass seit nunmehr 25 Jahren Glyphosate praktisch flächendeckend versprüht werden.

    Dass dabei erst so wenige Resistenzen etnstanden sind ist erstaunlcih, sicherlcih keien Folge der Gentechnik sondern eine Folge irrationaler Politik und unreflektierter Stimmungsmache der Umweltschutzorganisationen.

    Was fehlt ist ein rationaler, wissenschaftsbasierter Zugang zum Thema Lebensmittel und Nahrungsmittelproduktion, und eine Abkehr vom Bild der Landwirtschaft, das uns von Werbung, Greenpeace und Politik immer vorgespiegelt wird. In Europa ist die Nahrungsmittelproduktion der grösste und mit den höchsten Subventionen versehene Industriezweig. Wenn wir mit offenen Augen über die Autobahn fahren würden, wüssten wir das auch, aber wir wollen es nicht wahrhaben.

  7. André de Kathen sagt: 2. August 2010

    Eine Anmerkung zum Biotech-Studenten.
    Beim Vergleich zwischen Nahrungsmittel und Medikament sollte nicht übersehen werden:
    1.das Medikament bedarf einer Indikation
    2. das Medikament wird nur an einen bestimmten Personenkreis verabreicht
    3. die Verabreichung erfolgt in der Regel unter ärztlicher Aufsicht
    4. die Verabreichung ist sowohl in der Menge wie auch über die Zeit begrenzt
    5. das Medikament muss eine definierte Wirkung unter diesen Umständen haben.
    Ein vergleichbares Zulassungsverfahren kann es kaum geben, weil ja schon die Wirkhypothese auszuschließen ist. Was muss man eigentlich tun? Man muss eigentlich die Unwirksamkeit eines “Medikamentes” nachweisen, egal in welcher Menge und über welchen Zeitraum es von wem und mit was auch immer konsumiert wird.
    Wie schon gesagt wurde – Auslöser für das Verfahren ist die Technologie, nicht das Risiko. Das ist bei Medikamenten anders.

    Und schließlich -und das finde ich peinlich für einen Studenten, gleich welcher Fachrichtung- jegliche Folgen lassen sich p.d. nicht ausschließen. Die Falsifizierbarkeit -auch einer Wirk- Hypothese ist immer gegeben.
    Und auch der “Student” sei daran erinnert: die Gentechnik ist in der Welt…auf 130 Millionen ha in diesem Jahr…und sie ist -so oder so- auch Teil der Nahrungsmittelproduktion. Ohne gesundheitliche Folgen. Und das Gewissen ist eine persönliche, keine kollektive Sache.
    André de Kathen

  8. Torsten Hentsch sagt: 1. Dezember 2010

    In einem Punkt muss ich dem Autor wiedersprechen. Die Clearfield-Technologie der BASF stellt für Anbauer ein höheres Risko dar als Glyphosat-resistente Kulturpflanzen. Warum? Nun, Glyphosat wird bisher nur als Totalherbizid vor der Saat (Pflanzung) bzw. zur Sikkation (Vorerntebehandlung) von Kulturpflanzen eingesetzt. Glyphosat-resistente Kulturpflanzen, die dann als Unkraut auftreten, könnten dann nicht mehr mit Glyphosat bekämpft werden. Es gibt aber noch genügent andere umweltfreundliche Herbizide, die dieses Problem lösen könnten. Anders sieht es mit der Clearfield-Technologie aus. Dort wurde auf konventionellem Weg ein Resistenzgen gegen Imidazolinon eingebaut. Dies bewirkt z.B. die Bekämpfung von schwer kontollierbaren Unkräuter (z.B. Kreuzblüter) im Raps. Imidazolinon gehört zur Gruppe der ALS-Hemmer (HRAC-Klasse:B). Diese Wirkgruppe ist derzeit die innovativste und verbreitetste Wirkgruppe im Ackerbau. Clearfield-Ausfallraps könnte dann nicht mehr mit dieser Gruppe bekämpft werden. Dies hat enorme Veränderungen im Herbizideinsatz im Getreide, Rüben und Mais zur Folge. Dann kann diese Gruppe mit meist sehr geringer Aufwandmenge und meist umweltfreundlichen Potenzial nicht mehr effektiv gegen Raps eingesetzt werden. Ausfallraps ist eines der wichtigsten Unkräuter in der modernen Landwirtschaft.

  9. Torsten Hentsch sagt: 1. Dezember 2010

    Einen freundlichen Gruß an den Biotech-Studenten,

    das kapitalistische Wirtschaftssystem beruht darauf, dass “Gentech-Konzerne” und alle anderen auch Geld aus ihren Technologien und ihrer Arbeit ziehen. Was ist daran unmoralisch?

  10. Stefan Rauschen sagt: 1. Dezember 2010

    Torsten schrieb: “In einem Punkt muss ich dem Autor wiedersprechen. Die Clearfield-Technologie der BASF stellt für Anbauer ein höheres Risko dar als Glyphosat-resistente Kulturpflanzen.”

    Widerspruch nehme ich gerne an, ganz besonders dann, wenn er meinen eigentlichen Punkt sogar verstärkt. Danke für die Info!
    Das macht das Argument natürlich noch schlagkräftiger, wenn man sieht, dass die Auswirkungen konventionell gezüchteter Pflanzen sogar gravierender sein können, als die der gentechnisch veränderten. Und trotzdem wird nichts gemacht – keine Risikoabschätzung, keine Begleitung, keine Transparenz, kein Monitoring. Man bekommt nichtmal verlässliche Zahlen dazu, auf wieviel Fläche diese Pflanzen angebaut werden – geschweige denn, wo…

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