Das Dilemma der Kennzeichnung. Warum das “Recht zu wissen” zur Dämonisierung der Gentechnik führt

15. August 2012 | von:

gmo-tomato-label

Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln – das ist  unsexy, langweilig und so was von selbstverständlich. Niemand, selbst die großen Konzerne und Biotechnologie-Verbände nicht, kann es sich leisten, eine Abschaffung der Kennzeichnung zu fordern. Eher geht die Tendenz in die andere Richtung: Alle Ausnahmen und Lücken sollten gestopft werden.

In den USA ist das noch anders. Dort gibt es bisher keine Kennzeichnungspflicht, allenfalls sind Hinweise vorgeschrieben, wenn ein Produkt – durch Gentechnik und welche Technologie auch immer – veränderte Eigenschaften aufweist. Das könnte sich bald ändern. Denn in Kalifornien stehen am 4. November nicht nur Barack Obama oder Mitt Romney zur Wahl, sondern auch die Kennzeichnung  für Genfood. Prop 37 heißt der Gesetzesvorschlag, den fast eine Million Unterschriften auf den Stimmzettel gehievt haben. (Dass es da viel mehr Ausnahmen geben soll als in Europa ist an dieser Stelle unerheblich.)

Ganz plötzlich ist das ein heißes öffentliches Thema. Inzwischen laufen die Kampagnen dazu auf vollen Touren: Die Fronten sind klar: Für Prop 37 sind zahlreiche Unternehmen und Verbände aus der Organic Food-Branche (und die Demokratische Partei in Kalifornien), dagegen die großen Agro- und Lebensmittelkonzerne (und die Republikanische Partei). Und inzwischen sind auch die David-Goliath-Rollen richtig verteilt:  Die Pro-Seite – für die Kennzeichnung – hat bisher knapp 3 Millionen US-$ eingesammelt, die Contra-Seite 12 Millionen.

So weit so gut. In Europa regt das niemanden auf. Die Amerikaner müssen nun nachholen, was jedem Verbraucher als „gutes Recht“ zusteht. Gegen die eingängige, überzeugende Forderung nach Right to know lässt sich kaum etwas sagen. Oder doch?

Viele Wissenschaftler tun es. In Videos, Interviews, Blogpost, Unterschriftensammlungen sprechen sie sich  gegen die Kennzeichnung aus. Ihr Motiv ist es nicht, den Konsumenten Informationen vorzuenthalten, sondern, wie es der Evolutionsbiologe Michael Eisen von der University of California in Berkely  ausdrückt, der War on science. Wie die Pflanzenpathologin Pamela Ronald, der Agrarökonom David Zilberman oder der Gartenbauwissenschafler Kevin M. Folta ist Eisen verärgert, dass die Pro-Label-Kampagne nicht nur die Gentechnik, sondern eine molekularbiologisch ausgerichtete Pflanzenforschung an den Pranger stellt. Da werde eine Wissenschaft diskreditiert, auf die man angesichts der großen Herausforderungen einer nachhaltigen, ressourcenschonenden Landwirtschaft nicht verzichten könne.

Die Right to know-Forderung wäre belanglos, wenn sie nicht zu einer Wahl zwischen gut und böse hochstilisiert würde. Denn bisher hat sich in den USA kaum jemand um Gentechnik beim Essen geschert – in einem Land, wo gentechnisch veränderte Pflanzen auf hunderten Millionen Hektar angebaut und seit 15 Jahren bisher weitgehend klaglos verfüttert und verspeist werden. Und so ist in der schrillen Propaganda der Pro-Label-Kampagne Genfood so ziemlich an allem Schuld: Es macht dick und unfruchtbar, verursacht Krebs, Allergien und alle möglichen Krankheiten. Wer diese Horrorszenarien nicht teilt und sich dabei auf seriöse wissenschaftliche Studien beruft, dem wird unterstellt im Dienste von Monsanto und Co zu stehen. „Kann man nicht zwischen den Geschäftspraktiken eines Konzerns und der Wissenschaft unterscheiden?“, beschwert sich Kevin Folta in der Huffington Post.

Niemand würde sich um die Kennzeichnung scheren, wenn „ohne Gentechnik“ so etwas Ähnliches wäre wie koscher, halal oder vegan – kulturell gewachsene Nahrungstabus oder Ernährungsweisen, die man als private Grundeinstellung respektiert wie den Glauben, ohne diesen vom eigenen Standpunkt aus zu bewerten oder infrage zu stellen.

Was sich jetzt in den USA abzeichnet, war in Europa ähnlich. Mitte der 1990er Jahre wollte der damalige EU-Binnenmarktkommissar Martin Bangemann (FDP) gentechnisch veränderte Lebensmittel nur dann kennzeichnen, wenn als Folge dieses technischen Eingriffs die stoffliche Zusammensetzung eines Produkts substanziell verändert worden wäre. Bangemann und die Kommission scheiterten und in mehreren Schritten wurde dann die Idee einer produktorientierten Kennzeichnung in eine technologieorientierte umgewandelt wie sie noch heute besteht. Im Kern (und abgesehen von den zahlreichen Ausnahmen) ist jede Anwendung der Gentechnik zu kennzeichnen, auch wenn sie im Produkt stofflich nicht mehr nachweisbar ist.

Gedacht war Kennzeichnung ursprünglich als „neutrale“ Information, doch inzwischen wird sie ausschließlich als Warnhinweis verstanden. Viele haben das gefördert: Gentechnik-Gegner, die so lange vor Supermärkten demonstrieren, bis korrekt gekennzeichnet Produkte aus den Regalen genommen werden, Unternehmen, die auf Druck von Verbänden versprechen, alle kennzeichnungspflichtigen Produkte auszulisten und das endlose Spiel mit Studien, aus denen sich vage Hinweise auf Gesundheitsrisiken herausdestillieren lassen. Man stelle sich vor, Juden würden mit solchen Methoden die Lebensmittelhändler  zwingen, alle nicht-koscheren Produkte auszulisten.

Es scheint unausweichlich: Kennzeichnung wird in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um Gentechnik zwangsläufig zu einem Warnhinweis. Niemand kauft, was schlecht oder gefährlich sein könnte.

Cara Santa Maria (Huffington Post), Talk nerdy to me
Genetically Modified Food: ‘The Controversy Is Really Curious To Scientists’ (with Kevin M. Folta)

 

 

Kommentare

  1. Gerd Spelsberg sagt: 16. August 2012

    In den letzten Tagen hat sich die Kasse der Contra-Prop 37-Seite (also gegen eine Kennzeichnungspflicht) weiter gefüllt. Monsanto und weitere Gr0ße haben eingezahlt. 28 Mio US-$ sind jetzt beisammen. Man darf gespannt sein, wie das ausgeht….
    http://www.kcet.org/news/ballotbrief/elections2012/propositions/prop-37-funding-genetically-engineered-food.html

  2. Michael sagt: 17. August 2012

    Kann man das Video so einbinden, dass es nicht sofort losplärrt und auch wieder zu stoppen ist? Danke.

  3. Gerd Spelsberg sagt: 17. August 2012

    Das ist der Einbetten-Code, wie er von Huffington Post angeboten wird. (Ich kann das Video ganz normal starten und stoppen.)

  4. Kevin sagt: 17. August 2012

    Ich verstehe das grundlegende Problem bzw. die Ängste der Gentechnik-Befürworter, welches sie beschreiben. Ich habe aber keinerlei Verständnis, wenn diese Befürchtungen genutzt werden um ein “Recht auf Wissen” zu verweigern. Das finde ich nicht nur ignorant, sondern äußerst unverschämt und fragwürdig!
    Wieder einmal wird sich vor einen nötigen Diskurs gedrückt und auch möglichen Überlegungen, wie sinnvoll Agro-Gentechnik zumindest in dem jetzigen Stadium ist. Aber gut, dass ist scheinbar keine neue Erscheinung in der Branche. Vielleicht sollten Sie sich eher mal fragen, warum die angeblich überzeugenden Argumente letztlich bei einer breiten Mehrheit nicht zu überzeugen mögen.
    Ich kann diese Ignoranz und Aroganz auf Seiten der überzeugten Pro-Biotech-Wissenschaftler echt nicht mehr hören und dann neigt man auch noch dazu sich in einer Opferrolle zu sehen… Da fällt mir echt nichts mehr ein! Also ganz ehrlich, da muss man sich echt nicht wundern, dass einem nicht mehr geglaubt wird…

  5. torben hoffmeister sagt: 17. August 2012

    Vor dem nötigen Diskurs wurde sich nie gedrückt. Es gab unzählige runde Tische, fast schon unüberschaubare Informationsangebote, Forschungsvorhaben der EU und des BMBF zu Sicherheitsfragen mit über 200 Mio. Euro Ausgaben (mit dem amtlich festgestellten Ergebnis, dass transgene Züchtung nicht mehr Risiken birgt als konventionelle) mit dem Ergebnis, dass fachliche Gesichtspunkte immer weniger eine Rolle spielten, sondern immer mehr ideologisiert wurde. Der im Video gezeigte Kevin Folta hat es in anderem Zusammenhang auf den Punkt gebracht: Maybe it simply points out that the scientific and intellectual arguments against genetic alterations are not the real concerns– they are just strawmen for the actual political, business or social agendas. The science of transgenics is a convenient place to cultivate misunderstanding and fear.
    Und an der Aufrechterhaltung von Agenden und Mythen haben bestimmte Interessengruppen mit großem medialen Einfluss ein sehr großes Interesse.
    Als jemand der die ganze Diskussion seit fast 20 Jahren verfolgt und deren Ergebnisse zur Kenntnis nehmen muss (Anbau weltweit, in Europa ist das Thema verbrannte Erde), geht es mir wie meinem Vorposter, nur anders herum: Ich kann diese Ignoranz und Arroganz auf Seiten der überzeugten Anti-Gentechnik-Campaigner echt nicht mehr hören. Da fällt mir echt nichts mehr ein! Also ganz ehrlich, da muss man sich echt nicht wundern, dass die Wissenschaft und Wirtschaft bei diesem Thema das Weite suchen.

  6. torben hoffmeister sagt: 17. August 2012

    P.S. Übrigens gab es das Ansinnen der derzeitigen deutschen Regierung dem Recht auf Wissen allumfassend zum Durchbruch zu verhelfen und alles zu kennzeichnen, was irgendwie mit Gentechnik in Berührung kam. Es wurde von den Kritikern und auf EU-Ebene abgelehnt. Und das aus Sicht der Kritiker aus gutem Grund: Würden doch dann ca. 70 % aller Lebensmittel das Label “mit Gentechnik” tragen. Ein solcher Verbreitungsgrad eignet sich dann natürlich nicht mehr, um eine Technologie zu stigmatisieren und zum Focus von Ängsten und eigener Agenden zu machen.

  7. Kevin sagt: 17. August 2012

    @torben
    Und das genau ist der Punkt. Sie verweisen auf Runde Tische, vermeintliche Studien und Unbedenklichkeiten und reden damit am allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs völlig vorbei. Sie ignorieren damit Ängste, aber auch berechtigte Einwände, Risiken und sozio-ökonomische Faktoren. Sie werden so nie die gesellschaftliche Debatte gewinnen, nie überzeugend argumentieren… und mögen die entsprechenden staatlichen Stellen noch soviel Geld in diese Technologie stecken. Die Agro-Gentechnik ist in Europa gescheitert, ebenso wie in Deutschland die Atomkraft.
    Sie mögen sich darüber aufregen, aber die Wissenschaft hat es sich in diesem Punkt selbst zuzuschreiben. Überheblichkeit hat noch nie Konflikte gelöst…

  8. Gerd Spelsberg sagt: 17. August 2012

    Aber es gibt nicht “die” Agro-Gentechnik so wie es “die Atomkraft” gibt. Genau das ist doch das Problem: Gentechnik ist bei uns ausschließlich ein negativ gebrauchter politischer “Kampfbegriff,” der alles ablehnt – ganz unterschiedliche Anwendungen (gv-Pflanzen) und verschiedene molekularbiologische Verfahren. Ist denn jede gv-Pflanze, jedes Forschungsprojekt immer und grundsätzlich schlecht, nur weil es der Agro-Gentechnik zugerechnet wird? Und umgekehrt alles gut, wenn dabei am Ende nur kein GVO im Sinne des Gesetzes herauskommt!?
    Ich fände es gut, wenn wir nicht für oder gegen “die” Gentechnik streiten würden, sondern über Möglichkeiten und Grenzen einer Pflanzenforschung mit gentechnischen Verfahren. Und: Dass wir dabei wenigstens versuchen, zwischen Wissenschaft und den Geschäftsgebahren von Konzernen zu unterscheiden.

