Leuchtende Fische. Kochen mit GloFish®

2. April 2012 | von:

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„Was wir brauchen, ist das biologische Äquivalent zum Sony-Walkman“, sagt Lewis Dodgson, einer der Genforscher in Michael Crichtons Jurassic Parc. Es werde bald eine starke Nachfrage nach Consumer biologicals geben, Dinge, die nicht wirklich nützlich sind, aber Spaß machen, cool und trendy sind. Unterhaltung, Sport, Haustiere. In Jurassic Parc sind sie dann dummerweise auf die Dinos gekommen und die Sache hatte sich erst mal erledigt. Aber das ist zwanzig Jahre her (Wer weiß noch, was ein Walkman war?), doch inzwischen gibt es tatsächlich ein Abfallprodukt aus der gentechnischen Forschung, klein, bunt und völlig nutzlos, aber mit Walkman-Potenzial.

Man kennt das von den Glühwürmchen: Es gibt einige Tiere (und auch Pflanzen), die können fluoreszierende Proteine bilden, so dass sie nachts „leuchten“. In der Forschung werden diese GFP-Proteine überall als sichtbare Indikatoren genutzt: Werden die GFP-Gene mit anderen Genen gekoppelt, zeigt das Leuchten an, wo und wann diese Gene aktiv sind. Man kann so die räumlichen und zeitlichen Aktivitätsmuster von Genen optisch erkennen und daraus wichtige Schlüsse ziehen. Für die Entdeckung des GFP-Proteins – und seine universalen Anwendungsmöglichkeiten -  gab es 2008 den Nobelpreis für Chemie.

Es lag nahe, so etwas mit Zebrafischen zu machen. Jeder, der zu Hause ein Aquarium hat, kennt sie. Zebrafische sind auch ein praktischer, daher häufig genutzter Modellorganismus in Genetik und Entwicklungsbiologie. Und - sie dienen als lebende Testsysteme für die Qualität des Wassers, in dem sie schwimmen. Mit GFP-Protein wird das noch praktischer: Die Fische leuchten, wenn es ihnen schlecht geht.

Doch GFP-Zebrafische für die Wissenschaft sind noch längst kein massentaugliches Fun-Produkt. Was sie dazu macht, ist für Molekularbiologen und Biochemiker kein großes Problem: Wenn sie ständig leuchten, dazu in unterschiedlichen, coolen Farben – dann wird daraus GloFish®, das perfekte Consumer biological, nicht ganz so spektakulär wie bei Michael Crichton, dafür aber weitaus erfolgreicher. In der USA verkauft sich Glofish prächtig, es gibt ihn in fünf „aufregenden Farben”: Starfire Red, Electric Green, Sunburst Orange, Cosmic Blue, Galactic Purple. Man benötigt nur noch eine UV-Lichtquelle (Schwarzlicht), um sie richtig zur Geltung zu bringen.

Aber immer nur Aquarium wird auf die Dauer langweilig. Wie wär‘s mit Glowing Sushis? Wenn die bunten GloFische zwischen Reis und Noriblätter eingerollt werden, dann leuchtet auch das Essen, wenn es im Halbdunkeln serviert wird. Die Sushi-Platte als Licht-Inszenierung. Aber aufpassen, raten die Köche von der Glowing Sushi Cooking Show, hohe Temperaturen, Essig und andere saure Zutaten zerstören das Leucht-Protein. Gut, dass der Fisch roh in die Sushis kommt.

Sicher, GloFish wurde fürs Labor entwickelt, nicht für das Aquarium zu Hause oder gar, um ihn zu essen. Aber, so versichern Experten auf der Glowing Sushi-Website, es gibt überhaupt keinen Grund für die Annahme, dass Leucht-Proteine im Zebrafisch ein Risiko darstellen könnten, auch nicht, wenn sie im Sushi verspeist werden. Allenfalls in Kalifornien könnte es Probleme geben, denn dort ist GloFish nicht erlaubt. Die Behörden des Bundestaates verlangen eine Umweltverträglichkeitsprüfung, viel zu teuer für ein kleines Unternehmen wie Yorktown Technologies, das GloFish überall in den USA vertreibt. Und aus dem gleichen Grund sollte man weder Glofische, noch leuchtende Sushi-Rollen mit ins Ausland nehmen.

Natürlich sind die bunten Glofische in Deutschland verboten. So farbenprächtig sie sich auch im heimischen Aquarium ausmachen, sie sind ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) und dafür braucht man eine teure, langwierige Zulassung. Wer Glofische einführen will, darf sich nicht erwischen lassen. Es ist schon ein paar Jahre her, da gingen einem aufmerksamen deutschen Zollbeamten eine Ladung Glofische ins Netz. Doch wohin mit den beschlagnahmten Fischen? Ein Aquarium, das den Anforderungen der Gentechnik-Sicherheitsstufe 1, vielleicht sogar 2 entspricht, war so schnell nicht aufzutreiben. Und die Glofische einfach in den Sterilisator zu stecken, kam nicht in Frage, denn das Töten von Tieren ist so ohne weiteres auch nicht erlaubt. Vermutlich ist gar nichts passiert. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann schwimmen sie in irgendeinem Aquarium und bringen etwas Farbe in einen tristen Alltag.

Kommentare

  1. Stefan sagt: 2. April 2012

    “Man kennt das von den Glühwürmchen: Es gibt einige Tiere (und auch Pflanzen), die können fluoreszierende Proteine bilden, so dass sie nachts ‘leuchten’.”

    War das bei Glühwürmchen nicht Chemilumineszenz statt Fluoreszenz!?

  2. Gerd Spelsberg sagt: 2. April 2012

    Das “echte” GFP-Protein stammt aus einer Qualle (Aequorea victoria). Ob in GloFish Varianten des GFP-Prroteins exprimiert werden oder andere, weiß ich nicht genau. Aber das ist für die Geschichte auch nicht unbedingt wichtig….

  3. Gerd Spelsberg sagt: 3. April 2012

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