  9. Kevin sagt: 17. August 2012

    @ Gerd Spelsberg
    Also das müssen Sie mir aber noch mal erklären, schließlich handelt es sich um die Bezeichnung einer bestimmten Technologiesparte. Nicht mehr und nicht weniger. Die Nutzung von Begrifflichkeiten ist im übrigen IMMER problematisch. Der Begriff der “Grünen Gentechnik” ist das beste Beispiel für einen”politischen Kampfbegriff”, immerhin soll dies doch “Umweltfreundlichkeit” suggerieren. Dem gegenüber finde ich den Begriff der Agro-Gentechnik noch am ehsten neutral. Aber dies ist nur meine Meinung. Im übrigen ist der Begriff der Gentechnik überhaupt nicht mehrheitlich negativ besetzt, trotz dass durchaus mal verkürzt nur von der Gentechnik die Rede ist, obwohl man damit die Agro-Gentechnik meint. Die mehrheitliche Ablehnung findet sich ausschließlich in Bezug auf die Agro-Gentechnik und dafür gibt es in der Tat gute Gründe. Einer wäre im übrigen, dass (*Überraschung*) nicht alle Menschen so dumm oder unwissend sind, wie der werte Befürworter es uns immer zu glauben machen versucht.
    Richtig gruselig wird es dann, wenn man behauptet, dass Wissenschaft und Konzernpolitiken ungerechtfertigterweise vermischt würden. Entschuldigen Sie, aber eine solche Äußerung ist gefährlich und letzlich naiv. Demnach wäre auch eine Atombombe ungefährlich, sofern sie in guten Händen ist *fail* Es ist schon erschreckend, wie hier versucht wird fundamentale Faktoren und wesentliche gesellschaftliche Aspekte zu leugnen oder herunterzuspielen.
    1. Jede Technologie birgt immer ein gewissen Risiko. Die Dimension und vorallem gesellschaftlichen Auswirkungen können aber total unterschiedlich ausfallen.
    2. Hinter jeder Technologie stecken wirtschaftliche Interessen. So funktioniert nun mal unser ökonomisches System.
    3. Das bedeutet, jede Technologie wird also auch zwangsläufig versucht von bestimmten Interessensgruppen genutzt oder gar instrumentalisiert zu werden.
    Gleichwohl möchte ich anmerken, dass es mir wohl entgangen sein muss, dass es jemals einen großen und öffentlichen Aufschrei über die teils zweifelhaften Geschäfsgebaren einiger Saatgutkonzerne seitens renommierter Biotech-Wissenschaftler gab.

    Sehen Sie, die Situation ist doch im Prinzip ganz einfach: Nicht die Umweltorganisationen haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, sondern die Agro-Gentechnik-Befürworter. Glaubwürdigkeit erhält man letzlich immer noch in der regel durch ehrliches und nachvollziehbares Verhalten und Verlässlichkeit… Das aber nur am Rande. Einen schönen Abend noch!

  10. Gerd Spelsberg sagt: 17. August 2012

    @Kevin

    Ich hänge nicht am Begriff “Grüne Gentechnik”, ist auch nicht von mir oder der Industrie eingeführt worden, sondern – ich glaube von der damaligen Enquete-Kommission des Bundestages – in Abgrenzung zur Roten, Weißen, Grauen und Blauen Gentechnik. Und dass die gesellschaftliche Ablehnung sich nur auf die Agro/Grüne-Gentechnik bezieht, ist eine relativ neue Entwicklung. Noch vor ein paar Jahren lehnten Grüne und Umweltverbände die Rote bzw. Weiße Gentechnik grundsätzlich ab. Mit denselben Argumenten wie heute die Agro-Gentechnik. Ich habe dazu schon mal gebloggt:
    http://www.gute-gene-schlechte-gene.de/gentechnik-im-geschlossenen-system/

    Was Sie zur Technologien sagen ist so allgemein, dass es immer richtig ist. Aber noch mal konkret: Herbizidresistente Pflanzen mit Gentechnik ist schlecht, wegen Umweltrisiken, Monokulturen, Patente, Abhängigkeit von Konzernen usw. Aber: Herbizidresistente Pflanzen “ohne Gentechnik” (aber mit anderen molekularbiologischen Verfahren erzeugt) sind offenbar gut. Zumindest ist das kein Thema für Gentechnik-Kritiker. Dabei sind die Probleme dieselben wie bei Konzepten mit Gentechnik.
    Will sagen: Wir sollten nicht über die Technologie streiten (der Vergleich mit der Atomkraft, erst recht mit der Atombombe hinkt gewaltig), sondern über Probleme und mit welchen Strategien/Technologien sie am besten zu lösen sind. Und wer der Meinung ist, gentechnische Verfahren sollten grundsätzlich aus diesem Wettbewerb um die besten Lösungen ausgeschlossen werden, sollte das begründen.

  11. Kevin sagt: 17. August 2012

    Ich würde eher behaupten, dass die entsprechende detailierte Expertise im Bereich der anderen Segmente größtenteils fehlt und man sich damals vermutlichst auf die risikoreichste / bedenklichste Sparte konzentriert hat. Die unmittelbare Freisetzung birgt nun mal unbestreitbar das potentiell höchste Umweltrisiko.
    Gleichwohl gibt es durchaus auch kritische Kampagnen zu anderen Bereichen der Gentechnik. Siehe beispielsweise die themenfelder des Umweltinstituts München. Ihr verlinkter Artikel kann ich gerne bei Gelegenheit nochmal kommentieren.

    Ich kenne übrigens keine Umweltorganisation, die sich für Herbizidresistente Pflanzen ausspricht, ganz im Gegenteil wurde dieses Prinzip schon immer (m.E. zu Recht) massiv kritisiert. Nun war es bisher eine ausschließliche Eigenschaft von genmanipulierten Pflanzen. Dass es nun seit kurzem auch mit “konventionellen” Züchtungsmethoden möglich ist, macht diese Kritik nicht bedeutungsloser.
    Ganz im Gegenteil: Es ist doch gerade zu bezeichnend, welchen grundsätzlich falschen Weg die Agro-Gentechnik eingeschlagen hat. Da werden keine Wunderpflanzen vertickert, sondern Pflanzen, die entweder ihr eigenes Insektengift (unkontrolliert und permanent) produzieren oder gegen Totalherbizide resistent sind (womit ausnahmslos alles vernichten werden sollen).
    Also ehrlich, ökologisch betrachtet kann ich da beim besten Willen keinen Fortschritt oder gar Vorzug erkennen. Ich weiß nicht, ich finde dies in Anbetracht der Jahre und enormen Gelder (die bisher geflossen sind) irgendwie ernüchternd.
    Verstehen Sie mich nicht falsch, aber in Anbetracht dessen, erscheint es mir seltsam, warum man nicht auch verstärkt andere Lösungswege ins Blickfeld nimmt und die Erfolge bei “konventionellen” Züchtungsmethoden zeigen ja durchaus, dass dies auch möglich ist. Das heißt natürlich auch nicht, dass diese Resultate “gut” oder gar “besser” sind.

    Die Ressourcen von NGOs sind nun mal vor allem personell begrenzt und somit findet immer eine Auswahl und Fokussierung auf (vermeintliche) Umweltproblematiken statt. Kritische

  12. Kevin sagt: 17. August 2012

    Hups, zu früh abgeschickt…
    Ein Vergleich hinkt irgendwo immer, aber in dem Fall nicht grundsätzlich. Warum?
    Atomkraft: Was wurde damals auch von der Wissenschaft versprochen: Sichere, billige und fast unbegrenzte Energie. Alles nachlesbar. Resultat: Das Risiko wurde massiv unterschätzt, ebenso die Endlagerproblematik. Bei letzterem hat die Wissenschaft sogar fulminant versagt!!!
    Hinzu kommt der Aspekt, dass es im Prinzip unmöglich ist eine zivile Nutzung von einer militärischen Nutzung zu trennen.
    Was ich weiter mit der Atombombe andeuten wollte: Die Technologie an sich mag fazinierend sein, ihr Einsatz war aber verheerend und vernichtend tödlich. Dennoch halten einige Staaten an dieser Technologie fest. Abstruse Begründung: zur Sicherheit. Anderen Staaten mit solchen Waffen sind dann aber plötzlich eine massive Bedrohung. Ist nun nur der jeweilige Staat böse oder ist es nicht letzlich so, dass der Technologie insgesamt ein zutiefst zerstörische Kraft inne wohnt…

    Und nochmal: Gerne würde ich einen Wettbewerb der verschiedenen Lösungswege begrüßen, doch (a) ist ein solcher doch gar nicht annähernd vorhanden. Schauen Sie sich doch mal die Forschungsgeldflüsse an und (b) kommt man irgendwann immer zu einem Punkt, indem man sagen muss: Die Technologie ist nicht überzeugend, weil sie keine erfolgsversprechenden Ergebnisse produziert… und da wären wir wieder beim Vergleich:
    Statt die öffentlichen Gelder auf die Transformation / Energiewende zu fokussieren und damit in riskoarme und bezahlbare Technologien zu stecken, klammern sich die Atombefürworter an irgendwelche mordsteuren Forschungsreaktoren. Tut mir Leid, aber irgendwann muss man auch mal Prioritäten setzen!

  13. Pfiffig sagt: 18. August 2012

    @Kevin,
    Wo ist der Unterschied zwischen “alten” Pflanzensorten die Resistent gegenüber bestimmten Insekten und oder Bakterien, Vieren und Pilzen sind und “neuen” Pflanzensorten die auch eine Resistenz aufweisen. Oder was glauben sie wie diese Pflanzen gegenüber diesen zuvor genannten Faktoren sich schützen? Etwa nicht dadurch das z.B. bestimmte Gifte in der Pflanze permanent gebildet werden? Und nein diese Stoffe sind nicht per se für den Menschen ungefährlich. Auch stellt sich mir hier die Frage ob ihnen klar ist das z.B. zugelassene Herbicide in Europa nur deshalb wirksam sind weil die zu schützende Kultur bestimmte Resistenzen gegenüber diesen Mitteln hat?
    Auch falls sie dies wieder als Arrogant bezeichnen, ich bin der Meinung falls sie über bestimmte Themen diskutieren wollen dann sollten sie sich genauer mit der Materie beschäftigen und nicht nur diffuse Gefühle als Argumente aufführen.

  14. David sagt: 18. August 2012

    @ Pfiffig
    Ich empfinde ihren Beitrag nicht als arrogant und freue mich auch über die relativ entspannte Diskussion hier. Aber bitte lesen Sie nochmal meinen Beitrag genau durch, denn das haben Sie entweder nicht getan oder ich habe mich unverständlich ausgedrückt. Denn natürlich gibt es auch in der “konventionnellen” Pflanzenzüchtung durchaus problematische Entwicklungen. Das habe ich nie bestritten und nirgens geleugnet.
    Allerdings werden dort verschiedenste Ansätze verfolgt. In der Agro-Gentechnik ist dies nun mal überhaupt nicht der Fall. Das einzige, was sich bisher vermarkten lässt sind Gen-Pflanzen, die höchst problematische Eigenschaften besitzen und zwar (A) die zweifelhafte Eigenschaft, permanent und unkontrolliert ihr eigenes Insektengift zuproduziert und / oder (b) die gegen super agressive Herbizide ressitent sind (zugleich verknüpft der jeweilige Konzern den Saatgutverkauf mit dem passenden Komplementärherbizid)… Tut mir Leid: Wenn ein Wissenschaftler aus diesen Fachgebiet diese Problematik nicht zu sehen meint, macht es diesen nicht unbedingt glaubwürdiger… Manchmal scheint es mir, als sei dort jegliche kritische Distanz zum Forschungsgegenstand verloren gegangen.

  15. Kevin sagt: 18. August 2012

    Und David ist übrigens gleich Kevin. Nur damit keine Verwirrung entsteht. Mein Fehler, aber so ist das wenn man normalerweise unterschiedliche Psydeunome nutzt.

  16. Peter Langelüddeke sagt: 19. August 2012

    @ Kevin
    Sie sind sehr schnell in der Be- oder besser: Verurteilung bestimmter Pflanzen:
    (a) die zweifelhafte Eigenschaft, permanent und unkontrolliert ihr eigenes Insektengift zuproduziert und / oder
    (b) (b) die gegen super aggressive Herbizide resistent sind (zugleich verknüpft der jeweilige Konzern den Saatgutverkauf mit dem passenden Komplementärherbizid)

    Bei (a) übersehen Sie, dass diese Pflanzen nur giftig sind für bestimmte Insekten, also im konkreten Fall für bestimmte Schmetterlingsraupen, die an diesen Pflanzen knabbern. Da wird gerne mit dem Begriff „Gift“ argumentiert. Weil der so schön Angst einjagt. Dabei wird aber geflissentlich übersehen, dass „Gift“ ein ziemlich dehnbarer Begriff ist. Das in Bt-Mais oder Bt-Baumwolle gespeicherte Gift richtet sich gegen klar definierte und erreichbare Ziel-Organismen. Würden diese Ziel-Organismen konventionell mit Insektiziden bekämpft, wären zahllose Nicht-Ziel-Organismen betroffen. Die haben aber beim Anbau der Bt-Pflanzen eine klare Überlebenschance. Ich verstehe nicht was daran verkehrt sein soll. Nur die Methode, mit der diese Pflanzen gezüchtet wurden?

    Bei (b) übersehen Sie, dass all die Kulturen, in denen jetzt Roundup-Ready-Sorten angebaut werden, also Soja, Mais, Baumwolle, Raps oder Zuckerrübe, vor Einführung dieser Sorten grundsätzlich flächendeckend mit Herbiziden behandelt wurden. Die Farmer mussten, je nachdem welchen Unkrautarten vorkamen oder vorherrschten, Produkte mit passenden Wirkstoffen aussuchen. Oder sie haben Kombinationsprodukte verwendet oder sich selbst passende Cocktails gemischt. Auch dabei war das klare Ziel, Pflanzen, die mit der Kulturpflanze um Nährstoffe, Wasser und Licht konkurrieren, möglichst frühzeitig auszuschalten und dabei die Kulturpflanze nach Möglichkeit zu schonen. Dass das Produkt Roundup oder sein Wirkstoff Glyphosat ein extrem breites Spektrum unerwünschter Pflanzen abdeckt, erleichtert dem Landwirt die Arbeit ungemein. In kritischen Regionen stellte sich auch noch ein Vorteil heraus, der so schwer vorhersehbar war, nämlich die Chance, auf tiefgehende Bodenbearbeitung zu verzichten. Weil man Unkräuter nicht mehr unterpflügen muss. Folge: Geringerer Arbeitsaufwand, weniger Energieverbrauch und Verhinderung oder Verringerung von Erosion. Der Vorteil dieses Einsatzes von glyphosat-resistenten Pflanzen sollte nicht übersehen werden. Auf der anderen Seite wurden vor allem in den Anfangsjahren diese neuen Möglichkeiten ein bißchen sehr großzügig genutzt, was dazu geführt hat, dass mehrere Unkrautarten resistent gegen Glyphosat wurden. Davor war beizeiten, aber leider erfolglos gewarnt worden. – Wir hatten hier schon mal eine intensive Diskussion zum Thema resistente Unkräuter (Auf der Suche nach den Superunkräutern, 29.03.2011). Im übrigen gibt es natürlich massenweise Resistenzen gegen alle möglichen Herbizide, leicht zu finden unter http://www.weedscience.org. Falls Sie dort Glyphosat-Resistenzen suchen: Die sind unter „glycines“ zu finden.
    Ich komme noch einmal auf Herrn Spelsbergs Kommentar vom 17.08. zurück. In der Tat hatten sich in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages (1984 – 1987) die Fraktionen von CDU/CSU, SPD und FDP grundsätzlich über Chancen und Risiken der Gentechnik geeinigt. Nur die Grünen waren grundsätzlich dagegen gewesen. Noch 1997 lehnten sie jede Anwendung gentechnischer Methoden, gleich in welchem Anwendungsgebiet, radikal ab (http://www.aerzteblatt.de/studieren/archiv/8321/Berliner-Kongress-von-Buendnis-90-Die-Gruenen-Gentechnik-stoppen-Alternativen-foerdern?src=search). Irgendwann mussten aber auch die Radikalsten einsehen, dass sie ihre Haltung revidieren mussten. Deshalb wird heute Gentechnik in der Medizin und in der industriellen Herstellung mehr oder weniger akzeptiert. Beleg für die Haltung der Grünen war das Verhalten des ersten Grünen-Ministers Joseph Martin Fischer in Wiesbaden ab 1985, der die Inbetriebnahme der Insulin-Anlage der Hoechst AG jahrelang erfolgreich blockierte. Als dann die schwarz-gelbe Koalition von 1987 bis 1991 versuchte, die Anlage zu genehmigen, ging es vor dem Verwaltungsgericht weiter. Da konnte man als aufrechter Grüner ja nicht einfach den bösen Konzern gewähren lassen. Denn es war ja nicht auszuschließen, dass die manipulierten Kolibakterien den Weg aus der Anlage herausfanden und die ganze Rhein-Main-Region verseuchten. In der Zwischenzeit war die Konkurrenz, die Firmen Eli-Lilly (USA) und Novo-Nordisk (Dänemark) längst am Markt. Welcher Schaden in der Hoechst AG durch entgangenen Gewinn und welcher Schaden dem Fiskus durch entgangene Steuereinnahmen entstanden war, lässt sich leider nicht feststellen. Von den Grünen und insbesondere von dem erwähnten Herrn Fischer habe ich noch nie ein Wort des Bedauerns wegen ihrer damaligen Obstruktionen gehört.

    Zum Schluss noch einmal ein Streiflicht zur Diskussionskultur. Ich hatte die von der SPD—Bundstagsfraktion ausgelöste Diskussion zum Thema Unkräuter erwähnt. Zwei niedersächsischen Genetik-Professoren war es nach einigen Mühen gelungen, einen der Sprecher der SPD-Fraktion zu treffen – eben zu dem Thema „Superunkräuter“. Mir erzählten beide später, dass der Abgeordnete von der Sache keine Ahnung gehabt hätte, den beiden Wissenschaftlern aber erklärt habe, er hasse den Ausdruck „Grüne Gentechnik“. Denn mit „Grün“ verbänden die Menschen etwas Positives, mit „Gentechnik“ dagegen etwas Negatives. Da ist dann wohl die Frage erlaubt, wie eine Verständigung möglich sein kann.

  17. Kevin sagt: 20. August 2012

    @ Peter Langelüddeke
    Schnell? Die Pflanzen mit solchen Eigenschaften gibt es nun mal schon ne ganze Weile und ebenso durchaus kritische Einschätzungen dazu. Ich sehe es daher nicht als Verurteilung, sondern als eine legitime Positionierung meinerseits!
    Zu (a) Der bt-Mais MON810 ist u.a. in Deutschland verboten worden, weil u.a. eben nicht nur die eigentlichen Zielorganismen geschädigt wurden. Zudem ist es ja wohl ein entscheidender Unterschied, wenn ich ein “Gift” permanent an die Umwelt abgegeben wird oder nur dann eingesetzt wird, wenn es wirklich nötig ist!
    Und über die Begrifflichkeiten “Gift” und “Pflanzenschutzmittel” können wir uns wieder herrlich streiten. Sie werden aber einsehen müssen, dass beide Begrifflichkeiten bestimmte Interessen beinhalten. Sie sollten sich davon lösen, zu suggieren die Nutzung von Sprache / Wörtern wäre eine neutrale Angelegenheit. Ebenso wenig können Sie ein Technologie neutral behandeln. Lesen Sie nochmal mein vorheriges Kommentar. Eine solche Einstellung ist zutiefst realitätsfremd, gefährlich und falsch! Hinter jeder Technologie stecken nun mal Interessen. Das bedeutet übrigens keinesfalls, dass dem ein “Schwarz-weiß-Schema” zu Grunde liegen würden. Ganz im Gegenteil gilt es teils komplezierte (gesellschaftliche) Sachverhalte zu berücksichtigen.
    zu (b) Diesbezüglich gibt es recht unterschiedliche Resultate, denen unterschiedliche Bedingungen und Faktoren zu Grunde liegen. Nach meinem Informationsstand ist ihre Aussage daher nicht haltbar!
    Ich betone, sicherlich kann man auch Vorteile in dieser Eigenschaft finden. Dies ist nicht der Punkt, doch eine Bewertung kann und darf nur auf den Gesamtkontext beruhen!
    U.a. die Folge der Ressistenzbildung stellt ein ernsthaftes Problem dar, welches wohl anscheinend teilsweise dazu geführt hat, dass mehr und / oder härtere Spritzmittel verwendet werden mussten. Die sozi-ökonomische Dimension ist übrigens besonders brutal, weil es insbesondere die Landwirte hart trifft, die auf alternative Methoden gesetzt haben.
    Ich verstehe zudem nicht, warum einem von Befürworter bei kritischen Anmerkungen immer sogleich Unwissen unterstellt wird. Ich habe nirgendwo behauptet, dass Resisstenzbildung unnatürlich sei. Entscheidend ist doch hier wieder, die Dimension! … Es mag in dem Punkt nicht weniger belehrend klingen, aber dies sind grundlegende Inhalte einer jeden Risikobewertung!!!
    Zu Parteienpolitik äußere ich mich übrigens nicht. Das ist nochmal ein kompleziertes Terrain für sich und ihre Darstellung ist daher auch nur unzureichend und einseitig. Ganz so einfach ist es nämlich nicht…

    Ebenso verhält es sich mit ihrem letzten Absatz zur Diskussionskultur. Abgesehen davon, dass mich interessieren würde, wer diese werten niedersächsischen Genetik-Professoren waren, ist es eine einseitige Darstellung aus Sichtweise der Gen-Befürworter. Ich frage mich daher auch schon seit langem, inwiefern eine Verständigung möglich ist. Beide Seiten tun sich in nichts nach.
    Allerdings sei eines noch erwähnt. Das fehlen von detailiertes Fachwissen würde ich keinem Politiker pauschal vorwerfen – außer es ist sein Hauptbetätigungsfeld. Den ersteres gehört m.E. zu Aufgabe der Wissenschaft. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung muss aber in der Politik und Gesellschaft statt finden. Hierfür bedarf es keineswegs hochinformierter Bürger, sondern lediglich verlässliche Informationen auf denen sich ein jeder seine eigene Meinung bilden kann.
    Alles andere ist nun mal nicht leistbar.

  18. pfiffig sagt: 21. August 2012

    @Kevin od. David
    Ich habe sie schon richtig verstanden, doch sie haben mich nicht verstanden. Denn ich meinte nicht nur neue Züchtungen sondern auch die alten Pflanzenzüchtungen und da gab und gibt es Probleme mit entsprechenden “Gifte” produziert durch die Pflanzen zur Schadorganismenabwehr.
    Wenn Pflanzen gegenüber Krankheiten/Schädlingen eine hohe Resistenz aufweisen, dann beruht dies in den meisten Fällen darauf das diese “Gifte” für die entsprechenden Schadorganismen ausbilden. D.h. die von vielen NGOs geforderten “alten und resistenten” Sorten produzieren auch immer “Gifte”.
    Bsp. Solanin, in den letzten 80 Jahren wurde der Gehalt dieses Giftes massiv durch Züchtung gesenkt. Hierdurch ist es erst möglich geworden die “gesunde” Schale mitzuessen.
    Die Folge ist das die Kartoffeln nicht mehr so tolerant gegenüber Fäulniseregern sind. Auch sind resistente Sorten nicht so ertragreich, da ein Teil der Energie immer für die Produktion der “Gifte” verwendet wird. Dies war schon immer so und wird auch immer so sein.
    Die Züchtung von resistenten Sorten ist daher immer – egal durch welche Methode – eine Gratwanderung.
    Mit Hilfe neuer molerkulargenetischer Methoden kann man jedoch gezielter entsprechende Toleranzen/Resistenzen reinzüchten.

    Auch Herbizide funktionieren nur, weil bestimmte Pflanzen eine höhere Toleranz/Resistenz gegenüber Herbizide aufweisen. Dies ist keine neue Erfindung sondern wurde/wird schon mindestens seit 80 Jahren so betrieben.

    Technologien müssen im übrigen neutral betrachtet werden. Dies nennt man Risikoanalyse und davon haben sie meines Erachtens keine Ahnung.
    Die Resistenzbildung bei Glyphosat ist überhaupt kein Problem für Landwirte die auf alternativen Methoden gesetzt haben. Die reistenten Bikäuter/Gräser mutieren dabei nicht zu Kulturpflanzen fressenden Monsterpflanzen sondern sie sind schlicht und einfach gegenüber diesem Mittel resistent. Dies müssen jedoch die Pflanzen durch fitness costs bezahlen und können deshalb durch andere Herbizide uU leichter bekämpft werden.
    Desweiteren muss vermehrt auf ein Resistenzmanagment geachtet werden und diese sollten sich auch an die empfohlene Ausbringmengen halten (vorallem letzter Punkt führte in den USA in manchen Gebieten zu einer Resistenzbildung)
    Auch die BT-Pflanzen haben bisher viele Vorteile für die nicht Anwender bei den Landwirten gebracht – Stichwort herd immunity – d. h. Schadorganisemdruck sinkt auch auf den Feldern der Landwirte welche sich für eine andere wirtschaftsweise entschieden haben. Jedoch muss auch hier ein vernünftiges Resistenzmanagment erfolgen und dies geschieht auch häuifg.
    Dies sind weitere Dinge (und viele mehr)n die in Risikoanalysen einfließen sind ihnen offentsichtlich nicht bekannt und deshalb klingt es nach meiner Meinung nur Arogant hier in diesem Blog Fachleute im Risikomanagment unterweisen zu wollen.
    Verlässliche Information gibt es schon min. seit dem trangen.de und biosicherheit.de im www sich befindet.
    Doch der “informierte” Bürger muss dies auch lesen (und verstehen) wollen und wenn er dies nicht will/kann, dann hat er meines erachtens kein Anspruch darauf gehört zu werden – denn Glauben, auch nicht an eine NGO-Religion, ist keine Grundlage zur Technologiebeurteilung.

    P.s. Es gibt auch weitere GMO-Pflanzen ausser BT und RR- Pflanzen. Vielleicht doch mal ausserhalb von NGOs sich darüber informieren.

  19. torben hoffmeister sagt: 21. August 2012

    Die Diskussion um die grüne Gentechnik ist zu einer Spielwiese verkommen, auf der Kevins, Davids und NGO`s ihre Allgemeinplätze, Vorurteile und Ideologien kultivieren können. Weil die Wertschöpfung durch Gentechnik auf diesem Gebiet und die Interessen zur Anwendung noch vergleichsweise gering sind, meint man zu glauben, sich eine Risikodiskussion zu leisten, die Nutzenaspekte außen vor lässt. An Informationen zu dem Thema mangelt es nicht, sondern wie pfiffig richtig feststellt an der Bereitschaft deren Existenz zunächst zu akzeptieren und dann auch anzueignen. Bei solchen immer wieder hervorgebrachten Allgemeinplätzen wie „Ich würde eher behaupten, dass die entsprechende detailierte Expertise im Bereich der anderen Segmente größtenteils fehlt“ oder „Es ist doch gerade zu bezeichnend, welchen grundsätzlich falschen Weg die Agro-Gentechnik eingeschlagen hat.“ ist zu befürchten, dass das mantra-artig wiederholte, einmal gefasste Weltbild die Auseinandersetzung mit dem Informationsangebot nicht zulässt. Ich denke man ist an einem Punkt angelangt, wo man nicht mehr diskutieren möchte, sondern sagt: Das sind die Fakten, akzeptiert sie oder auch nicht, handelt danach oder auch nicht. Ganz unabhängig davon wird sich die Gentechnik auch auf diesem Gebiet durchsetzen, wenn die Vorteile überwiegen. Und in vielen Gegenden außerhalb Europas ist das offenbar bereits geschehen.

  20. Kevin sagt: 21. August 2012

    @ torben hoffmeister
    Ich sehe die Sachlichkeit ist endgültig zu Ende. Schade, für mich ist damit auch der Austausch beendet. Ich werde daher ihre “Spielwiese” verlassen. Es hat eh keinen Zweck. Sie scheinen ja noch nicht mal ansatzweise zu akzeptieren, dass es eine andere begründete Positionierung geben kann und darf. Mir war von anfang an klar, dass wir niemals auf einen gemeinsamen Nenner kommen würden. Dazu habe ich auch ein anderes Ziel von einer nachhaltigen Landwirtschaft vor Augen. Ich wollte viel eher nur mal einen Versuch zur Reflektion starten und zwar ebenso meinerseits. Aber gut Sie scheinen mich, meinen Wissensdurst und meinen Informationsstand besser zu kennen als ich Sie kenne. Seltsam, aber nunja…. Schönen abend noch!

  21. Stefan Rauschen sagt: 21. August 2012

    Kevin schrieb: “Dazu habe ich auch ein anderes Ziel von einer nachhaltigen Landwirtschaft vor Augen.”

    Genau da liegt der Hund ja begraben. Mal davon abgesehen, dass die Diskussion darüber was “nachhaltige Landwirtschaft” ist, und wie sie aussehen soll, gänzlich unabhängig von der GVO Diskussion zuerst geführt werden müsste, mal die Frage:

    Inwiefern stehen GVO einer “nachhaltigen Landwirtschaft” grundsätzlich entgegen?

  22. torben hoffmeister sagt: 21. August 2012

    Kevin:
    Das ist ja das Problem, dass Ihr Wissensdurst nur die Informationen zulässt, die Ihrem Ziel von einer nachhaltigen Landwirtschaft entsprechen. Und dazu gehört Gentechnik per se nicht. Da helfen dann auch alle Fakten zu positiven sozioökonomischen Effekten von Bt-Baumwolle in Schwellenländern (Quaim et al.), zu Insektizideinsparungen durch den Anbau von Bt-Pflanzen oder zur pfluglosen, bodenschonenden Bearbeitung durch den Anbau von HT-Pflanzen oder zum insgesamt zunehmenden weltweiten Anbau nichts. Sind die Mio. Bauern alle so blöd, dass sie bei den von Ihnen hier geschilderten verheerenden Auswirkungen trotzdem etwas machen, was sie wirtschaftlich und ihren wichtigsten Produktionsfaktor Boden ruiniert ? Aber Sie ziehen sich dann auf das angebliche Unverständnis eines Gesamtkontextes zurück.
    Das ist dann der Punkt, an dem die Diskussionen zu dem Thema immer auf die gleiche Art und Weise enden. Sie ziehen sich mit dem Vorwand der verlorenen Sachlichkeit beleidigt zurück. Den anderen muten Sie aber Belehrungen zu, arrogant und realitätsfremd zu sein, den Gesamtkontext nicht zu verstehen oder die Prinzipien einer Risikobewertung nicht zu beherrschen. Schönen abend noch

  23. pfiffig sagt: 21. August 2012

    @Kevin/David
    Die Befürworter der Gentechnik als wertvolles Instrument der Pflanzenzüchtung haben meiner Meinung nach keine Probleme wenn man diese Methode aus religiösen Gründen ablehnt.
    Doch wenn man hier in diesem Blog meint seine Ablehnung mit nicht halbaren wissenschaftlichen Aussagen oder mit einem Unwissen in der Risikoanalyse begründen zu wollen dann erleitet man halt Schiffbruch. Ad hominem Argumente zum Abschluss einer Diskussion lassen jedoch mehr Rückschlüsse auf sie und ihre Argumente zu als ihnen lieb sein dürfte.
    In diesem Sinne einen schönen Abend noch.

  24. Kevin sagt: 21. August 2012

    @ torben hoffmeister
    Falsch! Ich habe lediglich starke Zweifel und Bedenken geäußert und lehne daher die Gentechnik in ihrer jetzigen Form und Zielsetzung ab. Sie hingegen gründen ihre Befürwortung auf fiktiven Möglichkeiten und absurden Erwartungen, die zumindest bisher nirgendwie eindeutige bestätigt wurden. Dabei blenden sie entscheidene (vor allem gesellschaftliche) Faktoren aus – und dies halte ich, mit Verlaub, daher für gefährlich und unrelfektiert – denn kritische Worte z.B. zu möglichen Auswirkungen von Patenten auf Lebewesen o.ä. hört man ebenso wenig von Ihnen. Gleichwohl sind Sie nicht verlegen Zerrbilder zu erzeugen, wonach vermeintlich viele Bauern die Vorzüge der Gentechnik verstanden hätten. Kein Wort darüber, dass die Flächen mit gvo-Pflanzen weltweit gesehen immer noch verschwindend gering sind und sich ihr Anbau auf wenige Länder konzentriert. Kein Wort darüber, inwiefern die anbauenden Bauern tatsächlich über die Funktionsweise dieser Technologie informiert sind…

    Und damit wären wir bei ihrer Frage @Stefan Rauschen
    Die Agro-Gentechnik steht m.E. einer nachhaltigen Landwirtschaft grundsätzlich engegen, da sie das Prnizip der hochindustrialiserten Landwirtschaft verinnerlicht und sogar noch weiter pervertiert. Es geht dabei hauptsächlich um die Optimierung des ökonomischen Nutzens, in der die Natur letztlich oftmals nur als Störfaktor gesehen wird. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn man sich solch absurde Studien wie von dem Herrn Quaim anschaut. Letzlich wird in solchen Studien versucht, sämtlichen Aspekten und Faktoren einen fiktiven Wert beizumessen.
    Doch der Versuch Gesellschaft und Natur in ökonomische Wertekategorien zu sortieren, ist nicht nur fraglich, sondern gerade zu absurd. Nichts anderes passiert aber auch in der industrialisierten Landwirtschaft. Natürliche Prozesse werden in ökonomische Prozesse übersetzt, Effektivität und Ertrag als Leitwerte bestimmt, die stetige Kapitalakkumulation als eigentliches Ziel formuliert.. Erzeugt wird dabei ein seltsames Bild der Beherrschbarkeit und der vermeintlichen Kontrolle von natürlichen Prozessen durch eine konstruierte Ökonomisierung. Es geht dabei nie wirklich ums Tierwohl, nicht um Hungerbekämpfung oder gar Nachhaltigkeit. Diese Kategorien werden erst dann ein wenig mehr berücksichtigt, wenn es nötig wird, aufkommende moralische / ethische Bedenken entgegenzuwirken (allerdings auch nur zu einem begrenzten Grad). Letztlich ist es aber nur ein Instrument um die Legitimität der öknomischen Ausbeutung zu bewahren. Und natürlich scheint es dann auch irrational dagegen zu agrumentieren, alle Einwände als moralisches Geheule. Doch die vermeintliche Rationalität durch die Ökonomisierung ist ein trügerisches Konstrukt.

  25. torben hoffmeister sagt: 22. August 2012

    Oh je ich habe es befürchtet: Gesellschaftskritik wird hier ausgetragen auf den „Spielwiesen“ der Agro-Gentechnik und industriellen Landwirtschaft. Diese Methode ist nicht dazu geeignet, in einem fachlich und wissenschaftlich ausgerichteten blog einen sinnvollen Beitrag zu leisten oder sich hier weiter bilden zu wollen. Sie beweisen mit Ihrem letzten Beitrag geradezu meine These „Das ist ja das Problem, dass Ihr Wissensdurst nur die Informationen zulässt, die Ihrem Ziel von einer nachhaltigen Landwirtschaft entsprechen.“ Subjektive Wahrnehmung und Filterung von Informationen durch die Brille einer Ideologie, die für sich in Anspruch nimmt moralisch höherwertig zu sein und daher kritikunwürdig.
    „Sie hingegen gründen ihre Befürwortung auf fiktiven Möglichkeiten und absurden Erwartungen, die zumindest bisher nirgendwie eindeutige bestätigt wurden.“ Die Anbauzahlen in Nord- und Südamerika und der Anteil transgener Sorten widerlegen Ihre Unterstellung eines Luftschlosses. „Gleichwohl sind Sie nicht verlegen Zerrbilder zu erzeugen..“ „ .. solch absurde Studien wie von dem Herrn Quaim anschaut..“ usw. usw. Da erübrigt sich jeglicher Kommentare.
    Und jetzt noch eine ganz unangenehme Wahrheit: Sie und Ihresgleichen sind mit dafür verantwortlich, dass die Agro-Gentechnik sich in den Händen weniger Konzerne befindet und die Industrialisierung hier weiter voranschreitet. Warum ? Weil die irrationale Überbetonung von angeblichen Risiken dazu geführt hat, dass inadäquate Regelwerke aufgebaut wurden, deren Anwendung zur Produktrealisierung sich nur kapitalkräftige internationale Konzerne leisten konnten und durch dieses Alleinstellungsmerkmal hohe Profite erzielen. Fragen Sie mal die mittelständischen Züchter in Deutschland. Die würden auch gern Gentechnik anwenden, wenn es denn in einem überschaubaren Zeitraum realisierbar wäre und eine Produktzulassung in Europa nicht locker mal Jahrzehnte in Anspruch nimmt. Mal ganz abgesehen von solchen Projekten wie golden rice oder anderen wichtigen Anliegen in der dritten Welt wie Krankheitsresistenz in Bananen, die regelmäßig durch ideologiegesteuerte besserwissende Campaigner aus der ersten Welt ausgebremst werden. Könnte sich doch dann zeigen, dass die eigene Agenda absurd war. Ganz und gar lächerlich ist die kürzliche Verlautbarung von greenpeace zu einem geplanten Projekt in Uganda: Dirk Zimmermann, Agrar-Campaigner bei Greenpeace: „Die Züchtung von Bananen mag schwierig sein, aber sie ist nicht unmöglich.“ Vielmehr sei die Gentechnik „ein unmöglicher Weg“. Er empfiehlt Uganda, stattdessen auf Biolandbau zu setzen. Dieser biete „große und ungenutzte Potenziale“.

  26. Stefan Rauschen sagt: 22. August 2012

    Kevin schrieb: “Die Agro-Gentechnik steht m.E. einer nachhaltigen Landwirtschaft grundsätzlich engegen, da sie das Prnizip der hochindustrialiserten Landwirtschaft verinnerlicht und sogar noch weiter pervertiert.”

    Ich möchte argumentieren, dass genau das GEGENTEIL der Fall ist – sofern denn die GVO nicht von FIRMEN (die ja Gewinn erwirtschaften wollen und daher dann klar einer Marktlogik folgen), sondern von UNIVERSITÄTEN und ÖFFENTLICHEN FORSCHUNGSEINRICHTUNGEN entwickelt werden.
    Beispiele hierfür gibt es aus Afrika zu Genüge: dort sind solche Pflanzen bereits im Feld im Versuchsanbau. In Deutschland und dem Rest der EU ist das leider wegen der Kritiker und ihrer teilweise äusserst militanten Methoden einfach nicht möglich. Hinzu kommt, dass die Regulierung so teuer ist, dass eine UNI sich das einfach nicht leisten kann.
    Daher ist das Monopol leider durch die Gegner der Grünen Gentechnik in den Händen großer Firmen zementiert. Und DAS finde ich die große Tragik dabei.

    Da geben die “Grünen” DAS Werkzeug schlechthin aus der Hand, um Landwirtschaft endlich nachhaltig gestalten zu können. Und merken es nicht einmal…

  27. Kevin sagt: 23. August 2012

    Ich verstehe schon: Schuld daran sind alle Anderen! Überall böse und fortschrittsfeindliche NGOs, dumme und ängstliche Menschen, hysterische Medien, fiese Bürokratien und nicht zu vergessen die übermächtigen Ökos. *ironieoff*
    Mit Verlaub: Alles wunderbare Zutaten für die abstrusesten Verschwörungstheorien. Viel Spaß weiterhin damit und auf wiedersehen!

  28. torben hoffmeister sagt: 24. August 2012

    Nanu, und ich dachte immer Verschwörungstheorien sind eine Spezialität der Gentechnik-Gegner a la “hinter allem steckt Monsanto” oder “die von der EFSA und dem BfR können nur bestochen sein”, wie erst kürzlich der “Experte” von testbiotech herausfand und die Anfrage der Grünen im Bundestag an den Tag bringen sollte, was aber leider zum Rohrkrepierer wurde.

  29. HUM sagt: 24. August 2012

    Beim Verfolgen der Blogbeiträge kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, als ob sich “David” bzw. “Kevin” hier von Anfang an nur als Provokateur betätigt. Er ignoriert bzw. negiert hartnäckig Sachargumente, gibt wohlfeile Allgemeinplätze von sich wie “..Agro-Gentechnik steht m.E. einer nachhaltigen Landwirtschaft grundsätzlich entgegen…usw.”. Auf eine wissenschaftlich-sachliche Debatte lässt er sich nicht ein und kanzelt seriöse, peer-reviewed Studien kurzerhand als “absurd” ab… nicht zuletzt werden dann auch die Wissenschaftler im allgemeinen und persönlich angegangen und es wird Ihnen u. a. Arroganz, Ignoranz und Naivität unterstellt. Zum Schluss zieht er das Ganze in seinem überheblichen Duktus auch noch ins Lächerliche, um seine eingebildete Überlegenheit in der Sache zu demonstrieren:
    „..Ich verstehe schon: Schuld daran sind alle Anderen! Überall böse und fortschrittsfeindliche NGOs, dumme und ängstliche Menschen, hysterische Medien, fiese Bürokratien und nicht zu vergessen die übermächtigen Ökos. *ironieoff*…“

    Bei soviel Borniertheit bleibt mir einfach die Luft weg und ich muss mich im positiven Sinne wundern, mit wie viel Ruhe und Geduld die Herren Hoffmeister, Langelüddeke, Rauschen, Spelsberg u.a. dennoch immer wieder versuchen, Sachargumente dagegen zu setzen…

    Aber letztlich will -wie ich vermute- David/Kevin ja nicht diskutieren, sondern auf diesem Plenum nur seinen pseudo-religiöse Anti-Agro-Gentechnik Position an ausgewiesenen Fachleuten erproben, um – sich nach „geschlagener Schlacht“ selbst als Sieger wähnend -wieder zu seinen Glaubensgenossen „zurückzukehren“ und sich von Ihnen feiern zu lassen…

    In einem mag Kevin leider recht haben „Die Agro-Gentechnik ist in Europa gescheitert…“, aber nicht wegen irgendwelcher vielbeschworener möglicher Risiken, sondern weil sie sehr erfolgreich als Instrument zur Stimmungsmache von NGOs und Politikern genutzt wurde und wird, um auf Stimmen- und Spendenfang zu gehen… der Ablasshandel im Mittelalter funktionierte nach den gleichen Mechanismen…
    Insofern finde ich es jedes Mal billig, wenn undifferenziert auf die Agro-Gentechnik verbal eingedroschen wird, eine Technik die in Deutschland und Europa weitestgehend de facto ja nicht existiert und die, wo es aufgrund von Wahlen möglich ist, von „grün-ideologisierten“ Gegner an den Schalthebeln der Macht bis hinein in die Akademie verhindert wird.
    Aber auf einen schon (oder vielleicht doch nur vorübergehend?) am Boden liegenden „bösen“ Gegner kann man ja noch mal so gut eintreten und sich danach besser fühlen, nach dem Motto „Ah, denen habe ich es aber mal wieder gegeben“…

    „Gentechnikfreie“ Zonen breiten sich immer weiter aus. Die Kirchenvertreter beider Konfessionen ziehen munter mit, wohl in der Hoffnung, von diesem Glaubenskrieg profitieren zu können. Die Freiheit der Forschung und der Lehre ist bzgl. Herstellung und Untersuchung transgener Pflanzen schon massiv eingeschränkt worden. Gegen einen derartigen Rechtsbruch regt sich allerdings hierzulande keiner medial wirksam auf. Der Widerstand der Wenigen, die es betrifft (Stichwort Exodus eines Wissenschaftszweiges bzw. Braindrain) scheint mir gebrochen, bzw. den verantwortlichen Wissenschaftler wird regelrecht existentieller Druck u. a. durch Androhung von Entzug von Finanzmitteln gemacht… offenbar -noch- ein Tabu-Thema, aber im Kollegenkreis kursieren die entsprechenden Nachrichten mehr oder weniger offen. Nur vereinzelt wenden sich betroffene und renommierte Wissenschaftler an die Öffentlichkeit, um auf diese fatale Entwicklung hinzuweisen. Merkwürdigerweise sind es aber diejenigen, die Ihre Karriere schon weitgehend hinter sich haben und die daher nicht mehr um Ihre Existenz bangen müssen, wenn sie sich einmal in den Medien kritisch äußern. Die anderen versuchen, das Beste aus Ihrer Situation zu machen und gehen den Weg des geringsten Widerstandes oder orientieren sich außerhalb Europas. Das erinnert fatal an andere Zeiten, als man wegen seiner Gesinnung noch um viel mehr fürchten musste…

    In meinen Augen war der „lange Marsch“ der Agro-Gentechnik-Gegner durch die Institutionen leider durchaus erfolgreich… die langfristigen negativen Konsequenzen sind noch lange nicht so augenscheinlich, aber wenn es unserer Volkswirtschaft und damit den sog. „Verbrauchern“ und Ihrer Kaufkraft erst mal nicht mehr so gut geht, wie noch heute, dann werden die Folgen der irrationalen Technikverweigerungshaltung uns alle -einschließlich der engagiertesten Gentechnik-Gegner- empfindlich treffen. Die Zeichen dafür stehen momentan nicht schlecht, denn unsere Politikerklasse ist gerade parteiübergreifend dabei, im Kontext einer beispiellosen Euro-Krise mit der sog. Energiewende unsere Volkswirtschaft alternativlos an die Wand zu fahren.

    Es ist eine interessante und wichtige Frage, wo genau die Wissenschaft im „gesellschaftlichen Diskurs“ denn versagt hat, denn -wie Herr Hoffmeister richtig bemerkte- vor dem Diskurs wurde sich nie gedrückt (im Gegenteil, je mehr Aufklärung, desto mehr Opposition). Wieso erreichen immer wieder geduldig vorgebrachte Sachargumente, und wenn sie noch so einsichtig sein mögen (z.B. den nachgewiesenermaßen geringere Belastung der Umwelt durch verringerten Einsatz von Herbiziden oder Insektiziden) den Verbraucher nicht? Muss es tatsächlich erst ein transgenes Produkt analog zum Handy sein, dessen evidenter direkter Nutzen für die Anwender weltweit durch seine massenhafte Akzeptanz die Bedenken der Strahlenphoben quasi überrollt hat, um die Leute zum Um- bzw. Nachdenken zu bringen? Wieso wird z.B. eine flächendeckende Ausbringung mit Bt-Toxinen im Ökolandbau als völlig harmlos akzeptiert, ein Feld von transgenen Mais-Pflanzen mit dem gleichen Protein in viel geringere Konzentrationen ausgestattet, dagegen als unkalkulierbares Umweltrisiko wahrgenommen… wieso werden über chemische Mutagenzien oder Strahlen erzeugte mutierte Nutzpflanzen als harmlos akzeptiert, obwohl sie völlig unkontrollierte Veränderungen in Ihrem Genom erleiden aber nie eine Sicherheitsprüfung absolvieren mussten, (was ja in den meisten Fällen völlig in Ordnung ist, wie die Erfahrung zeigt), gezielt gentechnisch optimierte oder (besser aber leider selten in der Öffentlichkeit verwendet) veredelte Pflanzen, die eine umfangreiche Prüfung durchmachen, bevor sie vermarktet werden dürfen, werden dagegen als Hochrisikotechnologieprodukt abgelehnt?
    Das ist doch mit Logik und nüchternem, wissenschaftlichem Denken nicht wirklich nachzuvollziehen…

    Risikowahrnehmung, Meinungsbildung und Deutungshoheit in unserer Gesellschaft funktionieren offenbar anders und damit sind -die meisten- Naturwissenschaftler im Laufe Ihrer Ausbildung nicht wirklich konfrontiert worden. Sie lernen bestenfalls, die eigenen Experimente selbst-kritisch zu hinterfragen und diese einem Fachpublikum zu präsentieren und auf der Sachebene darüber zu streiten bzw. Sachargumente mit Gegenbeweisen zu entkräften.
    Solche Sätze, mit denen dann dieser Blog zugetextet wird, wie „Doch der Versuch Gesellschaft und Natur in ökonomische Wertekategorien zu sortieren, ist nicht nur fraglich, sondern gerade zu absurd. Nichts anderes passiert aber auch in der industrialisierten Landwirtschaft. Natürliche Prozesse werden in ökonomische Prozesse übersetzt, Effektivität und Ertrag als Leitwerte bestimmt, die stetige Kapitalakkumulation als eigentliches Ziel formuliert.. Erzeugt wird dabei ein seltsames Bild der Beherrschbarkeit und der vermeintlichen Kontrolle von natürlichen Prozessen durch eine konstruierte Ökonomisierung. ….“. um es einmal deutlich zu formulieren, das ist letztlich nichts anderes als pseudo-intellektuelles, inhaltsleeres Geschwafel… aber so etwas scheint auf Laien offenbar Eindruck zu machen und zur Anti-Gentechnik-Meinungsfindung beizutragen. Wenn wir verstehen, wieso die Gentechnik-Gegner mit Ihren Kampagnen und Panikmachen so erfolgreich sein konnten bzw. noch sind, dann könnten wir daraus vielleicht lernen, wie man sich dessen besser erwehrt und ggf. auch Konzepte entwickeln, um aus der derzeitigen Defensive herauszukommen…

    Z.B. erinnere ich mich an einen Vortrag von Prof. Potrykus, in dem er klar machte, dass die Verhinderung des Golden Rice durch NGOs dazu beiträgt, dass täglich 6000 Kinder in Entwicklungsländern erblinden… so gesehen wird statt einem Defensiv-Argument, der Golden-Rice stellt kein Umweltrisiko dar etc. pp., ein offensives Argument, das deutlich die Mitschuld und Mitverantwortung der Technikverhinderer an dem Schicksal dieser Kinder benennt. Das ficht die Vertreter der reinen Anti-AgroGentechnik Lehre sicherlich nicht an, aber es mag auf unbeteiligte Laien, um deren Stimme in der Masse es aber letztlich geht, zum Nach- und Umdenken anregen…

    Ein weiterer Aspekt ist die Frage, ob die Mehrheit -der gern zitierte Verbraucher- wirklich so gegen Agro-Gentechnik (mit Ihren vielen Facetten) ist, wie uns das immer durch die Medien, die Politik und „Umfragen“ suggeriert wird. Die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 hat zumindest gezeigt, das diejenigen, die am lautesten die Wahrheit für sich in Anspruch nahmen, letztlich nicht die Mehrheit vertreten haben. Die stille Mehrheit mag anders (oder gar nicht) über Agro-Gentechnik denken, als die „lauten“ Gegner, insofern besteht auch noch Hoffnung für eine -sehr langsam wachsende- Akzeptanz für Agro-Gentechnik.

    Ich wünsche und hoffe, noch viele Beiträge von den Herren Hoffmeister, Rauschen, Spelsperg, Langelüddeke und allen weiteren, ungenannten Mitstreitern lesen zu können. Ich denke, Ihr Engagement und Fachwissen, mit dem sie gute Sachargumente liefern, hilft vielen Kollegen und interessierten Laien, die selbst nicht die Zeit haben, sich in die Materie einzuarbeiten und die ganze Primär- und Sekundärliteratur zu sichten, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Last not least ist es auch Ihr öffentliches Engagement, das vielen stillen Befürwortern Mut macht, trotz der gegenwärtigen irrationalen öffentlichen Anti-Stimmungsmache nicht komplett „das Handtuch zu werfen“.

  30. Stefan Rauschen sagt: 24. August 2012

    @Kevin: das sind keine Verschwörungstheorien. Ein Kollege von mir, der lange Jahre in der EU KOM und auch bei der OECD gearbeitet und sich mit diesem Thema befasst hat kann die ganze Genese, von den ersten Anfängen der Regulation, bis zum Stand heute ganz anschaulich beschreiben.
    Die Regulation wurde immer strenger (aus den verschiedensten Gründen, und auch diverse Wissenschaftler sind daran nicht unschuldig) und haben mit dazu geführt, dass wir diese zementierte Position jetzt haben.

    Und mal Bitte: das NGOs sich über Spenden aufgebrachter (nicht unbedingt dummer oder hysterischer) Menschen sich finanzieren, und damit die NGOs “gezwungen” sind, entsprechende “Produkte” zu liefern, liegt doch in der Natur der Sache begründet. Nicht alle Aktivisten haben das hehre Ziel, die Welt zu retten. Genauso wenig, wie alle Wissenschaftler.
    Tatsache ist aber, dass es solche Wissenschaftler gibt. Auch in Firmen. Das wird nur gerne von den NGOs verneint, weil dann deren moralisches Monopol verschwindet.

  31. Kevin sagt: 27. August 2012

    @ HUM
    Sie beklagen sich über Forschungsfreiheit (tun dabei so, als sei diese generell grenzenlos. Das mag das Wort Freiheit suggerieren, in Gesellschaft gestaltet es sich aber immer ambivalent) und betreiben zugleich selbst einen ziemlich gewaltätigen Diskurs, indem Sie allen, die nicht ihrer Meinung sind, eine eigene Meinung (die sehr wohl eine sachliche Grundlage haben kann) absprechen. DAS ist ideologisch und im übrigen ein seltsames Demokratieverständnis! Zumal sich meine Anmerkungen vorwiegend und ursprünglich auf die politisch-gesellschaftliche Problematik bezogen habe. – war ja auch eigentlich der Aufhänger dieses Blogartikels.
    Klar, finden Sie mein daher überspitztes Fazit borrniert und fühlen sich provoziert. Dabei beinhaltet es genau das, was Sie und ihre Kollegen immer so jämmerlich beklagen. Lesen Sie sich doch ihren Artikel durch, sie bestätigen es mit einem einzigen Post *seufz* Ihre Reaktion zeigt daher nur die Ignoranz und Überheblichkeit, die ich genau kritisiere.
    Ich widerhole mich zudem gerne: Ihre Akteursanalyse ist schon irgendwie bermerkenswert realitätsfern.
    (a) Ablasshandel durch NGOs: Vielleicht sollten Sie sich mal genauer anschauen, wie groß das Budget in den NGOs zum Thema Gentechnik wirklich ist und dies in Realation zu anderen Kampagnenthemen setzen. Sie werden sehe, es ist ein relativ kleines Budget – dass im übrigen sogar noch weiterhin im Verhältnis schrumpfen würde, wenn man es den Propagadamitteln der Gentech-Industrie gegenüberstellt.
    Zudem wäre es mir neu, dass das Thema Agro-Gentechnik in bei einer Wahl jemals ein wahlentscheidender Faktor darstellte. Das dürfte letztlich selbst bei Grünen-Wählen kein Prioritäts-Thema sein.
    (b) Sie überschätzen maßlos den Einfluss der “Ökos”. Ich kann einen solchen Marsch durch die Institutionen jedenfalls in keinsterweise erkennen. Vielmehr bleibt bei dem Thema festzuhalten, dass derzeit ein erheblicher Teil der Gelder an die Agro-Gentechnik vom Staat kommt.
    (b) Es geht nicht um Technologiefeindlichkeit, sondern um ein kritisches Bewusstsein gegenüber neuen Technologien und deren möglichen gesellschaftlichen Folgen und Risiken. Nicht jede neue Technologie muss einen Fortschritt beinhalten. Aber das passt anscheinend auch nicht in ihr Weltbild. Sie leben lieber mit ihrem alten Feindbild, der böse “Öko” ist gegen Technik und neue Technologien. Tja, dabei haben beispielsweise genau diese “Ökos” die Energiewende maßgeblich vorangetrieben. Schön, dass Sie dann die Energiewende und die Euro-Krise dazu noch erblindete Kinder (natürlich nur, weil diese keinen Golden Rice essen durften) mischen. Das ist wohl ihr Beitrag zum Thema Populismus :(
    Und wenn Sie von Mehrheiten und Minderheiten reden, dann sollten sie sich vielleicht auch mal ein bisschen politische Theorie dazu zu Gemüte führen – z.B. Hannah Arendt. Ihre Behauptungen sind mir jedenfalls zu einfach gestrickt. Lustig, dass sie dann auch noch mehrmals ein wissenschaftliche Betrachtungsweise für sich beanspruchen. Nunja…

    @ Stefan Rauschen
    Über Regulation und bürokratische Hürden kann man sich sicherlich immer streiten. Natürlich sollte sichergestellt werden, dass eine Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt. Leider sind gerade auch solche Debatten sehr stark von ökonomischen Interessen geprägt. Das erschwert oftmals den Überblick zu behalten. Ich erinnere an die Debatten zu REACH oder auch zu Pestiziden.
    Menschen – ob nun Wissenschaftler, NGO-Kampaigner oder in anderne Funktionen – sind erstmal alle nur Menschen. Sie haben zwar vermutlich ein bestimmtes Fachwissen in ihrem Bereich erworben, sind aber natürlich nicht unfehlbar. Auch NGOs sind dies sicherlich nicht.
    Das Ziel der Arbeit eines Wissenschaftlers in einem Unternehmen ist dabei immer auf einen Mehrwert für das jeweilige Unternehmen definiert. Das ist soweit wenig verwerflich, beinhaltet durchaus aber gleichwohl gewisse Problematiken. Natürlich besitzt dabei jeder Mensch auch bestimmte Motivationen und Überzeugungen. Dies bedeutet. dass ein potentieller Rollenkonflikt auf der Ebene durchaus existieren kann. Ein solch potentieller Rollenkonflikt kann sich noch verstärken, wenn diejenige Person noch für andere (verschiedene) Akteure arbeitet. Genau das beinhaltet m.E. die Kritik von testbiotech und anderen. Nicht mehr und nicht weniger und sie haben damit durchaus Recht, auch wenn ein Beweis in diesem Sinne sicherlich nicht einfach vorzulegen ist. Der Rollenkonflikt existiert aber zwangsläufig!

    Natürlich ist es auch erforderlich NGOs und Arbeit immer kritisch zu betrachten. Ich stimme Ihnen in diesem Punkt gerne zu. Allerdings ist es polemisch, allein in der oftmals notwendigen Spendengenerierung einen Vorwurf perse zu konstruieren. Auch hier gilt: Jede Art der Finanzierung hat seine Vor- und Nachteile. Ich jedenfalls bin überzeugt, dass gerade aufgrund der Notwendigkeit eine besondere Sorgfalt nötig ist. Glaubwürdigkeit ist daher gerade für solche Organisationen ein fundamentales Gut, übrigens letzlich auch zur Legitimation ihrer Arbeit. Nur mit Hysterie und Panikmacherei würde man hingegen (mittel- und langfristig) niemanden überzeugen können.
    Die Ursache für die Ablehnung der Agro-Gentechnik liegt daher, wie schon öfters erwähnt, hauptsächlich in anderen Faktoren begründet. Ihre Aussage wird daher nicht glaubwürdiger, wenn weiterhin versucht wird sich in einer reinen Opferrolle zu präsentieren.

  32. torben hoffmeister sagt: 28. August 2012

    „Tja, dabei haben beispielsweise genau diese “Ökos” die Energiewende maßgeblich vorangetrieben.“ Ich will ja Ihr Weltbild nicht erschüttern, aber die sog. Energiewende entwickelt sich gerade zu einem technischen, fiskalischen und sozialen Fiasko. Es wurde und wird – weil es ins ideologische Öko-Konzept passt („Sonne und Wind = Natur schicken keine Rechnung“) oder gerade politisch opportun war – subventioniert und umverteilt, was das Zeug hält und damit neue Lobbys geschaffen, die sich nun nicht anders verhalten als die davor bekannten. Nur mit dem einen Unterschied, dass sie sich moralisch höher bewerten, weil sie sind ja die vermeintlich Guten. Tja und sie gehören offensichtlich auch zu denen, die sich in erster Linie moralisch im Recht wähnen. Und raus kommt dabei so etwas: „Ihre Reaktion zeigt daher nur die Ignoranz und Überheblichkeit…“. Mit moralisierenden Kriterien und Appellen kann man eben nicht eine wissenschaftliche Fragestellung wie die nach eventuell bestehenden besonderen Risiken der Agro-Gentechnik klären. Dazu gehört ein ganz anderes Handwerkszeug als die von Ihnen eingeforderte Beschäftigung mit politischer Theorie. Die vorliegenden Ergebnisse ( siehe die hier oft zitierte Schlussfolgerung in einem EU-Bericht, dass die Agro-Gentechnik keine anderen Risiken hervorbringt als die konventionelle Züchtung) können sie zur Kenntnis nehmen oder auch nicht oder auch schlichtweg nicht daran glauben. Aber letzteres ist nicht Wissenschaft, sondern bestenfalls Ideologie. Da sie die, die nicht Ihrer Meinung sind als ignorant oder überheblich bezeichnen, sehe ich das eher als Anmaßung gegenüber der Meinung und Leistung anderer Menschen. Das stellt wiederum ihre sehr stark auf moralischen Kriterien aufgebaute Argumentation ganz erheblich in Frage.

  33. Kira sagt: 28. August 2012

    NEIN! Es ist doch wieder klar, dass die großen Konzerne die Gelder bereit stellen. Ihnen würde *vielleicht* mehr verloren gehen, als sie jetzt in die Kasse zahlen. Das Risiko alleine wollen sie nicht eingehen.

    LEUTE, es geht hier um die Kennzeichnungspflicht! Was ist da einzuwenden?

    Die Menschen, die keine gentechnisch Veränderten Nahrungsmittel kaufen möchten, müssen

    doch wohl selber entscheiden können. Wieso sollen große Konzerne bestimmen ob

    Gekennzeichnet wird oder nicht? Sie sollen zu ihrer Arbeit stehen und den Verbrauchern, denen es nichts ausmacht, die werden dieses Zeug schon kaufen!

    Was soll das es dem Verbraucher immer schwer zu machen eine gute Kaufentscheidung zu treffen.

    Ich habe das Satt! Genauso sollte das auch in EUROPA ablaufen! Kennzeichnungspflicht und Fertig! Ich will das NICHT kaufen! Und trotzdem kauf ich es immer wieder, weil es einfach NIRGENDSWO drauf steht!

  34. Kira sagt: 28. August 2012

    Zitat:
    Gedacht war Kennzeichnung ursprünglich als „neutrale“ Information, doch inzwischen wird sie ausschließlich als Warnhinweis verstanden. Zitat Ende.

    Also, ich find das eine Frechheit! Es so pauschal zu sagen ist einfach FALSCH! Nein, es gibt Menschen die dies EBEN NICHT als Warnhinweis aufnehmen.
    Das machen nur die, die einfach keine gentechnisch Veränderten Nahrungsmittel wollen. Was ist daran so schwer?

    Ich als Verbraucher habe doch wohl das Recht selber zu entscheiden, was ich Essen will! Ich fühl mich extrem bevormundet! Abscheulich

  35. Kira sagt: 28. August 2012

    Was für ein Bericht, sorry. Wer hat den bitte geschrieben ? ;) ))

    Zitat:
    Niemand würde sich um die Kennzeichnung scheren, wenn „ohne Gentechnik“ so etwas Ähnliches wäre wie koscher, halal oder vegan – kulturell gewachsene Nahrungstabus oder Ernährungsweisen, die man als private Grundeinstellung respektiert wie den Glauben, ohne diesen vom eigenen Standpunkt aus zu bewerten oder infrage zu stellen.
    Zitat Ende.

    Natürlich würde man sich TROTZDEM! dafür interessieren. Menschen die nur Halal-Fleisch essen müssen sich auch erkundigen WELCHES FLEISCH Halal ist und gehen zu ausgewählten Läden!

    Für diese Menschen ist es sehr schwer in Deutschland zu leben, weil in den Supermärkten einfach keine Kennzeichnung vorhanden ist. Sehr wenig! Zum Beispiel sind in Säften tierische Gelatine und müssen nicht draufstehen WEIL! diese im Endprodukt NICHT! enthalten ist, aber trotzdem wurde damit gearbeitet!

    Also, irgendwie stimmt das nicht ganz was hier in dem Beitrag steht ;)

    Jeder achtet auf Kennzeichnung, nur fehlt sie einfach oft. So kann niemand eine für sich, optimale Kaufentscheidung treffen.

  36. Kira sagt: 28. August 2012

    Und wenn ihr Euch ausreichend informiert hättet wüsstet ihr auch, dass in Holland eine Kennzeichnung pflicht ist und den Markt hat es nicht wirklich beeinflusst.

    Nur wenige Menschen entscheiden sich dagegen. Der Masse ist es doch egal. Aber für die, die es nicht möchten ist ein guter Hinweis.

  37. A. Schmidt sagt: 28. August 2012

    Kira: “Der Masse ist es doch egal.”

    Das glaube ich auch. Und wenn demnächst in Kalifornien auf 80, 90 oder noch mehr % der (verarbeiteten) Lebensmittel dieser “Warnhinweis” steht, hören dann die Leute auf zu essen? Kaufen sie dann erst “organic”, obwohl es jetzt schon ginge?

    Nicht zuletzt sind die Agitatoren ja hierzulande dagegen, daß umfassend gekennzeichnet wird, denn dann würde sich die “Warnung” ja auch hier schon auf der Mehrzahl der Packungen befinden und unter den anderen vielen Hinweisen (“Kann Spuren von dies oder dem oder jenem enthalten”) womöglich gar niemanden mehr aufregen? Da könnte dann deren bescheuertes Kartenhaus glatt in sich zusammenfallen.

  38. A. Schmidt sagt: 28. August 2012

    @KevinDavid: Da hast Du was verwechselt. “Verschwindend gering” ist weltweit der sogenannte “Öko”-Anbau. Das sind nämlich gerade mal 6 M ha (etwa halb so viel Ackerland wie es in D gibt). Dagegen standen letztes Jahr auf 160 M ha GVO, also 27 x “Öko” oder 13 x die Ackerfläche Deutschlands. So sieht’s aus.

  39. Kira sagt: 28. August 2012

    @A.Schmidt
    Nein, die Leute hören bestimmt nicht auf zu essen, weil dieser Hinweis drauf steht. Nur die, die es nicht wollen kaufen es einfach nicht. Und das sollte jedem Verbraucher selbst überlassen werden, ob es kaufen möchte oder nicht!

    Wie gesagt, den größten Teil der Menschen interessiert es herzlich wenig, weil die Masse eher beschränkt ist oder genug andere Probleme hat oder es sie einfach nicht interessiert ;)

    Es geht um die Leute, die einfach KEIN GENFOOD (manipuliert) auf den Tisch haben wollen.

    Und die Industrie ist selber Schuld, dass da so viel Wind gemacht wird und Ärger kommt, denn wenn die sich nicht so quer stellen würden, wäre die Sache schon lange vom Tisch!

    Aber SO! Genau SO! , weil die Industrie es mit allen Mitteln verhindern will und somit *Aufmerksamkeit erregt* kommen sie immer mehr in die Öffentlichkeit und tragen einen großen Teil dazu bei, dass die Menschen, zwar sehr langsam, aber nach und nach immer mehr Information wollen, darüber *was denn da hintersteckt*.

    Zu dem ist es wirklich extrem KURIOS! dass die Industrie sich so quer stellt. Also selber Schuld. Ich bin nach wie vor GEGEN! diesen Gen-Hype und bin strikt dagegen, dass Gen-Pflanzen in irgendeiner Form angebaut werde!!! In Europa.

    Aber das ist nicht alles, ich bin auch dafür, dass härtere Gesetzte geben sollte für die Zulassung von Chemikalien! Zu dem sollten auch keine Studien der Industrie anerkannt werden, denn diese sind einfach nicht unabhängig. Weniger Gen-Futter für Tiere.

    A.Schmidt, also wird auch in Deutschland gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut????

  40. A. Schmidt sagt: 29. August 2012

    @Kira – Bewußt werden in D keine GVO angebaut, außer für Freisetzungsversuche. Aber es werden Millionen Tonnen importiert und verfüttert. Da ist es dann schon ziemlich scheinheilig, es nicht auch selber anzubauen. Und 80% des Maissaatguts kommt aus dem Ausland. Es werden ja immer nur Stichproben genommen; wenn die positiv sind, muß die Charge vom Markt. Aber für 100% “genfrei” müßte man 100% des Saatguts testen und damit zerstören. Ergo rutscht natürlich immer was unerkannt durch.

    Dazu werden ein Großteil der Lebensmittelzusatzstoffe gentechnisch erzeugt. Dann gibt es ja noch vieles, wo ein Nachweis gar nicht möglich ist, etwa Zucker, Stärke, Soja-Öl und vor allem das ubiquitäre Sojalecithin. Womöglich gilt das auch für Tofu. Wenn über 90% des Soja in der Welt gv ist, wie naiv muß man dann sein, daß ausgerechnet das Produkt, was man gerade selbst konsumiert, “genfrei” ist…

    Wenn man also ehrlich wäre, dann müßt auch bei bei uns überall mindestens der Hinweis “kann unter Verwendung von Gentechnik hergestellt sein” draufstehen. Aber – wie gesagt – dann könnte man gar nichts mehr skandalisieren und davon lebt Gr€€npeace nun mal.

  41. Kira sagt: 29. August 2012

    Ist eine genfreie-Zone überhaupt möglich?

  42. Kira sagt: 29. August 2012

    Es wurde bewiesen, dass Mäuse die Genfraß zu sich genommen haben, Magengeschwüre bekommen habe

  43. Stefan Rauschen sagt: 29. August 2012

    Kira: bewiesen wurde da nichts. Und sowas wie “Genfraß” gibt es auch nicht, jeder GVO muss (und wird) einer Fall-zu-Fall-Betrachtung unterzogen.

    Aber ich wollte eigentlich auf die Kennzeichnung hinaus: das Problem ist m.E. nicht die Kennzeichnung an sich, sondern die Ausnahmen, die gemacht werden. Denn die sind irreführend.
    In Kalifornien beispielsweise müssten “öko/Bio” Lebensmittel nicht gekennzeichnet werden, selbst dann nicht, wenn sie erhebliche Spuren von GVO enthalten! Andere Lebensmittel müssten bei gleichen Spuren gekennzeichnet werden. Wo ist denn da der Sinn, wenn es darum geht, Leute darüber zu informieren, ob und wo GVO drinstecken?
    Es gibt in der kalifornischen Initiative noch weitere ähnliche Ausnahmen, die keinen Sinn ergeben.

    Wenn man kennzeichnet, dann auch vollumfänglich. Aber wie hier bereits festgestellt, wollten dass diverse Leute (selbst die Ökos oder Frau Aigner, soweit ich mich erinnere) nicht.
    Über die Motivation dahinter kann man auch mal nachdenken.

    @Kevin: Das mit den Spenden und NGO. Testbiotech e.V., der ja gerne mit Kritik gegenüber der EFSA aufwartet, aber auch andere NGO, erhalten Geld von privaten Stiftungen, wie GEKKO zum Beispiel. Dahinter stecken dann Individuen, die keine GVO wollen (aus welchen Gründen auch immer), und entsprechend mit ihrem Geld ihre eigene Agenda über die GVO umsetzen wollen.
    Da würde ich dann schon eine deutliche Vorwegnahme der Stoßrichtung annehmen wollen.

  44. Brazn sagt: 17. September 2012

    Ich finde das Thema schon sehr interessant.

    Wenn ich mir den Artikel durchlese (wie auch bei anderen Artikeln in diesem Blog), kann ich beim besten Willen nicht ignorieren, dass mir eine gewisse Polemik entgegen schlägt. Grundsätzlich kann ich den Frust auf Seite der naturwissenschaftlichen Betrachtung zu diesem Thema gut verstehen, da m.W.n. bislang noch kein Verbraucher nachweislich und direkt an Genfood gestorben ist und es an belastbaren Beweisen für faktische direkte Risiken mangelt (zumindest für die Produkte, die auf dem Markt sind). Auch ist es sicher kein Spass als “Monster” hingestellt zu werden, nur weil man im Bereich der Gentechnologie arbeitet und hier durchaus zu Verbesserungen der Lebensbedingungen beiträgt. Gentechnik ist aber nicht nur Naturwissenschaft.

    Es stellen sich auch Fragen in der Nutzung der Gentechnik, ihre Auswirkung auf Anbaupraktiken (in z.B. Südamerika), die Marktentwicklung etc., die nicht unmittelbar aus der genetischen Veränderungen entstehen. Welche Lösung für das Nahrungsmittelproblem findet politische Unterstützung? Wie kann man nachhaltigen Landbau mit GVO in Einklang bringen? Das sind dann wiederum auch Definitionsfragen, aber dies nur am Rande.

    Natürlich sollten hier der Vollständigkeit halber auch die möglichen direkten Umweltauswirkungen angesprochen werden, jedoch gibt es auch hier m.W.n. keine Studien, die klar beweisen, dass es zu Problemen kommt oder aber es gibt Gegenstudien. Andererseits möchte ich aber nicht ausklammern, dass für einige Kritiker es auch an den Untersuchungsmehoden liegen könnte. Ich will hier an sich nicht skeptisch sein, jedoch gibt es nun das Beispiel der Risikoabwägung im Bereich der Atomenergie und der diesbezüglichen Energiewende. Ich will Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, möchte hier keine Diskussion zu Risikoabwägungspraxis der EU forcieren und nur auf einen Umstand hinweisen: Etwas was zu Beginn als ungefährlich angesehen wurde, mag mit der Zeit in einem anderen Lichte dastehen. Das hat dann mit Vertrauen in wissenschaftliche Methoden zu tun und das Vertrauen ist – sagen wir mal – zwiespältig. Insbesondere bei GVOs, die in die Umwelt freigesetzt werden, mag es dann sein, dass wir in Zukunft ein Problem haben könnten, da eine Rückholbarkeit in meinen Augen sehr schwierig sein kann. Vertraut man den Abwägungsmethoden nicht, sollte man dies also verhindern. Hierbei geht es um den Umgang Nicht-Wissen. In gewisser Weise besteht es und aus diesem Grunde sollte man vielleicht vorsichtig sein. So weit so gut. Von der GVO-Industrie habe ich hier schon des öfteren gehört, dass das Vorgehen der EU “übervorsichtig” ist und darüber hinaus eine Methode für “Feiglinge”. Aber, und hier will ich ganz besonders darauf hinweisen: durch die politisch motivierte Sperrhaltung der EU geben wir das Heft für die Entwicklung bzw. der Mitwirkung an ihr aus der Hand. Wenn in den EU keine nennenswerte Forschung betrieben wird, werden wir auch zu Aussenseitern, die die globale Entwicklung nicht beeinflussen können und wenn wir den Umweltaspekt und die mögliche Auskreuzung bedenken, dann müssen wir feststellen, dass GVOs nicht vor nationale Grenzen halt macht. Eigentlich ist es dann egal ob es ein Deutsches oder ein US-GVO ist, dass unsere Umwelt “verpestet”. Im Grunde ist die Technologie in der Welt und wir beeinflussen sie nicht mehr und verschließen die Augen (oder nur eines, je nachdem wie man es sehen mag). Mit diesem Beispiel verlassen wir aber den engen Kern der Risikodebatte, die nur die kalkulierbaren Risiken im Auge hat. Es geht mitunter um die Frage in welcher Welt wir leben wollen.

    Die Thematik des Artikels im Allgemeinen ist wie Kevin/David beschreibt ist im Kern eine gesellschaftlich-politische. Insofern kann ich gewisse Kritiken an seinen Ausführungen nicht verstehen. Gut, eine gewisse Polemik ist auch hier vorhanden, aber es ist eine legitime Meinung, die als solche für sich steht und sicherlich in einem Blog mit der Zielsetzung, die hier verfolgt wird, dankbar angenommen werden sollte. Leider ist die Diskussion etwas eskaliert. Wissenschaftler und/oder gebildete Diskutanten sprechen sich die Expertisen ab (schade). Das scheint auch nichts Neues zu sein. Kevin/David scheint es mir aber weniger um den engen Risikodiskurs sondern um den Entwicklungsdiskurs zu gehen.

    Insbesondere Kira und Schmidt haben dankbarerweise den Fokus wieder auf Kennzeichnung gelenkt und hier ist die Frage für das für und wider in erster Linie keine Risikofrage (aus rein juristisch-wissenschaftlicher Sicht!). Es geht also weniger um den direkten Verbraucherschutz, denn um die Wahlfreiheit des Verbrauchers (auch wenn der Verbraucher beides miteinander in Verbindung bringen mag). Genau wie Schmidt beschreibt, stellt sich dann die Frage der Ausnahmen und der Machbarkeit. In der EU bekommen wir jeden Tag Gentechnik auf den Tisch ohne dass wir es tatsächlich mitbekommen. Es gibt einen Schwellenwert, der peinlich genau von der Industrie eingehalten wird (mit Ausnahmen, Deutschland steht jedoch ganz gut da). So müssen die Produkte auch nicht gekennzeichnet werden (das gilt auch für Bio-Produkte, denn hier gilt der Schwellenwert auch). Aus Sicht der Wahlfreiheit des Verbrauchers ist dies dann sicherlich zu bemängeln. Aus Sicht der Machbarkeit ist dieser Ansatz jedoch verständlich. Würde jeder geringe Teil an GVO in Produkten gekennzeichnet werden müssen, könnte es schon sein, dass es für die Trennung von Produktströmen zu gewissen Mehrkosten kommt. Beim Saatgut werden diese Mehrkosten z.B. auf den Bio-Unternehmer aufgeschlagen. Zudem könnte es sein, dass durch unsere hochindustrialisierte Lebensmittelproduktion, die viele Inhaltsstoffe beinhaltet, die Wahlfreiheit (zwischen normalen und GVO-Produkten) ziemlich eingeschränkt wäre.

    Mitunter stellt sich aber die Frage, ob der Ansatz tatsächlich im Sinne des Verbrauchers ist. Momentan haben wir eine Produktkennzeichnung, die kennzeichnet, wenn GVOs im Produkt vorhanden ist (über dem Schwellenwert). Einige befürworten jedoch auch eine Prozesskennzeichnung, die vergleichbar mit dem EU-Bio-Label dann greifen würde, wenn im Prozess der Entstehung eines Produktes Gentechnik eingesetzt wurde.

    Nicht alle Verbraucher verknüpfen Gentechnik mit unmittelbare Risiken. Es gibt sogar Tendenzen, dass es eine breite Gruppe von Verbrauchern gibt, die sich nicht für das Thema interessieren und es teilweise sogar Leid sind, diesen Meinungskampf nach all den Jahren noch mitzuerleben, weil es ihnen nichts bringt. Entweder sie wollen keine Gentechnik und das hat dann eher moralisch-ethische Hintergründe, die ebenso bestehen, wie die Abneigung gegen hochindustrialisierte Lebensmittelproduktionen, oder aber es ist ihnen mehr oder weniger egal. Egal, weil das Thema Gentechnik nicht in die Kaufentscheidung mit einbezogen wird. Hier gibt es verschiedene Gründe:
    1. Der Verbraucher möchte sich darüber schlichtweg keine Gedanken machen, da er keine Informationen bekommt auf deren Basis er sich eine Meinung bilden kann und sich dementsprechend verhalten kann. Wissenschaftliche Studien helfen ihm nicht weiter, weil diese nicht mit bestimmten Produkten zusammenhängen oder er den Zusammenhang erst umständlich herstellen muss, da er sie z.B. nicht in der Kaufsituation hat oder diese Studien einfach nicht verständlich sind. Andere Kriterien sind dann wichtiger.
    2. Er kann sich GVO als Auswahlkriterium nicht leisten und muss das günstige Produkt kaufen (z.B. Hartz IV). Natürlich ist Gentechnik kein Garant für günstige Produkte, insbesondere für den Verbraucher, da die Gewinnmarge eher in der Produktion erhöht wird, als dass die Ersparnis dem Verbraucher zukommt, jedoch mag dies im Einzelfall anders sein. Bedenken wir unterschiedliche Modelle der Kennzeichnung und der etwaigen Mehrkosten durch Produktkettentrennung, so ist je nach Szenario denkbar, dass die Mehrkosten die konventionellen Produkte trifft, bzw. die vermeintlichen GVO-freien Bio-Produkte, die ja grundsätzlich etwas teurer sind.
    3. Er weiß, dass nur sichere Produkte auf dem Markt sein dürfen und vertraut, dass auch GVO Produkte so sicher sind wie GVO-freie. Insofern vertraut er den Institutionen und den ökonomischen Akteuren, die nach seiner Ansicht es sich nicht leisten können unsichere Produkte auf den Markt zu bringen. Wenn er ein Produkt auf dem Markt sieht, hinterfragt er dann nicht, ob das Produkt GVO beinhaltet. Hier ist z.B. auf die Gentechnik-frei Kennzeichnung hinzuweisen. Die gibt es bei einigen Produkten bereits, jedoch muss dies kein Kriterium sein. Gentechnik-frei ist bei Verbrauchern unbekannter als sich einige Fachleute vorstellen können.

    Grundsätzlich ist GVO-Kennzeichnung an sich erst mal nichts Schlimmes und sicherlich auch kein Garant für Protest und Aufschrei der breiten Verbraucherschaft. Es stellt sich eher die Frage, wie Wahlfreiheit gewährleistet werden kann, also ab wann und wie gekennzeichnet werden muss und wie der Markt auf solche Kennzeichnungen reagiert, d.h. wie sich Preise und Produktangebote entwickeln bei der Umsetzung der Regelungen. Da sind wir in den EU sogar besser dran als die USA, denn der gewachsene inkognito GVO-Markt wird einiges tun müssen, um sich eventuell umzustellen. Die Reaktionen der US-Verbraucher ist erst mal nicht absehbar. Hier haben wir in der EU zumindest gewisse Erfahrungen auf die wir aufbauen können. Kennzeichnung ist für die Verbaucher also nicht per se und unmittelbar eine Risikokennzeichnung.

  45. A. Schmidt sagt: 7. November 2012

    Die “Dr. Mercola”-Fraktion konnte sich wohl nicht durchsetzen.

  46. Sambi sagt: 7. November 2012

    Das Argument, es sei noch niemand an GV-Pflanzen gestorben, ist wirklich absolut lächerlich. Meine Güte, mit demselben Recht könnte man sagen, Zigaretten sind völlig ungefährlich, weil noch niemand nach dem Rauchen einer Zigarette oder gar einer oder zwei Schachteln gestorben ist.
    Die angeblichen Unbedenklichkeitsforschungen sind daher ebenso lächerlich und beweisen absolut nichts, das heißt, nein, sie beweisen, dass im Organismus nach einer kurzen Zeit des Konsums von GV-Pflanzen noch keine oder nur geringfügige Veränderungen zu verzeichnen sind.
    Meiner Meinung nach können nur Langzeitstudien tatsächlich feststellen, ob dieses Zeugs gefährlich ist oder nicht. Aber bitte nicht von Laboren, die von Monsanto & Co finanziert werden, denn deren Ergebnisse sind vorhersagbar – wobei Tierversuche im Grunde auch keine Sicherheit bieten, weil Tiere eben keine Menschen sind. Was eine Ratte vertragen kann, kann für einen Menschen schädlich sein – und umgekehrt (siehe Contergan etc.).

    Liebe Wissenschaftler, die hier so wortreich für die Gentechnik Partei ergreifen: Macht es euch nicht stutzig, dass Monsanto & Co sowie die großen Lebensmittelkonzerne sich so vehement und mit wirklich viel Geld GEGEN die Kennzeichnung aussprechen?
    Wenn alles so ungefährlich und toll wäre, würden die doch ganz gelassen reagieren. Was hätten sie denn zu befürchten, wenn ihr Genzeugs keinerlei Auswirkungen auf den Menschen hätte?
    Meiner Meinung nach sollte ein Wissenschaftler auch seine eigenen Prämissen in Frage stellen können, kritische Argumente also z.B. ernsthaft überprüfen, statt sie von vornherein zu verdammen. So stelle ich mir UNABHÄNGIGE Wissenschaft vor.
    Aber vielleicht bin ich ja blauäugig und will nicht kapieren, dass es letztendlich doch nur ums Geld geht?

  47. Hoffmeister sagt: 8. November 2012

    Sambi: „Das Argument, es sei noch niemand an GV-Pflanzen gestorben, ist wirklich absolut lächerlich. Meine Güte, mit demselben Recht könnte man sagen, Zigaretten sind völlig ungefährlich, weil noch niemand nach dem Rauchen einer Zigarette oder gar einer oder zwei Schachteln gestorben ist.“
    Ihre Argumentation hat einen entscheidenden Fehler. Für die Schädlichkeit von Zigarettenrauch mit vielen kanzerogenen Inhaltsstoffen gibt es zig Belege, für die Schädlichkeit von GV-Pflanzen keinen einzigen seriösen, außer vielleicht die von solchen „unabhängigen Forschern“ wie Seralini, die sich ihre junk science – Arbeiten gern von greenpeace oder Bioprodukte-Ketten sponsoren lassen. Das ganze Gerede von der angeblich fehlenden Unabhängigkeit in Zulassung und Bewertung von GV-Pflanzen ist der hilflose Versuch, die eigenen Ideologie dennoch zu retten, auch wenn von den ganzen Prophezeiungen zu Schäden nichts weiter übrig bleibt als blauer Dunst.
    Lieber Sambi, macht es Sie nicht stutzig, dass in Deutschland Naturkostketten und Bioindustrie mit wirklich viel Geld und politischer Einflussnahme ihre Nulltoleranz- und Gentechfrei-Agenda durchboxen wollen, auch wenn sie nichts zu befürchten haben, da es ja einen Kennzeichnungsschwellenwert gibt. Aber Sie haben es unfreiwillig erkannt: Ja es geht auch bei denen ums Geld.

  48. Gerd Spelsberg sagt: 9. November 2012

    Was sind eigentlich UNABHÄNGIGE Wissenschaftler? Unabhängigkeit wird ja häufig eingefordert, aber ich habe den Eindruck, es wird vom jeweiligen Ergebnis her bestimmt. Als “unabhängig” (und das heißt ja “wahr” und frei von externen Interessen) gilt Wissenschaft dann, wenn das Ergebnis die jeweils eigene Sichtweise bestätigt.

    Müsste sich “Unabhängigkeit” nicht an der wissenschaftlichen Arbeitsweise festmachen, an der Fragestellung und der Art und Weise, wie sie überprüft wird?

  49. A. Schmidt sagt: 12. November 2012

    @Sambi: Sämtliche Pharmaprodukte werden nach den vom Gesetzgeber festgelegten Regeln geprüft und zugelassen. Selbstverständlich führen die Hersteller diese Test selber durch bzw. bezahlen sie und die Behörden bewerten es dann.

    Du müßtest Dir jetzt schon mal ein verdammt gutes Argument ausdenken, warum das bei GVO anders sein soll. Oder erklär doch mal, wieso Du bei der Pharmaindustrie kein Problem mit diesem Verfahren hast. Oder falls doch, dann setze Dich bitte dafür ein, daß alle Medikamente augenblicklich verboten werden, bis es ein “unabhängiges” (soll wohl heißen, vom Steuerzahler finanziertes) Verfahren gibt.

  50. Oh Mann sagt: 16. Februar 2016

    “Auf eine wissenschaftlich-sachliche Debatte lässt er sich nicht ein und kanzelt seriöse, peer-reviewed Studien kurzerhand als “absurd” ab… nicht zuletzt werden dann auch die Wissenschaftler im allgemeinen und persönlich angegangen und es wird Ihnen u. a. Arroganz, Ignoranz und Naivität unterstellt.” (HUM)

    “..außer vielleicht die von solchen „unabhängigen Forschern“ wie Seralini, die sich ihre junk science – Arbeiten gern von greenpeace oder Bioprodukte-Ketten sponsoren lassen. “(Hoffmeister)

    Soviel zum Thema Objektivität! Ich hab mich jetzt hier durchgeqält und stelle fest, ihr seid alle dogmatisch! Der Unterschied, den ich noch erkennen konnte, war das Kevin versucht hat, das Wechselwirkungsgeflecht, welchem wir alle unterliegen noch einzubeziehen, indem er auf begleitende Faktoren aufmerksam gemacht hat. Hoffmeister et al. reiten nur auf dem isolierenden Fakt rum, Gentechnik sei nicht problematisch, was aufgrund fehlender wirklicher LANGzeitstudien, die noch als seriös zu bezeichnen wären zu bezweifeln wäre. Fakt ist, das gentechneisch veränderte Spuren schon fast überall in Lebensmitteln zu finden sind. Genau hier wird die Wahlfreiheit eingeschränkt und damit ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Einbringen in ein Ökosystem mehr als gerechtfertigt. Gentechnik unter Laborbedingungen ist etwas anderes, als freie Feldversuche.

    Ich kenne eine Biologin (Mexikanerin), die sich mit dieser Materie unter anderem auseinandersetzt und mit den Auswirkungen in ihrem Heimatland konfrontiert ist. Es ist schön von abgeschotteten Deutschen zu hören, das alles unproblematisch sei. Aber für diese Menschen sind eure Diskussionen belanglos. Sie kämpfen bereits gegen die Auswirkungen (sei es wirtschaftlich, sozial oder ökologisch). So lange dies nicht beherrschbar ist, hat Gentechnik auf dem Matkt nichts zu suchen! Das Gentechnik selbst als wissenschaftliches Verfahren unproblematisch sein soll, würde mir also gar nichts nutzen, auch wenn es so wäre. Und ich stehe auch der konventionellen Landwirtschaft kritisch gegenüber!

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